Silke Pan steht in einem inarmigen Handstand auf einer Stütze auf einem Podest in der Zirkusmanege. Unten steht ihr Mann und erhöht die zweite Stütze mit einem weiteren Baustein.

Nach Querschnittslähmung: Silke Pan kämpft sich zurück in den Zirkus

Dortmund | Heimatliebe

Stand:

Silke Pan ist Artistin mit Leib und Seele. Bis zu einem schweren Unfall. Im Rollstuhl weiter im Zirkus arbeiten? Unmöglich. Doch nach Jahren ist sie zurück in der Manege. Über eine Frau, die nicht aufgibt.

Von Katharina Hollstein

Ein Zirkuszelt, hunderte Augenpaare, die gebannt in die Manege schauen. Im Lichtkegel der Scheinwerfer steht Silke Pan auf einem Podest - im Handstand. Volle Anspannung. Sie schwenkt ihren Unterkörper von einer Seite zur anderen, hebt die Hände abwechselnd an. Ihre Füße sind an einer Stange befestigt, die auf ihrem Nacken aufliegt. Als Pan sich schließlich setzt, sich verbeugt und in die Menge strahlt, bricht tosender Applaus aus. Doch dass sie im Zirkus Flic Flac in Dortmund auftreten kann, ist alles andere als selbstverständlich.

Plötzlich querschnittsgelähmt

2007 trainiert Pan mit ihrem Mann eine Luftakrobatik-Nummer. Alle Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen, doch Pan stürzt. Auch ihr Trainer kann sie nicht auffangen. Sie bricht sich zwei Brustwirbel, ist seitdem querschnittsgelähmt.

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Laut der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten leben in Deutschland rund 140.000 Menschen mit einer Querschnittslähmung. Etwa 2400 kämen jedes Jahr dazu. Unter ihnen sind auch in NRW einige erfolgreiche Leistungssportler, zum Beispiel im Rollstuhl-Basketball.

Der Kampf zurück

"Ich musste wirklich eine große mentale Arbeit machen, um nicht auf das Verlorene zu gucken, sondern auf das, was mir bleibt, und was ich damit neu aufbauen kann", sagt Silke Pan. Nach ihrem Unfall entdeckt sie das Handbikefahren für sich und holt international zahlreiche Medaillen. Aber ihr Herz hängt an der Artistik.

2020 trifft die Corona-Pandemie auch Pan, Handbike-Rennen werden abgesagt. Die Sportlerin konzentriert sich jetzt vor allem aufs Krafttraining. Und wie aus dem Nichts habe sich ihr Körper plötzlich zurückerinnert, sagt Pan. Mit Unterstützung ihres Mannes macht sie zum ersten Mal wieder einen Handstand. 13 Jahre nach dem Unfall. "Das war für mich ein Gefühl der Wiedergeburt", erzählt sie. "Ich habe plötzlich gemerkt: Das, was ich wirklich liebe, ist doch erreichbar."

Pan trainiert hart, entwickelt ihre eigene Handstand-Technik. Über die Stange, die auf ihrem Nacken aufliegt, kann sie ihren Unterkörper hochdrücken und spürt, wie er sich bewegt. 2021 kehrt sie in die Manege zurück und tritt für die Weihnachtsshows 2025 zum ersten Mal im Zirkus Flic Flac auf. Ein Erfolg, an den sie vor 13 Jahren niemals geglaubt hätte.

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel der WDR Lokalzeit "Silke kämpft sich zurück: Querschnittsgelähmt in der Manege" vom 14.01.2026, 10.16 Uhr.