Zwei Bobsportler, die ihren gelben Bob anschieben.

Neele Schuten aus Gladbeck bei Olympia: Als Bobanschieberin zur Medaille?

Sport | Heimatliebe

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Am Freitag werden in Mailand die Winterspiele eröffnet. Deutsche Medaillenchancen gibt es reichlich. Aber Edelmetall made in Gladbeck im Ruhrpott - da kommt man erstmal nicht drauf. Ist aber möglich: Neele Schuten startet als Anschieberin im Bobfahren.

Von Stefan Göke

Ein dunkler Flur in einer Sporthalle in Gladbeck. Training für Neele Schuten. Die 26-Jährige muss einen Metallkörper über eine lange Matte schieben. So wird ein echter Bob imitiert. Der Koloss wiegt 75 Kilogramm - die Matte bietet viel Widerstand, das ist absolute Schwerstarbeit. In der Halle daneben hat eine achte Klasse gerade Sportunterricht. Die Schülerinnen und Schüler ahnen nicht, dass im Flur gerade das Unternehmen Olympia läuft.

Schuten trainiert täglich, zum Teil mehrfach. Mal im Team an der Bobbahn in Winterberg, mal alleine zu Hause im Ruhrgebiet - Kraft, Schnelligkeit, Koordination. Ihr Verein, der TV Gladbeck, ist dabei eine Art kleine Anschieber-Hochburg. Immer wieder wechseln Athletinnen und Athleten von der Leichtathletik zum Bobsport. Bei Schuten war das genauso.

Neele Schuten ist Bobanschieberin für Olympia

Lokalzeit Ruhr 23.01.2026 03:14 Min. Verfügbar bis 23.01.2028 WDR Von Stefan Göke

Seit sie acht Jahre alt ist, macht sie im Turnverein in Gladbeck Sport, wurde dann zur Hürdensprinterin. Vor acht Jahren wurde sie deutsche U20-Jugendmeisterin im Hürdensprint. "Da hab ich noch Hausaufgaben gemacht zuhause und schön trainiert, hab mich mit meinen Freunden getroffen, da war ja heile Welt." Schuten erinnert sich an die Zeit und lacht.

Von der Laufbahn in den Bob

Doch dann kam ihr Trainer Heiner Preute ins Spiel, selbst gelernter Bobfahrer. Er hat das geschulte Auge und weiß, wann jemand das Zeug zum Anschieber hat: "Eine gewisse Größe und auch ein gewisses Gewicht sind von Vorteil, plus eine gewisse Schnelligkeitsleistung. Daraus kann sich was entwickeln", erklärt Preute. Gesagt, getan. Auch Schuten probierte das irgendwann einfach mal aus.

Am Anfang war alles mehr als ungewohnt. "Man hat sich so ein bisschen wie ein kleiner Trottel gefühlt. Denn das hat ganz viel mit Technik zu tun und die beherrscht man am Anfang nicht so richtig." Dann wurde es immer besser, Schuten blieb dabei und ist heute eine Weltklasse-Athletin. Was immer geblieben ist, von der ersten Fahrt an, das ist das pure Adrenalin bei der Schussfahrt runter ins Tal.

Das Team Olympia aus NRW

Und sie ist nicht allein: Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen meldet insgesamt 13 Athletinnen und Athleten, die von den Olympiastützpunkten im Land kommen und bei den Winterspielen starten. Schwerpunkt: Bob und Skeleton rund um die Bobbahn-Hochburg Winterberg oder Eishockeyathleten.

Auch der deutsche Superstar aus der nordamerikanischen Eishockey Profiliga Leon Draisaitl wird als Kölner als NRW-Athlet geführt. Dazu kommen noch Personen drumherum: Andre Schrader aus Bochum ist bei den Spielen Deutschlands einziger Eishockey-Schiedsrichter. Und Neele Schutens Gladbecker Vereinskollegin Kira Lipperheide ist als Ersatzanschieberin im Bobfahren dabei.

Olympia-Premiere

Für Schuten jedenfalls werden es die ersten Olympischen Spiele sein. Die Bobteams sind erst gegen Ende der Winterspiele, rund um den 19. Februar, an der Reihe. Dass sie dabei als Anschieberin im Zweierbob immer etwas im Schatten ihrer Pilotin Lisa Buckwitz steht, stört Schuten nicht: "Ohne uns geht gar nichts, um das mal ganz platt zu sagen." Sie lacht. Und freut sich auf das, was da kommt, und was sie noch nie erlebt hat.

Neele Schuten und Lisa Buckwitz, zwei Frauen mit Mütze und Traininskleidung, lächeln und halten ihre Bob-Helme hoch.

Neele Schuten (l.) und Lisa Buckwitz beim Bob-Weltcup in Innsbruck vor einem Jahr

Die Olympiabahn in Cortina kennt sie vom Weltcup, eine Eisrinne, die ihr liegt. Gold, Silber oder Bronze im Wintersport, made im Ruhrpott. Der Schlitten mit Schuten und Buckwitz an Board geht zweifelsohne mit Medaillenchancen an den Start.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 23.01.2026, 19.30 Uhr.