Paul Simon: Kreativ wie kaum einer

Von Ingo Neumayer

Ein Leben, zwei Karrieren, 16 Grammys, über 60 Jahre als Musiker aktiv: Das schaffen nur wenige. Paul Simon ist es gelungen. Erst war er die treibende Kraft hinter Simon & Garfunkel, später reüssierte er solo. Am 26.01.1970 erschien das letzte gemeinsame Studioalbum des weltberühmten Gesangsduos: "Bridge Over Troubled Water".

Simon and Garfunkel 1969

Glockenhelle Stimmen, poetische Texte, dramatische, meist traurige Lieder: So wird Paul Simon zusammen mit Art Garfunkel in den 60ern bekannt. Mit Songs wie "The Sound Of Silence", "Bridge Over Troubled Water" oder "Mrs. Robinson" schaffen es Simon & Garfunkel in die Charts und in die Herzen. Doch es braucht mehrere Anläufe, bis die beiden Erfolg haben.

Simon and Garfunkel live 1981

Schon als Teenager gründen Simon und Garfunkel eine Zwei-Mann-Band, die sie in Anlehnung an die rabiaten Comicfiguren "Tom And Jerry" nennen. Ihre erste Single "Hey Schoolgirl" wird ein kleiner Hit, doch danach passiert nicht mehr viel. Erst 1964 kommen beide wieder für Aufnahmen zusammen und nennen sich fortan Simon & Garfunkel.

Paul Simon und Art Garfunkel in Konzert (1982)

Doch auch das Debütalbum "Wednesday Morning 3 AM", das eigentlich gut zur beginnenden Folk-Bewegung passt, wird ein Flop. Paul Simon zieht frustriert nach England. Aber dann nimmt Produzent Tom Wilson den stärksten Song des Albums und verpasst ihm mit Bass, E-Gitarre und Schlagzeug ein Rock-Gewand. "The Sound Of Silence" wird zum Hit, Simon kehrt in die USA zurück.

Simon and Garfunkel 1978

In den kommenden Jahren werden Simon & Garfunkel zur großen Konsensband der 60er. Ein bisschen Rock, ein bisschen Psychedelic, ungewöhnliche Ideen, schöne Melodien, viel Gefühl – das Rezept geht auf. Die Arbeitsteilung in der Band ist klar: Simon schreibt die Songs, Garfunkel ist mit seinem glockenhellen Tenor für den prägnanten Teil des Gesangs zuständig.

Paul Simon 1982

Nach dem weltweiten Erfolg des Albums "Bridge Over Troubled Water", das Anfang 1970 erscheint und die 60er Jahre auf gewisse Weise zusammenfasst und abschließt, hat Simon erst einmal genug. Er ist neugierig, ob er auch ohne seinen alten Kumpel Art klarkommt und startet eine Solokarriere.

Paul Simon 1980

Mit Erfolg: "Me And Julio Down By The Schoolyard", "Mother And Child Reunion" oder "Kodachrome" werden Hits und zeigen das musikalische Talent Simons, der verstärkt Elemente aus anderen Genres in seinen Sound integriert. 1975 erhält er den Grammy als bester Sänger und für "Still Crazy After All These Years", das als bestes Album ausgezeichnet wird.

Simon and Garfunkel im Central Park in New York, 1981

Auf dem Album findet sich auch ein Duett mit Art Garfunkel namens "My Little Town" – die erste Zusammenarbeit der beiden seit Jahren. Die Funkstille zwischen den beiden wird punktuell immer wieder beendet. So auch 1981, als sie ein gemeinsames Gratis-Konzert im New Yorker Central Park geben. Es kommen sagenhafte 500.000 Zuschauer.

"Graceland"-Schallplatte von Paul Simon neben Plattenspieler

Doch für Simon ist die Reunion eine einmalige Sache. Er widmet sich wieder seinen Soloprojekten, heiratet die Schauspielerin Carrie Fisher, die in "Star Wars" die Prinzessin Leia spielt, lässt sich scheiden und erlebt 1986 mit "Graceland" seinen vierten Frühling als Songwriter.

