OWLs größte Sammlung an Diddl-Mäusen gibt's in Herford
Lokalzeit OWL. 14.10.2025. 16:31 Min.. Verfügbar bis 14.10.2027. WDR. Von Jan-Ole Niermann.
Weitere europäische Länder könnten im kommenden Jahr folgen - darunter Deutschland. Wann genau gibt es die neuen Diddl-Produkte hier? Und wer hat Diddl eigentlich erfunden? Warum waren alle so wild danach? Und was sagen Diddl-Fans aus NRW zu der Rückkehr? Fragen und Antworten zur Kult-Maus.
Wer hat Diddl erfunden?
Am 24. August 1990 hat Thomas Goletz die Idee seines Lebens. Mit wenigen Strichen skizziert der Cartoonist eine Figur, die später viele Kinder- und Jugendzimmer erobert. Zunächst ist sie ein Känguru. "Bald beschloss ich das Kerlchen viel, viel kleiner und handlicher zu zeichnen, damit ich es besser in eine Kaffeetasse oder ein Käsestück hineinsetzen konnte", erinnert sich Goletz in einem Interview.
Aus dem Känguru wird eine grinsende Springmaus in Latzhose mit riesigen Ohren und klobigen Füßen, die auf den Namen "Diddl" hört. 13 Motive schickt Goletz als Postkartenmotive an die Vertriebsfirma Depesche in Geesthacht bei Hamburg. Dort ist man begeistert und bestellt eine Serie von 48 Karten. Nun ist der Siegeszug der Diddl-Maus nicht mehr aufzuhalten - und das von ganz alleine, ohne jede Werbung.
Warum heißt Diddl so?
Thomas Goletz hat mal in einem Interview gesagt, dass er einen Namen finden wollte, der sich "niedlich, quirlig und etwas frech anhört". So sei er schließlich auf Diddl gekommen. Viele Jahre später habe er zufällig eine kuriose Entdeckung gemacht: "Thomas, der von den zwölf Aposteln, hatte den Beinamen Zwilling. Und das heißt auf griechisch Didymos. Klingt doch sehr nach Diddlmaus, oder?"
Welche Diddl-Produkte gab es damals?
Während der fröhliche Nager mit seiner rosigen Weltsicht Jungs zumeist kalt lässt, begeistern sich vor allem Mädchen zwischen sechs und 14 Jahren. Diddl ist der Star auf dem Schulhof. Wer Diddl hat, ist "in". Allein bis 1999 verkauft Depesche rund 23 Millionen Postkarten. Zur ersten Diddl-Ausstellung 1999 strömen rund 80.000 Fans ins historische Museumshaus in Geesthacht.
Nach den Karten kamen Blöcke in unterschiedlichen Größen zum Diddl-Sortiment hinzu, später Stofftiere, Kaffeetassen, Magnettafeln, Rucksäcke, Gummistiefel und Bettwäsche, aber auch CDs mit Hörspielen. In der Hochphase sind es mehrere tausend Produkte. Der internationale Umsatz mit Diddl-Produkten lag im dreistelligen Millionenbereich.
Wie erlebten Fans in NRW die frühen Diddl-Jahre?
Eine, die in den 90ern zum Diddl-Fan wurde, ist Sandra Muschner aus Herford. Neun oder zehn Jahre alt sei sie anfangs gewesen, erzählt die heute 35-Jährige dem WDR. Damals lebte sie noch in Bad Salzuflen im Kreis Lippe. "Da gab es nur einen Laden, der so was hatte."
"Jeder hatte was von Diddl." Sandra Muschner, Diddl-Fan aus Herford
Sandra Muschner, Diddl-Fan aus Herford
In der Schule habe jeder was von Diddl gehabt, erinnert sich Muschner. Oft waren es Blöcke. "Manche hatten vorne ein Glitzerblatt. Wer das hatte, war cool."
Sie selbst habe nur gesammelt, was in Ordner passte. "Ich hatte ja auch nicht so viel Geld." Trotzdem: Neun Ordner hat sie damals befüllt - mit Stickern, Blättern, Postkarten, Tüten, Briefpapier und vor allem Blöcken.
