Sänger und Gitarrist Miland Petrozza am Mikrofon
Jürgen "Ventor" Reil lässt den Blick durch die leere Grugahalle schweifen. Es ist Nachmittag, auf der Bühne laufen die letzten Vorbereitungen für den Abend. Scheinwerfer flackern auf, Instrumente werden an ihren Platz gerollt, Kabel mit Klebeband auf dem Boden fixiert. "Ich habe hier als Teenager meine ersten Konzerte gesehen. Judas Priest, Kiss, Iron Maiden und so. Und jetzt darf ich selbst hier spielen." Und das schon zum dritten Mal.
Die Thrash-Metal-Band Kreator feiert ihren 40. Geburtstag
03:17 Min.. Verfügbar bis 16.04.2028.
Reil ist jetzt 59 und Schlagzeuger der Thrash-Metal-Band Kreator. Er ging noch zur Schule, als die Band gegründet wurde. 1985 bekamen die Essener ihren ersten Plattenvertrag. Die Mischung aus Heavy Metal und Punk sowie ihre besonders aggressive Spielart waren damals einzigartig.
Sänger und Gitarrist Miland "Mille" Petrozza sagt: "Das war alles noch Neuland, wir haben uns ausprobiert. Wir wollten die härteste Musik machen, die wir als Teenager machen konnten. Und wir haben, während wir das gelernt haben, unsere ersten Alben aufgenommen." Seitdem wurde die Fangemeinde immer größer und die Erfolgsgeschichte nahm kein Ende mehr.
Düsteres Bühnenbild mit Dämonen und Totenköpfen
Auf der Bühne stehen rechts und links zwei riesige, aufgeblasene Dämonen. Auf dem Mikrofonständer sind Köpfe aufgespießt. Ein großes Dämonengesicht hängt in der Mitte. Die Bühne gleicht einem Horrorfilm-Szenario - eine Ästhetik, die schon lange zu Kreator und vielen Heavy-Metal-Bands gehört. "Die Musik gibt das her", sagt Reil. "Blümchen würden nicht passen." Dann zeigt er auf sein Schlagzeug: "Mein Arbeitsplatz."
Schlagzeuger Jürgen Reil brachte sich das Spielen selbst bei
Eigentlich sollte Reil in der Band singen, aber auch ein Schlagzeuger fehlte noch. Reil war der Einzige, der Geld von seiner Konfirmation auf dem Sparkonto hatte. Also gab er es für ein Schlagzeug aus. Das Spielen brachte er sich selbst bei. Er hatte keine andere Möglichkeit, als es sich auf Konzerten von anderen Musikern abzuschauen - hier, aus der ersten Reihe in der Grugahalle.
Das Mikrofon übernahm schließlich Petrozza. "Ich komme aus Altenessen. Wir hatten damals die Zeche Carl als Dreh- und Angelpunkt der Szene", erinnert er sich. "Dort hatten wir unsere Proberäume. Essen war eigentlich immer gut zu uns." Heute lebt der 58-Jährige im Essener Süden und hat einen weiteren Wohnsitz in Berlin.
In Essen "knistert's besonders"
Die Zeche Carl war bis 1955 als Steinkohlebergwerk in Betrieb. Mehr als zwei Jahrzehnte stand sie leer, bis sie Ende der 1970er Jahre zu einem Kulturzentrum und Veranstaltungsort umgebaut wurde. Bürger und Jugendliche hatten sich dafür eingesetzt. Bis heute finden dort viele Veranstaltungen statt. Und bis heute hat Kreator dort ihren Proberaum.
Draußen vor der Grugahalle versammeln sich immer mehr Fans. Unter ihnen sind Jugendliche, aber auch Besucher, die im gleichen Alter der Bandmitglieder sind und ihnen schon seit vier Jahrzehnten folgen. Kurz vor dem Einlass zieht sich die Schlange sogar um die nebengelegene Messehalle. "Wir haben überall Stimmung. Aber hier knistert's besonders", sagt Reil.
Sendung: Lokalzeit.de, Metal made in Essen: Das bedeutet der Pott für die Band Kreator, 17.04.2026, 07.03 Uhr.
