Der deutsche Soul- und R&B-Sänger Xavier Naidoo live beim 25. Blue Balls Festival in Luzern

Xavier Naidoo: Verzeihung, dürfte ich ein Comeback geben

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Nach sechs Jahren Pause feiert Xavier Naidoo am Dienstag in Köln sein Konzert-Comeback. Es ist keine Rückkehr wie jede andere.

Naidoo, um den es still geworden war, gilt als umstritten. Lange Zeit fiel der heute 54-Jährige mit Aussagen auf, die ihm Antisemitismus- und Rassismus-Vorwürfe einbrachten. Später ging er darauf zwar auf Abstand. Aber reicht das?

Jetzt sind Comebacks in der Popmusik gang und gäbe und eigentlich keine Meldung wert. Dieser Fall liegt aber anders. Denn Naidoo, der sich selbst in einem Interview mal als "Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe" bezeichnet hat, hat in den vergangenen Jahren nicht durch seine Musik, sondern durch seine extremen Aussagen Aufsehen erregt.

Xavier Naidoo feiert in Köln sein Konzert-Comeback Update

WDR Studios NRW 15.12.2025 00:38 Min. Verfügbar bis 15.12.2027 WDR Online

Er vertrat Thesen der QAnon-Ideologie, sympathisierte mit Reichsbürgern, übte verschwörungsideologische und antisemitische Äußerungen bis hin zur Holocaustleugnung, trat bei "Querdenken" auf. Und das Ganze teils lange vor der Corona-Pandemie.

Derzeit sind am Landgericht Mannheim zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen ihn anhängig. Dabei geht es um Inhalte mit antisemitischem Charakter, die über den Messenger-Dienst Telegram verbreitet wurden. Naidoos Anwälte bestreiten die Vorwürfe und beteuern seine Unschuld.

Bewährte Taktik: Das Werk vom Autor trennen

Nun gibt es in solchen Fällen ja das fast schon geflügelte Wort, man müsse "das Werk vom Autor trennen". Sprich: Wenn mir die Musik gefällt, bin ich bereit, über sonstige Verfehlungen und Aussagen hinwegzusehen. So haben beispielsweise manche Rammstein-Fans argumentiert, als Missbrauchsvorwürfe gegen deren Sänger Till Lindemann laut wurden.

Und so lief es auch bei Richard Wagner: Dass der Komponist glühender Antisemit war und eine Hetzschrift namens "Das Judentum in der Musik" veröffentlicht hat, scheint ihm nicht weiter geschadet zu haben. In jeder größeren deutschen Stadt ist eine Straße nach ihm benannt, jeden Sommer pilgert die heimische Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth.

Naidoo sang Duett mit Rechtsextremisten

Die Taktik, bei der man versucht, die Musik unabhängig von den Statements und Interviewaussagen des Schöpfers zu genießen, geht im Falle Xavier Naidoos allerdings nicht ganz auf. Denn bei Naidoo sind nicht nur seine Aussagen problematisch, sondern auch das Werk.

Berlin Rechte Mahnwache Montagsdemo 2014 vor dem Kanzleramt

Schon lange vor Corona war Naidoo in rechten Kreisen unterwegs.

So benutzt er in Songs wie "Marionetten", "Raus aus dem Reichstag" oder "Goldwaagen/Goldwagen" Formulierungen, die von vielen Menschen als antisemitisch und verschwörungsideologisch interpretiert wurden. So singt er vom "Baron Totschild", von der "Nabelschnur Babylons" und setzt im Zusammenhang mit islamistischen Anschlägen Al-Qaida mit der CIA gleich.

2021 schließlich, auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, tat sich Naidoo für die Songs "Heimat" und "Deutschland krempelt die Ärmel hoch" unter anderem mit dem Rechtsextremisten Hannes Ostendorf zusammen, der in mehreren Verfassungsschutzberichten erwähnt wird. Ostendorf ist seit Jahrzehnten in verschiedenen rechtsextremen Bands und Hooligan-Gruppierungen aktiv und war laut "taz" Anfang der 90er Jahre an einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft beteiligt.

Dreiminütiges Entschuldigungsvideo: Reicht das?

