Salvatore Longobardo steht gekleidet in Schürze und Kappe neben einer Küchenzeile.

Besondere Förderung: Hier bekommen Azubis mit Lernschwäche eine Chance

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Menschen mit Lernschwäche haben es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht. Im Bottroper Restaurant Pottpourri bekommen sie eine echte Chance. Warum der Ton manchmal rauer ist und trotzdem alle gerne zur Arbeit kommen.

Von Nastaran Amirhaji

Bereits seit dem frühen Morgen sind Barbara Wischermann und Salvatore Longobardo im Restaurant Pottpourri in Bottrop auf den Beinen und bereiten sich auf den großen Ansturm der Mittagsgäste vor. Heute gibt es unter anderem eine echte NRW-Spezialität: Rheinischen Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen. "Ich achte besonders darauf, dass die Portionen ordentlich auf den Tellern drapiert sind", sagt Wischermann und macht dabei gewissenhaft mit einer Serviette den Tellerrand sauber. Longobardo kümmert sich derweil um die Zubereitung des Salats.

Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwischen ihnen liegen 20 Jahre Altersunterschied, Longobardo befindet sich mit seinen 19 Jahren noch am Anfang seines Berufslebens und Wischermann steht mit 39 Jahren bereits mitten im Leben. Und doch haben die beiden eine große Gemeinsamkeit: Sie absolvieren zusammen ihre Ausbildung zum Koch. Dass sie hier konzentriert bei der Sache sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie haben eine Lernschwäche und haben es woanders auf dem Arbeitsmarkt eher schwer, einen Job zu finden.

Für Salvatore Longobardo bringt die Ausbildung einige Veränderungen mit sich

00:20 Min. Verfügbar bis 02.05.2027

Das Restaurant Pottpourri gehört zum Diakonischen Werk in Bottrop und bildet seit 17 Jahren Menschen mit einer Lernschwäche zum Koch aus. Meist junge Erwachsene ohne Schulabschluss oder Schulabbrecher bekommen hier eine zweite Chance, können ihren Abschluss nachholen und in einen Ausbildungsberuf starten.

Perspektive für Azubis mit Lernschwäche

Genaue Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland eine Lernschwäche haben, gibt es nicht. Schätzungen gehen von etwa fünf bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Sie benötigen eine besondere Förderung. Der Theorieteil bei der Ausbildung im Pottpourri ist daher etwas schlanker und die Betreuung im praktischen Teil dafür intensiver. "Nach der Ausbildung arbeiten die jungen Leute entweder bei uns weiter oder wir helfen bei der Vermittlung in die Gastronomie. Bisher hatten wir hier immer sehr gute Übernahmequoten und sind sehr stolz darauf", sagt Manuel Klinger. Er ist der Ausbilder hier und gibt den Ton an.

Welche Erfahrungen macht Manuel Klinger mit seinen Auszubildenden?

00:33 Min. Verfügbar bis 02.05.2027

Dazu gehört auch mal ein strengerer Ton, als in herkömmlichen Ausbildungsbetrieben. "Seht zu, dass ihr den Fisch kühl lagert, kühl lagern habe ich gesagt - na los", ruft er quer durch den Raum. "Manches muss man hier doppelt und dreifach sagen, bis der Lerneffekt eintritt."

Viele Wege führen ins Pottpourri

Inzwischen ist Salvatore Longobardo mit der Portionierung der Salate fertig. Er nimmt die Ansagen des Küchenchefs gelassen. "Ich habe hier sehr viel gelernt. Das ist ein toller Beruf und das wird auch meine Zukunft sein", sagt der 19-Jährige. "Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich jetzt hier bin." Longobardo beendete die Schule nach der 9. Klasse und lernte durch eine Maßnahme des Jobcenters das Pottpourri kennen.

Im Gegensatz zu ihm lief das Leben von Barbara Wischermann mit 19 noch in gewohnten Bahnen. Damals machte sie eine Ausbildung zur Friseurin. "Kurz bevor ich meine Prüfung hatte, ist meine Mama gestorben und da war mein Kopf überall da, wo er nicht hingehört. Deshalb habe ich meine Ausbildung als Friseurin nicht geschafft", sagt sie rückblickend. Im Pottpourri fand sie zunächst als Küchenhilfe beruflich wieder Anschluss und holt jetzt mit 39 eine Ausbildung nach.

Ausbildungsleiter Manuel Klinger behält alles im Auge

00:36 Min. Verfügbar bis 02.05.2027

Egal, ob gerade erst im Job oder schon länger dabei - im Pottpourri herrscht eine wertschätzende und freundliche Atmosphäre. Vieles davon ist sicherlich auch der Verdienst von Küchenchef und Ausbildungsleiter Klinger, den hier viele seiner Schützlinge liebevoll "Papa" nennen. Er ist eine Vaterfigur, doch wird im Sommer diesen Jahres den Job an den Nagel hängen und in Rente gehen. "Da werden sicher einige Tränen fließen", weiß Klinger schon heute und blickt voller Stolz auf seine Auszubildenden.

Über dieses Thema haben wir auch am 24.04.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.