Stanislava Hristova sitzt auf einem Tisch. Hinter ihr sitzen drei Mitschüler. Diese sind in eine Diskusion vertieft.

Für Schulpreis nominiert: Stanislava Hristovas Schule lebt Demokratie

Füreinander

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An der Green Gesamtschule in Duisburg ist das Klassenzimmer ein Ort der Zusammenarbeit. Hier lernen Schülerinnen und Schüler selbstständig, in wechselnden Teams. Dafür wurde die Schule für den Deutschen Schulpreis nominiert. Und das Konzept bringt auch Schülerinnen wie Stanislava Hristova nach vorn.

Von Lara Schürmann

"Was denkt ihr, welche Koalitionen könnten sich daraus bilden?" Montagmorgen in Raum 218 der Green Gesamtschule in Duisburg-Rheinhausen. Stanislava Hristova sitzt mit drei Mitschülerinnen der 10b an einem Vierertisch. Über den Beamer läuft ein kurzer Ausschnitt aus der Tagesschau zur letzten Bundestagswahl. Die Bilder zeigen Balkendiagramme. Die 16-Jährige zögert kurz, dann sagt sie: "Ich glaube, viele wünschen sich, dass mehrere Parteien zusammenarbeiten, damit es gerechter zugeht." Die Gruppen beginnen, zu diskutieren. Es geht um Kompromisse, Vertrauen und Verantwortung. Für Stanislava Hristova ist klar: Politik lebt vom Gespräch - so wie hier, an ihrem Tisch.

Lernen im Team, statt allein im Heft

An Hristovas Schule arbeiten die Schüler dauerhaft in einem kooperativen Lernsystem. Das bedeutet: In jeder Stunde wird im Team gearbeitet, denn Teamarbeit steht im Mittelpunkt des Schulkonzeptes. Die Gruppen werden bewusst heterogen zusammengesetzt - leistungsstarke, ruhige, auffällige, zurückhaltende Schülerinnen und Schüler sollen gemeinsam lernen. Die Lehrerinnen und Lehrer halten sich dabei eher im Hintergrund. Sie geben Impulse, helfen weiter, aber sie halten keinen klassischen Frontalunterricht.

Stanislava Hristova über das Schulkonzept "Kooperatives Lernen"

00:30 Min. Verfügbar bis 28.05.2027

"Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler voneinander lernen - nicht nur fachlich, sondern auch sozial", erklärt der didaktische Schulleiter Norbert Diesing. An der Green Gesamtschule gehört dieses Konzept zum pädagogischen Alltag. Zum klaren Vorteil für Stanislava Hristova. Die permanente Gruppenarbeit holt sie aus ihrer Komfortzone - "Und das ist gut so", sagt die Zehntklässlerin und lächelt.

Früher habe ich mich nicht mal getraut, jemanden nach dem Weg zu fragen. Stanislava Hristova

Stanislava Hristova sitzt mit ihrem Team auf einer Bank im Gang der Schule, denn während der Arbeitsphase dürfen sie den Klassenraum verlassen. Hier sind sie für sich und können in Ruhe sprechen. Für Hristova war das kooperative Lernen ein echter Wendepunkt.
"Als ich klein war, war ich immer still. Ich hab mich kaum getraut, auf Deutsch was zu sagen, weil ich Angst hatte, Fehler zu machen", erzählt sie. Ihre Familie zog aus Bulgarien nach Deutschland, als sie sechs Jahre alt war. Heute sei das alles kein Problem mehr. Sie sei zwar immer noch ein eher ruhiger Typ, aber: "Ich habe gelernt, dass meine Meinung zählt." Und sie spreche sie auch aus.

Wie die Teamarbeit Stanislava Hristova Mut und Selbstvertrauen gibt

00:40 Min. Verfügbar bis 28.05.2027

"Es soll ein Lernort für Respekt, Toleranz und Demokratie sein", beschreibt es Norbert Diesing, der didaktische Leiter der Schule. "Gerade in Duisburg, wo viele verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, sei das Grundverständnis der Demokratie und ein respektvoller Umgang miteinander besonders wichtig." Kommunikationsfähigkeit lernen, im Austausch mit anderen Menschen stehen, Kompromisse eingehen und gemeinsam an ein Ziel kommen - genau das macht das Konzept des kooperativen Lernens aus und genauso die Demokratie.

Duisburger Schule unter Top 20

Mit diesem Schulkonzept hat sich die Green Gesamtschule für den Schulpreis 2025 beworben und wurde nominiert. Unter mehr als 100 Bewerberschulen hat sie es unter die besten 20 Schulen in Deutschland geschafft.

Zwei Schülerinnen sitzen auf einer Bank und haben jeweils einen Collegeblock und ein Papier auf ihrem Schoß. Sie halten einen Stift in ihrer Hand.

Mit Teamarbeit hat es die Green Gesamtschule Duisburg unter die Top 20 geschafft

Der Deutsche Schulpreis wird von der Robert Bosch und der Heidehof Stiftung verliehen. Kooperationspartner sind die ARD und die ZEIT Verlagsgruppe. Er hat das Ziel, die Qualität von Schule und Unterricht in Deutschland zu verbessern. Im Mittelpunkt soll dabei die hervorragende pädagogische Arbeit stehen, die viele Schulen in Deutschland bereits leisten.

Die Schulen werden seit 2006 von den Stiftungen mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr beträgt das Preisgeld für den 1. Platz 100.000 Euro. Erstmals wird zusätzlich ein Preis für Demokratiebildung vergeben. Damit werden Schulen ausgezeichnet, die demokratische Prozesse besonders gut fördern. Die Siegerehrung findet im September statt.

Demokratie im Klassenzimmer

Nach der Stunde bleibt Hristova noch kurz sitzen. Sie heftet ihr Arbeitsblatt ab und lächelt. "Früher hätte ich nie gedacht, dass ich sowas mal sagen würde, aber: Ich mag es, zu diskutieren." Dann packt sie ihre Sachen. Mathe steht als Nächstes auf dem Stundenplan. Auch da wird im Team gearbeitet - wie überall an der Green Gesamtschule. Denn hier gilt: Zusammen sind wir stärker.

Über dieses Thema haben wir auch am 13.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.