Wolfgang Busse hält seinen Zeigefinger an ein Gitter. Ein Papagei mit grünen Federn und gelbem Kopf, der auf den Stäben hockt, klettert sofort darauf. "Ja hallo", sagt Busse und fragt mit einem Lächeln im Gesicht: "Willst du Lecker, Lecker haben?" Die Antwort des Papageis kommt prompt. "Lecker, lecker", wiederholt er. Aus allen Ecken der großen Halle in Dörentrup im Kreis Lippe erklingen Pfeifen, Kreischen und Krächzen.
120 Papageien und jeder hat einen Namen
"Ich habe circa 120 Papageien", sagt Busse und stellt einzelne Tiere persönlich vor: "Das ist Ufo, der Kumpel von Anton", sagt er und zeigt auf die Doppelgelbkopfamazone auf seinem Finger. "Chico, sei lieb", ermahnt er einen Gelbhaubenkakadu, weißes Gefieder, hellgelber Kamm. Busse erkennt alle seine Lieblinge schnell und verteilt zur Begrüßung ein paar Küsschen und Nüsschen: "Ich kenne meine Pappenheimer!"
So läuft ein Gespräch mit den Papageien Romeo und Julia ab
00:32 Min.. Verfügbar bis 21.10.2027.
Der 69-Jährige trägt ein knallbuntes Hemd voller Papageien und eine Papageien-Goldkette. Der Ursprung seiner Leidenschaft für die Tiere liegt Jahrzehnte zurück. Busses erster Papagei kam aus einem Zoogeschäft. Dessen Ring sei zu eng und das Füßchen kurz vor dem Absterben gewesen. "1970 wusste man noch nicht so viel von den Tieren und artgerechter Haltung", erinnert sich Busse. "Von meinem ersten Lehrlingsgehalt und gespartem Konfirmationsgeld habe ich den Vogel freigekauft."
Papageien als Haustiere: Rettung aus schlechter Haltung
Über die Jahre nahm Wolfgang Busse immer mehr Vögel auf. Auch solche aus schlechter Haltung: "Wir klären die Leute auf, dass die Tiere nicht immer nur in diesen altbekannten Käfigen sitzen sollten", sagt Busse und zeichnet mit seinen Händen ein Quadrat in die Luft. "Wir haben schon Vögel rausgeholt, die 38 Jahre da drin verbracht haben." Sein Ziel sei es, den Tieren ihre verbleibenden Jahre so schön wie möglich zu gestalten. "Es ist meine Lebensaufgabe geworden, mich um die Tiere zu kümmern", sagt Busse und blickt strahlend zu den Vögeln um sich herum.
- Auch Rainer Weber liebt Vögel. Er züchtet Waldvögel und war mit ihnen bei der Deutschen Meisterschaft in Bad Salzuflen. So ist es gelaufen.
Ursprünglich leben die meisten Papageienarten in tropischen Waldgebieten. Als Haustiere werden sie in Europa seit etwa 2300 Jahren gehalten. Inzwischen gibt es in manchen Großstädten auch wilde Papageien. Besonders bekannt sind die grünen Halsbandsittiche in Köln und Düsseldorf. Sie stammen vermutlich von freigelassenen oder entflohenen Haustieren ab.
Ein Problem an der Haustierhaltung von Papageien: Die Vögel können sehr alt werden und ihre Besitzer sogar überleben. "Unsere älteste Amazone ist 74 geworden und unser ältester Graupapagei 65", erklärt Busse. "Das ist enorm, wo die Leute sich vorher keine Gedanken drüber machen." Häufig werde er deshalb gebeten, Tiere aufzunehmen.
"Ich lebe für die Papageien"
Weil immer mehr Vögel dazu kamen, baute Busse 2009 eine große Freiflughalle auf seinem Grundstück. Ein Großteil seiner Papageien lebt hier auf etwa 500 Quadratmetern. Regelmäßig schaut ein spezialisierter Tierarzt aus Baden-Württemberg zur Kontrolle vorbei, erzählt der pensionierte Kfz-Mechaniker.
Wie haben die Papageien Wolfgang Busses Leben bereichert?
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Bis zu seinem Ruhestand war die Tierpflege wie ein zweiter Vollzeitjob für Busse. Auch weil er seit Jahren eine Papageien-Pension betreibt. Hier bringen Besitzerinnen und Besitzer aus ganz Deutschland ihre Vögel unter, wenn es mal in den Urlaub geht. "Es ist einfach alles für mich", sagt Busse, während ein Ara ruhig auf seiner Schulter sitzt und fast so wirkt, als würde er zuhören. "Ich habe meine ganze Familie infiziert. Wir leben alle für die Papageien!"
Fahrradtour mit Coco
Draußen vor der Halle schwingt sich Busse auf sein Fahrrad. Auf seiner Schulter sitzt Coco, einer seiner Lieblingsvögel, in einem Mini-Geschirr. Busse nimmt Coco sogar mit in den Urlaub oder auf Radtouren. "Das befreit einen, wenn der Vogel dabei ist", sagt er. "Sie ist zahm, geht ins Geschirr und ist stubenrein. Deswegen können wir sie überall mit hinnehmen." Der 69-Jährige streichelt Coco am Kopf, pfeift kurz und rollt vom Hof.
Wolfgang Busse radelt am liebsten mit Papagei Coco
Mit seinem E-Bike radelt Busse durch seinen Heimatort Dörentrup. Auf seiner Tour mit Papagei ist er ein echter Blickfang, häufig werde er angesprochen. Dann gibt er gerne Auskunft. "Man ist ein ganz anderer Mensch, wenn man einen Vogel dabei hat", sagt er und lacht, "man ist freundlicher, weil die Leute ja auch freundlich zu einem sind - es macht einfach Riesenspaß!"
Über dieses Thema haben wir auch am 28.08.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.