Verschiedene Menschen sitzen an einem Tisch und essen gemeinsam.

"Essen verbindet!": Beim interkulturellen Fastenbrechen ist jeder willkommen

Islam | Füreinander

Stand:

Es ist Ramadan und das bedeutet für Merve Ertanriverdi fasten. Und mit anderen Menschen zusammenkommen, egal ob Muslim oder nicht. Zum Beispiel beim interkulturellen Fastenbrechen.

Von Nastaran Amirhaji

Es ist kurz vor Sonnenuntergang. Im Zentrum 60plus in Essen-Katernberg duftet es schon nach allerlei Leckereien: türkische Linsensuppe, frisches Fladenbrot mit Knoblauch-Frischkäse-Aufstrichen und Bulgur mit Lamm. Zwischen den aufgestellten Tischen läuft Merve Ertanriverdi hin und her, verteilt Datteln auf den einzelnen Plätzen und deckt die Tische ein. "Wir treffen gerade die letzten Vorbereitungen und freuen uns dann auf den Abend. Wir rechnen mit etwa 50 Gästen", sagt sie. Gemeinsam mit ihren Kollegen von der Essener MitMach Agentur veranstaltet sie an diesem Abend ein interkulturelles Fastenbrechen.

Gemeinsames Fastenbrechen für Muslime und Nicht-Muslime

Lokalzeit Ruhr 25.02.2026 03:17 Min. Verfügbar bis 25.02.2028 WDR Von Nastaran Amirhaji

Derzeit ist Ramadan und für die laut einer Studie der Deutschen Islam Konferenz rund 5,5 Millionen Muslime in Deutschland bedeutet das: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird auf Essen und Trinken verzichtet. Nach Sonnenuntergang beginnt dann das Fastenbrechen. Viele Muslime nutzen das, um in Gemeinschaft zusammenzukommen, gemeinsam zu essen und sich auszutauschen.

Während des Fastenmonats geht es den Muslimen darum, sich intensiver mit der eigenen Religion zu beschäftigen, sich in die Situation von Menschen zu versetzen, denen es nicht so gut geht, und in dieser Zeit verstärkt Gutes zu tun.

Engagement für Männer und ihre Interessen

Im Zentrum 60plus sind inzwischen alle Gäste eingetroffen. Unter ihnen sind viele Muslime, aber auch Nicht-Muslime. "Heute Abend geht es hier um ein gemeinsames Fastenbrechen, aber auch darum, Menschen an einen Tisch zu bringen, die sich ehrenamtlich oder hauptberuflich für Männer und ihre Interessen engagieren", erklärt Merve Ertanriverdi.

Merve Ertanriverdi in dem Raum, wo das Fastenbrechen stattfindet.

Merve Ertanriverdi freut sich über den Austausch beim gemeinsamen Fastenbrechen

Sie begrüßt die Gäste freundlich und bittet sie, ein Namensschild mit dem Vornamen anzubringen, "damit alle schnell und locker ins Gespräch kommen". Und das geht erstaunlich schnell. Einer leitet eine Vater-Kind-Gruppe, der nächste ist ehrenamtlicher Männerberater. Es wird viel gesprochen, gelacht und nach dem Muezzin-Ruf kurz nach Sonnenuntergang auch gemeinsam gegessen.

Das Fasten brechen die meisten Muslime traditionell mit einer Dattel und einem Schluck Wasser. Wer möchte, kann nebenan in einem separaten Raum beten. Oder aber direkt zu gutem Essen und intensiven Gesprächen übergehen. "Männer sind in unserer Gesellschaft die Versorger der Familien. Sie kümmern sich um vieles, aber ihre Gefühle und eigenen Interessen kommen oft viel zu kurz. Deshalb ist dieser Abend heute so wichtig", erklärt Merve Ertanriverdi.

In den Gesprächen geht es viel darum, wie man Männern und ihren Gefühlen mehr Sichtbarkeit verschaffen kann. Aber auch das gelungene Essen erfährt viel Wertschätzung. "Man ist sonst immer in seiner eigenen Bubble unterwegs, heute Abend lerne ich viel über das ehrenamtliche Engagement der anderen und vor allem auch über die Kultur der anderen", erklärt eine der Gäste, Petra Krüger. Ihr Tischnachbar, der auch zum ersten Mal bei einem Fastenbrechen mitmacht, nickt und stimmt ihr zu: "Essen verbindet!"

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 25.02.2026, 19.30 Uhr.