Covid 19 Deutschland - München Coronaparty Demo

Naidoo war Soundtrack-Lieferant für Impfgegner.

2022 kam dann die große Überraschung, als Naidoo per Youtube-Video um Entschuldigung bat. "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe", sagte er dort. Er habe seine Familie, Freunde und Fans "mit verstörenden Äußerungen irritiert und provoziert". Für diese möchte er sich entschuldigen: "Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue."

Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus seien mit seinen Werten nicht vereinbar und er verurteile diese aufs Schärfste, hieß es zum Abschluss des Videos, das bislang sein einziges öffentliches Statement in der Sache war.

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Konzert in Köln ausverkauft

Viele Fans haben Naidoo, der sich selbst immer wieder als Christ bezeichnet, allem Anschein nach vergeben und freuen sich auf die Konzerte in Köln. Die 15.000 Tickets für das erste Konzert waren schnell ausverkauft, am Mittwoch gibt es eine Zusatz-Show.

"Das ist ja mega!", "Auf ein Neues", "Zweite Chance mehr als verdient" heißt es unter anderem in den Instagram-Kommentaren unter der Ankündigung des Veranstalters.

"Mit einem einfachen Sorry ist es nicht getan"

Doch es gibt auch kritische Stimmen wie den Journalisten Andreas Speit, der sich seit Jahren mit Rechtsextremismus und der "Querdenken"-Bewegung beschäftigt.

Speit konnte in Naidoos Video keine "komplette Kehrtwende" erkennen. Naidoo habe es geschafft, dass "durch seine Prominenz radikale Verschwörungserzählungen in der Mitte der Gesellschaft bekannt geworden sind", sagte er dem WDR nach der Veröffentlichung des Youtube-Videos im Jahr 2022.

Mit einem einfachen "Sorry" sei es da nicht getan, so Speit: "Wenn Menschen aus der rechtsextremen Szene aussteigen, dann ist das ein lebenslanger Prozess. Das ist nicht mit zwei, drei Worten getan. Und auch nicht mit einem Video in etwas über drei Minuten."

Der Verein Werteinitiative, der sich nach eigenen Angaben für jüdische Belange in der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland einsetzt, forderte nach Bekanntwerden der Kölner Konzerte im Sommer deren Absage. Die Entscheidung, ihn wieder auftreten zu lassen, verharmlose Judenhass.

Veranstalter verteidigt Naidoo

Veranstalter Marek Lieberberg sieht das anders. Naidoo habe sich "zweifelsfrei" distanziert, sagt er der dpa. "Sein eindeutiges öffentliches Bekenntnis und die begründete Entschuldigung belegen die Ernsthaftigkeit seiner Selbstkritik", so Lieberberg. Den Vorwurf, Naidoo habe die Entschuldigung nicht mit Taten untermauert, halte er für "absurd und zynisch".

Eine Entschuldigung ist eine Entschuldigung – und sie ist beileibe im aktuell aufgeheizten gesellschaftlichen Diskurs leider nicht der Regelfall. Veranstalter Marek Lieberberg

Naidoo selbst lässt Anfragen höflich absagen - im Fokus stehe für ihn die Vorbereitung auf die Tournee, die ihn nach Köln unter anderem auch nach München, Hamburg, Leipzig, Berlin und Mannheim führen wird, teilt sein Team mit. Ohnehin habe sich Naidoo zu den vergangenen Vorwürfen aber "mehrfach klar und deutlich positioniert", heißt es weiter.

Dieser Weg wird kein leichter sein

Wenn es Naidoo wirklich ernst ist mit seinem Sinneswandel, wären die anstehenden Konzerte in Köln ein guter Anlass, sich entsprechend zu äußern. Mit Interviews, mit Aktionen, vielleicht sogar mit einem Song, der klar Stellung bezieht und in dem er Reue zeigt.

Denn auch wenn ihm viele Fans offenbar treu geblieben sind oder ihm eine zweite Chance geben wollen: Der Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft, auf den sich Naidoo gemacht hat, wird kein leichter sein.

Unsere Quellen:

Sendung WDR.de, Xavier Naidoo feiert in Köln umstrittenes Konzert-Comeback, 16.12.2025, 6:00 Uhr

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