Pädagogin Karin Gerdemann und vier Kita-Kinder stehen auf der Trauerinsel auf dem Friedhof in Greven um das abgeschnittene Ende eines Sarges herum

Die Trauerinsel in Greven: Wo Kinder spielerisch dem Tod begegnen

Füreinander

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Mit Kindern über den Tod zu sprechen, ist nicht einfach. Die "Trauerinsel" auf einem Friedhof in Greven soll das ändern. Über ein einzigartiges Projekt im Münsterland.

Von Stefan Weisemann (Text) und Alina Freimann (Multimedia)

Klonk, klonk, klonk. Karlotta hüpft so hoch sie kann. Und das, obwohl es unter ihren Füßen ganz schön wackelig ist. Sie steht auf einem dicken Holzbalken, der hin- und herschwingt. Auch Nela, Oliver und Lenart hüpfen auf und neben dem Balken herum. Ausgelassen spielende Kinder. Mitten auf einem Friedhof in Greven.

Trauerinsel in Greven: Den Tod begreifen

Heilpädagogin Karin Gerdemann ist zusammen mit den vier Kita-Kindern hier. Sie erklärt ihnen mit einfachen Worten, was es mit dem Wackelbalken auf dem Friedhof auf sich hat. "Wenn man ganz, ganz traurig ist und ein Mensch verstorben ist, dann ist es manchmal so, als ob einem der Boden unter den Füßen wegfällt. Dann ist das richtig wackelig." Gerdemann nimmt Lenart an die Hand und führt ihn über den Balken. "Viel einfacher ist es, wenn dich jemand begleitet." Die Botschaft kommt schnell bei den Kindern an: Wenn man trauert, geben einem andere Menschen Halt.

Was ein wackeliger Holzbalken mit Trauer zu tun hat

00:25 Min. Verfügbar bis 02.08.2027

Der Wackelbalken ist nur eine von vielen Stationen auf der Trauerinsel auf dem Friedhof an der Saerbeckerstraße. Die grasgrüne Insel liegt ganz zentral neben der Kapelle. Bäume spenden Schatten, ein Sandkasten lädt zum Spielen ein und ein kleiner weiß-beiger Leuchtturm weist den Weg. Dorthin, wo es ganz kindgerecht um Tod und Trauer geht.

Wie trauern Kinder?

Wie Erwachsene trauern auch Kinder ganz unterschiedlich, wenn ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr da ist. Das Familienportal NRW beschreibt, wie sie sich dann verhalten: Manche Kinder ziehen sich zurück, andere werden wütend und aggressiv, wieder andere spielen viel und klammern sich an ihren Alltag. Laut des Portals leben in Deutschland 800.000 Kinder, die einen oder beide Elternteile verloren haben.

Dann ist vor allem wichtig, den Kindern Liebe und Nähe zu geben, ihnen zuzuhören und über die Trauer zu sprechen. Trauergruppen und Trauerbegleiter können dabei helfen. Kommen Kinder im Kita-Alter mit dem Tod in Berührung, ist die Situation eine besondere: "Für sie ist der Tod eher wie Einschlafen oder in den Urlaub fahren. Sie begreifen noch nicht, dass es für immer ist. Das kommt erst später, wenn sie acht bis zehn Jahre alt sind", sagt Pädagogin Gerdemann.

Trauerinsel für alle Besucher offen

Den Tod zu begreifen, ist eines der Ziele der Trauerinsel in Greven. Und zwar für alle und zu jeder Zeit. Der Friedhof ist konfessionslos, die Insel immer geöffnet. Bei Bedarf erkunden Fachkräfte und Ehrenamtliche mit den Kindern die Stationen. Neben jeder Station steht aber auch eine kleine Tafel mit Erklärungen.

Gerdemann führt ihre kleine Kita-Gruppe als Nächstes an das andere Ufer der Trauerinsel. Dort glänzt ein abgeschnittener Teil eines Holzsarges in der Sonne. Neugierig und ohne Berührungsängste tasten die Kinder, wie sich dessen glatte Oberfläche anfühlt. Die Pädagogin erklärt ihnen nebenbei, wie man einen Sarg gestalten kann.

Wie die Kinder den Sarg schmücken können

00:46 Min. Verfügbar bis 02.08.2027

Direkt neben dem Sarg können die Kinder auch eine Urne anfassen. Ebenso Grabsteine aus verschiedenen Steinarten und mit verschiedenen Verzierungen. Was sie gerne auf ihrem Grabstein hätten? "Ein Herz", "ein Eis", "einen Tiger", rufen die Kinder durcheinander. Sie reden hier über den eigenen Tod, als wäre es das Normalste der Welt. "Der Tod gehört zum Leben dazu, das vermitteln wir auch", sagt Gerdemann.

Trauer mit allen Sinnen erleben

Hören, sehen, riechen oder fühlen. Im Sand spielen, auf Steinen hüpfen oder sich zurückziehen. Alles ist auf der Trauerinsel möglich. Und das ganz ohne Trauerstimmung. Pädagogin Gerdemann hat das Projekt mitentwickelt und freut sich, wie gut es bei den Kindern ankommt.

Karin Gerdemann erklärt, was die Trauerinsel so besonders macht

00:32 Min. Verfügbar bis 02.08.2027

Der Lieblingsplatz der vier Kita-Kinder heute ist das kleine Tipizelt auf der Trauerinsel. Hier können sie sich alle vier verkriechen und durch ein Fernrohr in den wolkenlosen Himmel gucken. Besonders Oliver gefällt das: "Weil ich durch das Fernrohr vielleicht meine Uroma im Himmel sehen kann."

Über dieses Thema haben wir auch am 26.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.