Was war das Besondere an den Diddl-Blöcken?
Jeder Block hatte ein eigenes Design und viele Blätter duften beispielsweise nach Jasmin, Erdbeere oder Pfirsich. Und es gab sie in verschiedenen Größen. Das Sammeln und Tauschen auf dem Schulhof war ein eigenes Spiel. Diddl-Blätter wurden in Ordnern archiviert wie seltene Münzen oder Briefmarken.
Warum verschwand Diddl?
Vor gut zehn Jahren hieß es in Deutschland: Aus die Maus. In Frankreich stoppte der Verkauf sogar schon 2010. Frankreich war laut Erfinder Thomas Goletz nach Deutschland der zweitgrößte Markt. In den vergangenen Jahren sei Diddl "in eine Art Dornröschenschlaf gefallen", sagte Goletz der Nachrichtenagentur dpa.
Diddl-Fan Sandra Muschner hörte 2003 mit dem Sammeln auf. "Da kam ich in die fünfte Klasse. Da war das nicht mehr so modern", erinnert sie sich.
2016 aber fing sie wieder an. Damals war gerade ihr zweites Kind auf die Welt gekommen. "Ich habe meine neun Ordner aus dem Keller geholt und versucht, alles zu sortieren." Das Sortieren habe sie aber schnell aufgegeben und sich vor allem auf das Sammeln von Blöcken konzentriert. "Die haben mehr Wert und machen mir mehr Freude."
250 Euro habe sie vor einigen Jahren für ein Sammlerstück bezahlt: der erste Diddl-Block überhaupt. Mittlerweile sei der 400 Euro wert, sagt Muschner. Um an bestimmte Blöcke zu kommen, kauft sie auch ganze Diddl-Sammlungen auf - den Rest verkaufe sie weiter.
Wie kommt es zur Rückkehr der Diddl-Maus?
Die Idee zum Relaunch kam nach eigenen Angaben von Kontiki. Das Unternehmen, das schon zuvor den Vertrieb von Diddl-Artikeln in Frankreich übernommen hatte, wandte sich an Thomas Goletz. Aus der Zusammenarbeit ist eine erste Kollektion von 64 Artikeln entstanden, die von Plüschtieren bis zum Schmuckkästchen reicht und diese Woche in 1.800 Einzelhandelsgeschäften verkauft wird.
Zu haben sind die neuen Diddl-Produkte vor diesem Hintergrund vorerst nur in Frankreich und im südlichen Belgien. Diddl-Fan Sandra Muschner schreckte das nicht ab: Am 3. Oktober fuhr sie mit Familienmitgliedern im Auto zum Diddl-Einkauf nach Frankreich - fünf Stunden hin, sieben zurück.
Auch bei anderen in der Community sei die Freude über die Rückkehr der Diddl-Maus groß, berichtet Muschner, die auch eine eigene Diddl-Facebook-Gruppe mit 2.500 Mitgliedern hat. "Viele finden es aber schade, dass es Diddl erst mal nicht in Deutschland zu kaufen gibt."
Kommt Diddl auch nach Deutschland?
Die Chancen stehen jedenfalls gut. Einige Produkte der neuen Kollektion waren laut Kontiki bereits nach wenigen Tagen vergriffen. "Wir hatten mit einem solchen Erfolg nicht gerechnet", sagte eine Sprecherin der dpa. Die Diddl-Rückkehr habe alle Erwartungen übertroffen. Neue Produkte könnten vom kommenden Jahr an auch in Deutschland zu kaufen sein. Dies sei bereits in Planung, kündigte Thomas Goletz gegenüber der dpa an.
Sandra Muschner und andere Diddl-Fans würden sich freuen, wenn neue Produkte mit der Maus auch in Deutschland zu kaufen wären. Warum eigentlich? "Weil Diddl so vielfältig, bunt und fröhlich ist", sagt Muschner. "Das macht einfach Spaß."
Unsere Quellen:
- Interview mit Sandra Muschner
- Nachrichtenagentur dpa
- Nachrichtenagentur AFP
- Interview mit Thomas Goletz