Mit KI gegen den Pflegenotstand: Ein Seniorenheim in Wadersloh macht es vor
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Fachkräftemangel und Bürokratie machen Pflegekräften zu schaffen. Wie ein Seniorenheim in Wadersloh im Kreis Warendorf erfolgreich Künstliche Intelligenz (KI) einsetzt, um die Herausforderungen zu meistern.
Von Melanie Weyand
Pflegerin Susanne Rydzynski steht im Zimmer von Seniorin Doris Possmann. "Na, wie geht es heute?", fragt Rydzynski. "Gut ist übertrieben", entgegnet ihr Possmann. Die Knie schmerzen. Rydzynski reicht ihr einen kleinen orangefarbenen Plastikbecher mit Schmerzmitteln. Eine Alltagssituation in der Pflege. Besonders wird es allerdings, wenn die Pflegerin im Haus Maria Regina der Seniorenhilfe SMMP in Wadersloh danach direkt zu ihrem Diensthandy greift.
KI in der Pflege: Weniger Bürokratie, mehr Zeit für Patienten
Statt wie früher alles mühsam per Hand in Listen einzutragen, spricht die Pflegekraft heute einfach mit einer App. Sie nennt Symptome und Medikamente - die App hört zu und speichert die Informationen direkt im System. "Früher habe ich dafür stundenlang am Computer gesessen", sagt die 33-Jährige, die seit 14 Jahren in der Pflege arbeitet.
Wie hilfreich die Dokumentation mit KI für Susanne Rydzynski ist
00:41 Min.. Verfügbar bis 12.05.2027.
Hinter der App steckt moderne Technologie mit Künstlicher Intelligenz. Die Pflegekammer NRW sieht in der Digitalisierung, also auch im Einsatz von KI, eine große Chance gegen den Pflegenotstand. Zur Zeit gibt es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt etwa fünf Millionen Pflegebedürftige. Ihre Zahl wird in den nächsten Jahren aber voraussichtlich stark steigen. Die Zahl der Pflegerinnen und Pfleger aber nicht annähernd so sehr. Schätzungen des Bundesamts gehen davon aus, dass bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen werden.
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Wie digitale Technologien schon heute helfen können, zumindest einen Teil dieser Lücke zu schließen und die Pflegekräfte zu entlasten, merkt auch Rydzynski: "Wir haben jetzt mehr Zeit für Bewohner und können längere Gespräche führen. Dabei brauche ich dank der KI kein schlechtes Gewissen haben, weil ich die Medikation vom Morgen noch nicht abgezeichnet habe. Das kennt jeder in der Pflege." Sie hat sich auf den kleinen Hocker im Zimmer von Doris Possmann gesetzt, um mit ihr über die Beschwerden zu sprechen.
Die KI hinter dem System lernt ständig dazu. Versteht die App einen Namen oder eine Formulierung an einem Tag nicht korrekt, kann sie ihn am nächsten Tag bereits richtig erfassen. "Die KI hat zum Beispiel einen schwierigen Namen eines Arztes gelernt," sagt Rydzynski. "Und wenn Kollegen noch nicht so gut Deutsch sprechen können, lernt die KI, wie die Person spricht und mit welchem Akzent."
Alarm im Pflegeheim: Technologien als Frühwarnsystem
Künstliche Intelligenz ist auch in die Zimmer der Bewohner eingezogen. Ein Sensor an der Zimmerdecke erkennt, wenn jemand das Bett verlässt, stürzt oder um Hilfe ruft.
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Rydzynski sortiert inzwischen in einem sterilen, weißen Zimmer Medikamente in kleine Pappbecher, als plötzlich das Diensttelefon laut aufschellt und einen Warnhinweis anzeigt. Er steht auch an dem Display an der Wand: "Flucht, Zimmer 131". Rydzynski weiß: Das Zimmer gehört der 85-jährigen Bewohnerin Giesela Wierzoch. Sie ist dement und oft orientierungslos. Seit kurzer Zeit trägt sie ein spezielles Armband mit Funksender. Sobald sie damit allein das Haus verlässt, bekommen die Mitarbeiter ein Signal auf ihr Diensttelefon.
Welche Vorteile die Armbänder mit Funksender haben
00:14 Min.. Verfügbar bis 12.05.2027.
Ihr Sohn Ralf Wierzoch ist froh, dass es nun mehr Sicherheit für seine demente Mutter gibt: "Die zusätzliche Sicherheit mit dem Armband finde ich total positiv. Sie wollte tatsächlich schon einmal ausbüxen und das System hat sofort funktioniert."
12. Mai: Der Tag der Pflege
Am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflege. Er würdigt weltweit den Einsatz von Pflegekräften und erinnert an ihre unverzichtbare Arbeit. Das Datum geht auf den Geburtstag von Florence Nightingale zurück - sie gilt als Gründerin der modernen Krankenpflege. Ihr humanitärer Einsatz im Krimkrieg 1854 machte sie zur Pionierin für Hygiene und Reformen im Sanitätswesen.
Das Haus Maria Regina gehört bei der Nutzung von Technologie zu den Vorreitern in der Branche. In anderen Pflegeeinrichtungen gibt es auch schon Versuche mit Robotern. Das findet Pflegerin Rydzynski aber nicht gut: "Das würde mir nicht gefallen. Ich möchte, dass die Pflege Pflege bleibt und Menschen andere Menschen pflegen, nicht Roboter." Denn deshalb hat sie schließlich den Beruf ergriffen.
Über dieses Thema haben wir auch am 23.04.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.