Schmerzen, Kosten und Vorurteile: Studentin kämpft gegen Lipödem
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Schmerzen beim Haare Föhnen, Spazieren oder Tanzen: Für Chiara Orlowski aus Hamm ist das Alltag. Sie leidet an Lipödem. Die Krankheit verändert das Leben vieler Frauen - doch oft werden die Beschwerden nicht ernst genommen. Chiara Orlowskis Geschichte zeigt, wie schwer der Weg zur Hilfe ist.
Von Kristin Trüb
In der LipoClinic in Mülheim an der Ruhr steht Chiara Orlowski vor einem Spiegel. Ihr Arzt Thomas Witte tastet ihre Beine ab. Zwei Operationen hat die Studentin schon hinter sich - 15,5 Liter Fett wurden abgesaugt. "Das sieht super aus," lobt Witte, "das Bein hat jetzt eine ganz andere Form." Die 22-Jährige spürt bereits eine deutliche Verbesserung. Doch bis zu diesem Punkt war es ein langer Weg.
Wie sich Chiara Orlowskis Lebensqualität durch die erste OP gebessert hat
00:42 Min.. Verfügbar bis 02.07.2027.
Als Orlowski neun Jahre alt ist, beginnen ihre Beine immer dicker zu werden. Mit zwölf kommen die ersten Schmerzen - Wachstumsschmerzen, denkt sie damals. Die Ärzte tippen auf "große Muskeln". Doch der Alltag wird unerträglich. Ihre Beine schmerzen und brennen.
Ärzte nehmen Beschwerden nicht ernst
"Es fühlt sich an, als ob man einen Kasten Wasser an den Beinen hat, den man mit sich herumschleppt", erzählt die Studentin. Die Ärzte spielen ihre Beschwerden runter, raten zu weniger Essen. "Iss einfach die Hälfte, mach irgendwelche Diäten, mach doch mal mehr Sport. Das sind die Aussagen, die ich von Ärzten bekommen habe", erinnert sie sich.
Jahrelang macht Orlowski sinnlose Diäten, als Jugendliche isst sie oft nur ein Brötchen am Tag. Ihre große Leidenschaft ist das Tanzen. Sie gibt Kurse für Kinder, doch wegen der starken Schmerzen in den Beinen geht das irgendwann nicht mehr. Lange Tage an der Uni, Alltagstätigkeiten wie Haare föhnen oder Spaziergänge werden zur Qual. Erst durch eigene Recherche kommt Orlowski auf die Idee, dass sie an Lipödem leiden könnte - und bekommt schließlich endlich die richtige Diagnose.
Lipödem: Geringes Wissen über die Erkrankung
Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilstörung. Fettzellen vermehren und vergrößern sich unkontrolliert, vor allem an Beinen und Armen. Das Fettgewebe ist unregelmäßig verteilt und lässt sich durch Diäten oder Sport kaum beeinflussen. Typische Symptome sind schwere, schmerzende Beine, Schwellungen und eine erhöhte Druckempfindlichkeit. Die Erkrankung betrifft fast ausschließlich Frauen. Laut Lipödem-Portal ist etwa jede zehnte Frau in Deutschland betroffen.
Trotz der hohen Zahl an Betroffenen ist das Wissen über Lipödem in der Bevölkerung und auch bei vielen Ärztinnen und Ärzten gering. Viele Patientinnen kämpfen jahrelang um eine Diagnose. Die gesundheitlichen und finanziellen Folgen sind gravierend: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für operative Eingriffe wie die Fettabsaugung meist erst ab Stadium Drei. Orlowski leidet bereits im Stadium Zwei unter massiven Beschwerden, bleibt aber auf den Kosten sitzen.
Schmerzfrei sein hat einen hohen Preis
Orlowski will endlich schmerzfrei leben und entscheidet sich für die Fettabsaugung. Vier Operationen sind nötig. Kosten: 25.000 Euro. Als Studentin kann sie diese Summe nicht aufbringen. Die Krankenkassen lehnen ihren Antrag ab. Sie müsse mit den Beschwerden leben, heißt es, und warten, bis sie Stadium Drei erreicht.
"Darauf möchte man nicht hoffen, weil dann ist man an so einem Punkt angekommen, wo man kaum laufen kann. Vielleicht einen Rollator oder Rollstuhl braucht", erzählt Orlowski. Sie startet einen Spendenaufruf im Internet und erhält 4000 Euro. Davon und von ihrem Ersparten bezahlt sie die ersten beiden Operationen.
Chiara Orlowski muss wegen ihrer Lipödem-Erkrankung mit Vorurteilen kämpfen
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Zu Hause steht die Studentin inzwischen oft ungläubig vor dem Spiegel. Dass das ihre Beine sind, hat sie noch nicht realisiert. Noch muss sie eine Kompressionshose tragen, zwei weitere Operationen stehen an. Doch die Studentin blickt nach vorn: "Ich wünsche mir ein normales Leben, ohne Einschränkungen, ohne Schmerzen. Es gibt nichts Schöneres, als längere Spaziergänge zu machen und Lebensqualität zurückzugewinnen."
Über dieses Thema haben wir auch am 11.06.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Dortmund, 19.30 Uhr.