Dank Palliativpflege: Wie ein Iserlohner den Krebs zu Hause bekämpft
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Henrik Strübli ist unheilbar an schwarzem Hautkrebs erkrankt. Seit acht Jahren bekämpft er ihn, wird aber wohl irgendwann daran sterben. Bei seinem Kampf unterstützen ihn Palliativpflegerinnen. Über das (Über-)Leben mit einer unheilbaren Krankheit.
Von Christian Albrecht
Henrik Strübli hebt sein T-Shirt an. Bis ganz nach oben. Zwischen Schulter und Brust hat er einen dauerhaften Zugang, ein kurzer Schlauch hängt heraus. An den schließt Palliativpflegerin Edith Schwartzenberg einen längeren Schlauch an. Der führt in einen großen Plastikbeutel. Gefüllt mit klarer Flüssignahrung.
Damit Strübli den Beutel nicht die ganze Zeit in der Hand tragen muss, kommt er in einen Rucksack, den sich der 56-Jährige aufsetzt. Das alles passiert an Strüblis Küchentisch in seiner Wohnung in Iserlohn. Andere würden hier normal essen, Strübli kann das nicht. Nach einer Hochrisiko-Operation kann er das Essen kaum bei sich behalten.
Henrik Strübli über die OP und seine Ernährung
00:35 Min.. Verfügbar bis 01.07.2027.
"Wenn jemand was abzugeben hat - ich nehme alle Kilos, die es gibt", sagt Strübli. Bei 1,80 Meter Körpergröße wiegt er nur 65 Kilo. Über die Infusion im Rucksack bekommt er Nährstoffe und Vitamine. Bis zu 15 Stunden am Tag. Zusätzlich nimmt er noch Suppe oder weiches Essen zu sich. Sein Ziel: sein Körpergewicht zumindest halten, vielleicht sogar etwas zunehmen. "Wir müssen in Grammzahlen rechnen. Erklärte Ziele sind, in zwei Wochen mal 400 oder 500 Gramm zuzunehmen. Das wäre ein Erfolg", sagt er.
Krebs kommt immer wieder zurück
Strübli hat bösartigen Hautkrebs. Die Zahl dieser Fälle ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. 2023 wurden knapp 117.000 Menschen im Krankenhaus stationär wegen Hautkrebs behandelt, sagt das Statistische Bundesamt. 20 Jahre zuvor waren es noch rund 62.500. Ein Anstieg um 87,5 Prozent.
Vor allem die Fälle von hellem Hautkrebs haben stark zugenommen. Die Hauptursache sind zu viel Sonnenlicht und UV-Strahlen. Heller Hautkrebs ist in der Regel gut behandelbar. Die entsprechenden Stellen können bei einer kleinen Operation entfernt werden.
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Bei Strübli ist das anders. 2017 fängt bei ihm alles mit einem kleinen schwarzen Fleck an. Die Diagnose: bösartiger Hautkrebs. Seitdem hat er eine wahre Leidensgeschichte hinter sich: drei Herzinfarkte, 20 Sekunden ohne Herzschlag, erfolgreich reanimiert, 60 Chemotherapien. Aber der Krebs kommt immer wieder zurück. Dennoch hält der Vater von zwei Söhnen den Kopf hoch.
Schmerzen als dauerhafter Begleiter
Das liegt auch an Palliativpflegerinnen wie Edith Schwartzenberg. Sie und ihre Kolleginnen sorgen dafür, dass Strübli weiter zu Hause leben kann. In seinem gewohnten Umfeld. "Mit dem Pflegedienst fühle ich mich geborgen, es ist ein sehr vertrautes Verhältnis", sagt er. "Ich kann mich darauf verlassen, wenn Maßnahmen ergriffen oder Einstellungen vorgenommen werden, dass das alles Hand und Fuß hat, weil eine große Fachkompetenz da ist."
Jeden Tag stellen ihm die Pflegerinnen dieselbe Frage: "Wie sieht es mit den Schmerzen aus?" Diese Symptomkontrolle ist eine der Hauptaufgaben der Palliativpflege. Schwartzenberg hält Strüblis Gesundheitszustand auf einer Checkliste fest.
Edith Schwartzenberg erklärt den Sinn der ständigen Symptomkontrolle
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Strübli sitzt mit der Infusion im Rucksack auf dem Sofa. Auf dem Couchtisch vor ihm stehen viele Fläschchen, Dosen und Schachteln mit Medikamenten. "Hat das Antibiotikum schon was gebracht?", fragt die Pflegerin. Strübli antwortet zögernd: "Ich habe jetzt auf einer Skala bis zehn eine gute Sieben, was die Schmerzen angeht."
Anfangs haben ihm die Ärzte noch gute fünf Jahre zu leben gegeben. Inzwischen sind es acht. Und Strübli tut alles dafür, dass noch einige dazukommen. Mit einer Mütze auf dem Kopf und dem Infusions-Rucksack auf dem Rücken macht er seinen abendlichen Spaziergang. Er will sich fit halten, so gut es geht.
Gibt niemals auf: Henrik Strübli kämpft gegen den Krebs
Er läuft langsam, mit bedachten Schritten. Und mit sehr viel Lebensmut und Zuversicht: "Wenn es noch so dunkel aussieht, irgendwann kommt ein Licht daher und man hat wieder eine entsprechende Hoffnung im Leben", sagt er. Und schiebt sein Motto hinterher: "Aufgeben? Niemals!"
Über dieses Thema haben wir auch am 20.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Süwestfalen, 19.30 Uhr.