Die Freifrau von Kö posiert auf einer Brücke der Düsseldorfer Königsallee. Sie trägt ein schwarzes Kleid und große goldene Ohrrigne und Ketten. In der rechten Hand hält sie eine offenene Sektflasche.

Stadtführung mit Glamour-Garantie: Die Freifrau von Kö in Düsseldorf

Heimatliebe

Stand:

Die Freifrau von Kö ist Düsseldorfs glamouröseste Stadtführerin: Mit edlem Gewand, hoch aufgetürmter Lockenpracht und einem Gläschen Perlwein führt sie Touristen als angebliche Millionärsgattin regelmäßig über die Königsallee. Ein Interview über Herkunft, Bühne und Glamour.

Von Marlena Busch

An der Haustür beginnt die Show: "Oh, wollen Sie mir etwa einen Staubsauger verkaufen, ein Magazin, ein Abo? Ach, kommen Sie erstmal rein. Hätte ich gewusst, dass Sie kommen, hätte ich mich hübsch gemacht." Die Freifrau von Kö, bekannt für ihre Drag-Stadtführungen durch Düsseldorf, ist ganz in ihrer Rolle. Auf dem Weg ins Wohnzimmer spricht sie ununterbrochen. Dabei passt die biedere Einrichtung im Stil der späten 70er-Jahre auf den ersten Blick gar nicht zum Leben einer Glamour-Queen. Die Person hinter der Figur, Andreas Patermann, lebt zwischen Fototapete, Schrankwand und Medusa-Lampe. Zu essen gibt es Toast Hawaii. Das Haus erzählt dabei genauso viel über die Freifrau, wie sie über sich selbst.

Lokalzeit: Wie passen diese Einrichtung und Toast Hawaii mit der Freifrau von Kö zusammen?

Freifrau von Kö: Toast Hawaii war in der Zeit, in der die Freifrau vermeintlich aufgewachsen sein soll, etwas Besonderes. Keiner weiß wirklich, wie alt die Freifrau ist. Geht sie mit großen Schritten auf die 70 zu? Oder sind das doch die Kilo vom rechten Oberschenkel? Es hält sich das Gerücht, dass die Freifrau von einem süddeutschen, etwas jüngeren Mann dargestellt wird. Und er träumt sich hier vielleicht in eine Zeit, die er als kleiner Junge noch gerade so erlebt hat.

Extravagant, glamourös, charmant: Die Freifrau von Kö

Lokalzeit aus Düsseldorf 25.11.2025 04:00 Min. Verfügbar bis 25.11.2027 WDR Von Marlena Busch

Lokalzeit: Was erzählt dieses Haus über diesen jungen Mann, Andreas Patermann?

Freifrau von Kö: Das Haus ist eine Art Rückkehr. Es ist nicht nur optische, sondern auch menschliche Heimat. Es verkörpert das Gefühl aus der Zeit in meinem fränkischen Dorf, bevor ich ins Dorf an der Düssel kam. Ich erinnere mich, wie ich bei Oma im Nikki-Plüsch sitze und mit ihr Toast Hawaii mache. Ich komme aus einem gutbürgerlichen, einfachen Haus. Es ging nie um Statussymbole, sondern um ein gutes, gemeinsames Familienleben. Ich bin glücklich, dass ich so eine tolle Kindheit hatte. Und das, obwohl ich schon immer ein Sonderling, ein Paradiesvogel war.

25 Jahre Düsseldorf: Wie die Freifrau zur Ikone wurde

Lokalzeit: Wie und wann haben Sie gemerkt, dass diese bunte Persönlichkeit in Ihnen steckt?

Freifrau von Kö: Das habe ich gar nicht gemerkt. Das haben andere gemerkt. Das war schon immer in mir drin. Als ich 18 oder 19 Jahre alt war, haben meine Freunde gesagt: "Such dir doch ein optisches Ventil, eine Bühne, wo du diesen Teil deiner Persönlichkeit ausleben kannst." Ich habe einen Beruf daraus gemacht. Die Freifrau ist nur die Hülle, eine optische Variante von Andreas.

Das ist die Freifrau von Kö

Die "Freifrau von Kö" ist die Kunstfigur des Travestie-Künstlers Andreas Patermann. Sie verkörpert eine klischeebeladene Millionärsgattin, die auf der luxuriösen Düsseldorfer Königsalle vollkommen in ihrem Element ist. Patermann schuf die Figur 2009 für den Karneval. Seitdem führt die Drag Queen Touristen über die Kö und gewährt humorvolle Einblicke in das glamouröse Leben der High Society.

Lokalzeit: Sie sind vor 25 Jahren nach Düsseldorf gekommen und haben hier Innenarchitektur studiert. Wie ist die Hülle der Freifrau entstanden?

Freifrau von Kö: Ich war bei einem ehemaligen Star-Architekten der 50er-Jahre tätig, der mich sehr geprägt hat. Er besaß ein riesiges Archiv über die Düsseldorfer Stadtgeschichte und das gesellschaftliche Leben. Da lernte ich, dass es die typische Millionärsgattin tatsächlich gab. Frauen, die durch Heirat vermeintlich Karriere machten. Mir wurde klar: Ich kann dieses Düsseldorfer Klischee mit meiner Persönlichkeit kombinieren. So ist die Figur entstanden, die im Februar 2009 an Karneval beim Tuntenlauf auf der Königsallee ihren ersten Auftritt hatte. Da war ich zum ersten Mal die Freifrau von Kö. Seitdem ist meine Bühne die Straße. Und ich fliege zwar regelmäßig in der Weltgeschichte rum, aber Düsseldorf ist mein Zuhause.

"Mit einem kleinen Schwips bin ich viel besser zu ertragen"

Lokalzeit: So ist auch der Glamour-Stadtbummel entstanden. Was können sich die Teilnehmer darunter vorstellen?

Freifrau von Kö: Viele Menschen denken, das muss Klamauk sein, so wie ich aussehe. Aber ich vermittle knallhart recherchierte Architektur- und Stadtgeschichte. Es ist anspruchsvoll, mir auf der Königsallee zweieinhalb Stunden zuzuhören. Was ich auf gerade mal 800 Metern so alles erzähle… Eine bunte Mischung aus Architektur, Anekdoten - und fast alles entspricht der Wahrheit.

Andreas Patermann steht in seinem Freifrau von Kö Outfit in seiner Küche. Er trägt riesige goldene Ohringe und ein schwarzes Kleid. In beiden Händen hält er lächelnd ein Blech mit Toast Hawaii.

Bei der Freifrau von Kö auf ein Toast Hawaii

Lokalzeit: Und ein kleiner Schwips ist auch inklusive?

Freifrau von Kö: Ganz genau. Am Anfang gibt es immer ein Gläschen "Kö Chandon". Mit einem kleinen Schwips bin ich viel besser zu ertragen.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 25.11.2025, 19.30 Uhr.