Henning Thielemeyer und Philipp Fögen stehen am Strand vom Godelheimer See und blicken auf den See, auf ihren roten T-Shirts steht auf dem Rücken "DLRG Wasserrettung"

Lebensretter am Badesee: Unterwegs mit der DLRG in Höxter

Füreinander

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Am Godelheimer See in Höxter wacht die DLRG über tausende Badegäste. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie schnell aus Wasserspaß ein Notfall wird - und warum das Ehrenamt trotz großer Verantwortung auch jede Menge Spaß macht.

Von Kolja Selker

Sanfte Wellen umspülen den Sandstrand des Godelheimer Sees in Höxter. Ein paar Meter weiter hisst Henning Thielemeyer an der Wachstation der DLRG eine weiße und rot-gelbe Fahne. Das Zeichen für: "Wir sind da, wir passen auf", erklärt der 17-Jährige. Der blonde Wuschelkopf trägt das Rettungs-Schwimmbrett vor die Station. Sechs andere DLRG-Mitglieder bringen das Schlauchboot zum Seeufer. Die Schicht der Lebensretter kann beginnen.

Warum Henning Thielemeyer für sein Ehrenamt auch ans Meer fährt

00:35 Min. Verfügbar bis 09.08.2027

DLRG: Hunderte Badeunfälle mit Todesopfern

Seit Jahresbeginn sind in NRW 34 Menschen in Gewässern ertrunken, in ganz Deutschland waren es mindestens 236. Das zeigt die aktuelle Zwischenbilanz der DLRG. Unter den Todesopfern waren besonders viele junge Männer. Laut DLRG oft durch "Badeunfälle infolge von Leichtsinn und Übermut". Rund drei Viertel der Badeunfälle in diesem Jahr passierten außerdem in Seen und Flüssen.

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Auch am Godelheimer See in Höxter sind schon Menschen ertrunken. Allerdings nie, wenn die DLRG im Einsatz war, sagen die Retter. Immer samstags und sonntags behalten sie das Wasser im Blick.

Wenn Überschätzung und Unaufmerksamkeit tödlich sind

Auch heute Morgen schwimmen die ersten Besucher schon im Wasser. Weiter draußen sind kleine Köpfe zu sehen. Henning schaut immer wieder zu ihnen rüber und zählt: einer, zwei, drei - immer noch alle zu sehen. "Es kann ganz schnell gehen, dass sich jemand überschätzt oder einen Krampf bekommt. Am meisten gefährdet sind kleine Kinder, die noch nicht schwimmen können. Und betrunkene Erwachsene."

Henning Thielemeyer sitzt in einem Strandstuhl und hält ein Fernglas vor die Augen, im Hintergrund weht eine rote Flagge mit den gelben Buchstaben "DLRG"

Den Godelheimer See im Blick

Durch sein Fernglas sieht der 17-Jährige plötzlich eine kritische Situation: Ein Kleinkind ist mit seinem Schwimmreifen auf dem Wasser umgekippt. Der Kopf ist unter Wasser, die Beine ragen nach oben und strampeln. Zum Glück bemerkt die Mutter daneben, was passiert ist, und dreht das Kind wieder um - noch bevor die Retter überhaupt von ihrem Aussichtsposten unten im Wasser sein können.

Im Notfall muss es schnell gehen

Tage, an denen die Ehrenamtlichen tatsächlich retten müssen, sind eher die Ausnahme. Und doch kommt es vor. Einer von Hennings Kollegen, Andreas Bartella, musste neulich einem jungen Mädchen in Not helfen. "Sie hatte sich im tiefen Wasser total verausgabt und rief plötzlich laut um Hilfe. Ich bin sofort hingeschwommen und habe sie die letzten 15 Meter bis ins flache Wasser gezogen. Das geht so unfassbar schnell, dass jemand echt in Lebensgefahr gerät. Kurz danach ging es ihr wieder gut." Für Notfälle wie diesen üben die DLRG-Mitglieder regelmäßig Rettungseinsätze.

Henning Thielemeyer übt einen Rettungseinsatz

00:22 Min. Verfügbar bis 09.08.2027

An vollen Tagen kommen bis zu 4000 Besucher an den Godelheimer See in Höxter. Der alte Baggersee ist einer von nur zwei Gewässern in Ostwestfalen-Lippe, wo man schwimmen darf und wo auch die DLRG aufpasst. Die Retter kritisieren, dass es kein einheitliches Schwimmverbot für Flüsse und Seen gibt, sondern viele unübersichtliche Einzelverbote und -regeln. Viel entscheidender sei aber das fehlende Risikobewusstsein mancher Badegäste.

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Neben den Schwimmern beobachtet Henning auch, wie Stand-Up-Paddler über den See gleiten. Der 17-Jährige runzelt die Stirn. "Wenn jetzt Wind aufkommt, treiben die ganz schnell weit raus, an die entgegengesetzte Seeseite. Viele Leute überschätzen auf den Dingern ihre Kräfte. Dann fahren wir mit dem Boot raus und schleppen sie wieder rein", erzählt er. Dann machen er und einer seiner Kollegen den nächsten Rundgang über den Badestrand.

"Kein Geld, aber Spaß": Ehrenamt bei der DLRG

Die Sonne spiegelt sich in ihren lässigen Sonnenbrillen. Ihre Füße versinken im warmen, weichen Sand. Die beiden Jungs schauen immer wieder prüfend auf das Wasser, lachen und genießen aber auch das schöne Wetter. "Wir bekommen hier kein Geld. Da muss das wenigstens Spaß machen", sagt Henning. "Und es fühlt sich gut an, auf die Badenden hier aufpassen."

Diese beobachten die beiden DLRG-Schutzengel aufmerksam, während sie in ihren knallroten Badehosen und Shirts vorbeilaufen. Und viele dieser Blicke sehen auch ein bisschen nach Bewunderung aus.

Über dieses Thema haben wir auch am 07.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ostwestfalen, 19.30 Uhr.