Haaner Kult-Saxophonist feiert WM-Comeback
04:05 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028.
Sein persönliches Sommermärchen 2024: Spontan macht sich André Schnura auf den Weg zur Münchener Fanmeile - packt mitten im Trubel sein Saxophon aus und legt los. Die Stimmung, die Gänsehaut - er begeistert die Fans, sie filmen ihn. Schnell geht Schnura als "der Typ mit dem schwarzen Saxophon und der Sonnenbrille" in den sozialen Medien viral.
Bis heute hat sich der Hype um ihn nicht wirklich gelegt - und zur WM feiert der Kult-Musiker sein Comeback. Im WDR-Interview gibt der sonst so zurückhaltende 32-Jährige überraschend viel von sich preis.
André, wie wird das Comeback denn aussehen? Werden das wieder so spontane unangekündigte Konzerte bleiben, sodass du einfach auftauchst und keiner weiß, wann und wo?
Fanmeilen-Star André Schnura fühlt sich auch im ruhigen Haan-Gruiten wohl
André Schnura: Ich werde in meiner Instagram-Story immer so zwei Tage vorher was ankündigen. Aber so richtig was Großes planen, das geht gar nicht, weil es gibt kaum Städte, die große Public Viewings machen dieses Jahr. Und deshalb muss ich gucken, wo überhaupt was geht. Es gibt in Oberhausen ein Public Viewing, da sind, glaube ich, viele Leute. Eventuell fahre ich da hin.
Wirst du auch in deiner Heimat im Bergischen zu sehen sein?
Schnura: Ich wohne ja in Haan und komme auch aus dem Bergischen, aus Witzhelden, zwischen Bergisch Gladbach und Leichlingen. Ja, wäre auch mal cool, aber eigentlich würde ich schon eher da hin, wo die Massen sind. Zum WM-Auftakt besuche ich aber auch mal meine alte Schule in Leichlingen, da bin ich auch schon mal zur Abifeier aufgetreten.
Kult-Saxophonist von der Fanmeile tritt an seiner alten Schule in Leichlingen auf
Wie waren denn überhaupt die letzten zwei Jahre für dich? Das war ja so was wie dein persönliches Sommermärchen?
Schnura: 2024, als das losging, das war wie ein Film, man hat das gar nicht alles realisiert. Danach ist ein bisschen Ruhe eingetreten. Es war aber nie so, dass die Zahl an Auftritten, die ich hatte, nachgelassen hat. Letzten Oktober habe ich dann gesagt, jetzt mache ich erstmal Pause.
Hast du in der Pause dann gar nichts mehr gemacht?
Schnura: Ich habe einfach mal eine Weile nichts mehr auf Social Media gepostet, sondern eigentlich nur Musik gemacht in der Zeit - auch für andere Künstler. Ich habe zum Beispiel am neuen Farid-Bang-Album mitgewirkt und für andere Deutschrapper produziert.
Kult-Saxophonist André Schnura mit seinem besten Freund und Geschäftspartner im Studio
War das für dich auch ein Traum, der da in Erfüllung gegangen ist?
Schnura: Ja, das Coole ist, man hat einen ganz anderen Zugang zu den Leuten. Vorher wurde ich kaum wahrgenommen, das ist jetzt viel leichter.
Das heißt, nach Ende der EM bist du gar nicht in ein Loch gefallen, sondern es ging eigentlich steil weiter für dich?
Schnura: Also in ein Loch gefallen nicht, aber ich habe mir schon irgendwann gedacht, wenn Leute immer wieder sagen, wie geil du bist, wie cool du bist... Wer bist du dann wirklich? Man verliert den Zugang zu sich selbst und auch deshalb dachte ich letztes Jahr im Oktober: "Ey, jetzt machst du erstmal Piano!", ein bisschen Pause und machst wieder viele Sachen alleine.
Wie bist du denn damals überhaupt auf die Idee gekommen, auf den Fanmeilen spontan aufzutauchen?
Schnura: Ich habe früher schon mit Freunden immer im Stadtpark in Köln Musik gemacht und das war immer so eine geile Stimmung. Und dann haben wir überlegt, lass das mal beim Fußball machen, dann wird es noch größer. Und dann bin ich nach München gefahren, da haben wir uns unter einem Bauzaun reingesneaked. Und dann habe ich da eben Musik gemacht.
Und wie waren die ersten Reaktionen da drauf?
Schnura: Die Leute hatten zuerst gar keinen Bock darauf. Die haben mich weggeschickt. Ich war schon so ein bisschen enttäuscht. Und dann habe ich es nochmal ganz am Ende probiert. Und dann waren innerhalb von drei Minuten 500 Leute da und es wurden immer mehr! Das ist komplett eskaliert (lacht). Das mag ich am liebsten, wenn die Stimmung so am Kochen ist.
Hast du eigentlich eine Botschaft zu deinem Comeback?
Schnura: Ich würde sagen, die Botschaft ist, dass wir alle irgendwie gleich sind. Wir haben alle die gleichen Probleme, die gleichen Ängste. Und niemand ist moralisch überlegen - auch wenn wir so ein bisschen gebrainwashed worden sind und alles canceln sollen, wenn einer mal einen kleinen Fehler macht. Aber unterm Strich sind wir doch alle nur Menschen.
Das Interview wurde geführt von WDR-Reporterin Vanessa Kockegei.
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 11.06.2026, 16.31 Uhr