Tomorrowland-Festival startet trotz abgebrannter Hauptbühne | Kurzvideo
00:29 Min.. Verfügbar bis 18.07.2027.
Nach Brand: Tomorrowland-Festival mit neuer Hauptbühne gestartet
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Am Mittwochabend gingen Videos der brennenden Tomorrowland-Bühne im belgischen Boom um die Welt, am Donnerstagmorgen öffnete aber dennoch der Campingplatz des Festivals. Am Freitag ging es dann los - mit einer neuen Bühne und rund 400.000 Besuchern.
160 Meter war sie breit, bis zu 45 Meter hoch: Die Hauptbühne des Tomorrowland im belgischen Boom ist eine der berühmtesten Festival-Inszenierungen der Welt, aufwendig gestaltet mit zahlreichen Details. Am Mittwochabend ging sie aus noch unbekannten Gründen in Flammen auf.
Der Schock sitzt tief, bei Veranstaltern und Besuchern - trotzdem begann am Donnerstagmorgen die Anreise der Musikfans. Und am Freitag fiel dann der Startschuss für Europas größtes Elektrofestival.
Veranstalter errichten provisorische Hauptbühne
Die Veranstalter haben eigenen Angaben zufolge in nur zwei Tagen eine Alternative für ihre abgebrannte Hauptbühne geschaffen. Der Zugang wurde allerdings erst ab 16 Uhr freigegeben. Auch kurzfristige Änderungen des Lineups seien möglich. Auf allen anderen Bühnen ging es wie ursprünglich geplant um 14 Uhr los.
"Wir sind bereit für euch!", stand seit Freitagmittag auf der Festival-Homepage. Und: "Tomorrowland vereint, stärker denn je!"
"Das war nicht einfach nur eine Bühne"
Aus dem ersten Statement der Veranstalter nach dem Brand der Hauptbühne sprach noch der Schmerz über den Verlust: "Das war nicht einfach nur eine Bühne. Es war eine lebendige, atmende Welt. Von der allerersten Skizze auf einem leeren Blatt über unzählige Stunden konzeptioneller Gestaltung, künstlerischer Zusammenarbeit, technischer Entwicklung, Handwerk und Aufbau - jedes einzelne Teil trug ein Stück unserer Seele in sich."
In einer Pressekonferenz machte eine Sprecherin aber deutlich: "Wir ziehen es zu 100 Prozent durch." Dass es eine neue, einfachere Bühne an der Stelle der alten Hauptbühne geben soll, stand früh fest. Es war nur nicht klar, ob das klappt. Im Notfall sollte das Festivalgelände aufgeteilt werden.
Die Mainacts der Hauptbühne sollten dann auf der sogenannte "Gathering Stage" im Campingareal "DreamVille" auftreten, der Rest der Acts auf dem Festival-Gelände. Nun scheint alles seinen mehr oder weniger gewohnten Gang zu nehmen.
Bühnenmaterial zum großen Teil aus Holz
Bühne in Flammen: Tomorrowland findet trotzdem statt
Aktuelle Stunde . 17.07.2025. 27:05 Min.. UT. Verfügbar bis 17.07.2027. WDR.
Zwei Tage vor Beginn des Elektrofestivals Tomorrowland im belgischen Boom war am späten Mittwochabend auf der Hauptbühne ein Feuer ausgebrochen. Bilder zeigten eine dichte Rauchwolke und Feuer. Auf einigen Clips in sozialen Netzwerken sind explodierende Feuerwerkskörper zu hören. Von der einst kunstvoll mit Bergwelt und Steinskulpturen gestalteten Hauptbühne ist nun nicht mehr viel übrig.
Nach Angaben der Feuerwehr waren in der Nacht rund 100 Einsatzkräfte vor Ort, um den Brand zu löschen. Sie konnten das Gelände zwischen 6.00 und 8.00 Uhr verlassen. Es gebe weiterhin keine Verletzten, hieß es. Fest stehe aber, dass das Bühnenmaterial deshalb leicht in Brand geraten konnte, weil es zum großen Teil aus Holz bestand.
Was passierte seitdem?
Die Überreste der Hauptbühne wurden möglichst schnell entfernt, um Platz für eine mögliche kleinere Alternative zu schaffen. Auch die Gouverneurin der Provinz Antwerpen, Cathy Berx, hatte sich zuvor optimistisch gezeigt: "Ich bin zuversichtlich, dass Tomorrowland trotz des schrecklichen Rückschlags Kreativität und Sicherheit der Festivalbesucher und Mitarbeiter in Einklang bringen wird", sagte sie in einer Stellungnahme.
Einer dieser Festivalbesucher ist Oliver. Im Interview mit 1LIVE schildert er, wie er die Nachricht aufgenommen hat und mit welchem Gefühl er jetzt nach Belgien reist:
Parookaville-Veranstalter geschockt
Für die Festival-Branche sei dieses Ereignis ein Schock, sagte Bernd Dicks, Veranstalter des Parookaville-Festivals, dem WDR: "Als wir die Bilder gesehen haben, ist unser Herz ebenfalls zerbrochen. Beide Festivals sind zufällig am gleichen Wochenende und viele, die hier arbeiten, haben Kollegen, die dort arbeiten. Der Schock sitzt bei allen tief."
Das Sicherheitskonzept für die Bühnen des Parookaville wurde nochmals auf den Prüfstand gestellt: "Wir haben dieses Ereignis zum Anlass genommen, unsere Abläufe, unsere technischen Dienstleister und unsere technischen Produktionsmittel nochmals zu überprüfen. Wir sind alle zu dem Entschluss gekommen, dass es keiner Anpassung bedarf, wir produzieren hier schon immer mit der größtmöglichen Sicherheit."
Experte verweist auf hohe Sicherheitsstandards
Verglichen mit den letzten 20 Jahren sind die Sicherheitsstandards heute höher, sagt Sicherheitsexperte Falco Zanini dem WDR. Er arbeitet seit 45 Jahren in der Veranstaltungsbranche, unter anderem als Veranstaltungstechniker oder Sicherheitsbeauftragter für Festivals wie Wacken oder Bands wie Rammstein. Bühnen wie die Mainstage beim Tomorrowland werden zum Teil mit einem Vorlauf von zwei Jahren geplant.
Dabei sind die Bühnen modular aufgebaut und werden auf anderen Festivals in anderer Zusammensetzung wiederverwendet. "Die Teile gehen meist direkt zum nächsten Festival, während ein Lkw beispielsweise nach Wacken fährt, fährt der andere Lkw zu einem Festival nach England", so Zanini. So seien für den Auf- und Abbau solcher Bühnen 150 bis 200 Leute am Tag notwendig.
Probeshow für Behörden
Bevor ein Festival in dieser Größenordnung eröffnet, durchläuft es zudem Sicherheitskontrollen, sagt Zanini. Dabei kündigen sich lokale Behörden bei dem Veranstalter vorher an, und dieser bereitet die gewünschten Show-Effekte wie beispielsweise Feuerwerk oder Pyrotechnik für die Kontrolle vor. Dabei wird bei der Planung und dem Bau solcher Bühnen auf schwer entflammbare Materialien geachtet.
Hunderttausende Besucher
Das "Tomorrowland" fand 2005 zum ersten Mal statt und ist mittlerweile eines der größten Festivals für elektronische Musik. Verteilt auf zwei Wochenenden kommen Hunderttausende zu der Location in das zwischen Antwerpen und Brüssel gelegene Boom. Geplant sind über 600 Auftritte auf 16 Bühnen, unter anderem von Martin Garrix, David Guetta, Armin van Buuren, Charlotte de Witte und Swedish House Mafia.
Unsere Quellen:
- Videos in Online-Netzwerken
- Interview mit Parookaville-Veranstalter Bernd Dicks
- Nachrichtenagentur dpa
- EBU News
- Homepage des Tomorrowland-Festivals
- Belgische Zeitung "Le Soir"
- Interview mit Veranstaltungstechniker und Sicherheitsexperte Falco Zanini