Paul Simon live 1987

Das Album, das Hochglanz-Pop mit Zydeco-Sounds aus den Südstaaten und traditionellen südafrikanischen Klängen kombiniert, wird schnell zum modernen Klassiker. Simon erhält zum dritten Mal in seiner Karriere einen Grammy für das beste Album. Die innovative Platte kommt auch bei den Fans gut an: "Graceland" verkauft sich gigantische 16 Millionen Mal.

Paul Simon, Phil Collins

Ein Superstar in den 60ern, in den 70ern und nun auch in den 80ern: Paul Simon hat es wieder mal geschafft. Das muss auch Phil Collins (li.) neidlos anerkennen.

Paul Simon live 2016

Auf "Rhythm Of The Saints" verarbeitet Simon 1990 Einflüsse, die hauptsächlich aus Südamerika stammen. Danach wird es etwas ruhiger um ihn. Seine Fanbasis bleibt ihm zwar treu und goutiert auch Abseitigeres wie das Musical "The Capeman" (1997). Doch die Zeit, in denen sich seine Platten millionenfach verkaufen, scheint vorbei.

Simon and Garfunkel live 2004

Dafür wird es mal wieder Zeit für eine Reunion mit seinem alten Freund Artie. 2003 und 2004 sowie 2009 gehen Simon & Garfunkel unter dem Motto "Old Friends" auf große Abschiedstournee. Weltweit begeistern sie noch einmal Millionen Fans.

Neil Young, Paul Simon, Willie Nelson, Don Johnson, Edie Brickell 2015

Ganz schön viel Musikgeschichte ist bei dieser Preisverleihung in der amerikanischen Kongressbibliothek versammelt: Paul Simon teilt sich in der Mitte das Mikro mit Willie Nelson, links singen Neil Young und Nelsons Sohn Lukas. Die Frau in Rot ist Simons Frau Edie Brickell, der 1988 mit "What I Am" ein veritabler Hit gelingt.

Paul Simon live 2016

Auch jenseits der 70 ist Paul Simon noch rührig: Ein Konzert folgt dem nächsten - mal solo, mal mit Gästen. 2014 und 2015 geht er mit Sting auf ausgedehnte Welttournee, auf der die beiden gemeinsam ihre größten Hits präsentieren.

Paul Simon live beim Demokraten-Parteitag 2016

Ein Herz für Hillary! Im Juli 2016 singt Simon auf dem Parteitag der Demokraten, der Clinton zur Präsidentschaftskandidatin kürt.

Paul Simon live 2019

Wenige Tage zuvor erscheint das Album "Stranger To Stranger", auf dem er mit elektronischer Musik experimentiert. 2018 geht Simon dann auf Abschiedstournee. Am 22. September gibt er in New York sein vermeintlich letztes Konzert. Eine kleine Hintertür lässt er sich allerdings offen: Für einen wohltätigen Zweck würde er unter Umständen noch einmal auftreten.

Paul Simon live 2021

Und in der Tat: Das nächste Comeback lässt nicht lange auf sich warten. 2019 steht Paul Simon beim Outside Lands Festival in San Francisco auf der Bühne. 2023 erscheint sein 15. Solo-Studioalbum "Seven Psalms". Und 2025 startet er mit der "Quiet Celebration Tour" eine weitere Tournee, die den inzwischen 84-Jährigen im Frühjahr 2026 wieder nach Europa führen wird.

Glockenhelle Stimmen, poetische Texte, dramatische, meist traurige Lieder: So wird Paul Simon zusammen mit Art Garfunkel in den 60ern bekannt. Mit Songs wie "The Sound Of Silence", "Bridge Over Troubled Water" oder "Mrs. Robinson" schaffen es Simon & Garfunkel in die Charts und in die Herzen. Doch es braucht mehrere Anläufe, bis die beiden Erfolg haben.

Schon als Teenager gründen Simon und Garfunkel eine Zwei-Mann-Band, die sie in Anlehnung an die rabiaten Comicfiguren "Tom And Jerry" nennen. Ihre erste Single "Hey Schoolgirl" wird ein kleiner Hit, doch danach passiert nicht mehr viel. Erst 1964 kommen beide wieder für Aufnahmen zusammen und nennen sich fortan Simon & Garfunkel.

Doch auch das Debütalbum "Wednesday Morning 3 AM", das eigentlich gut zur beginnenden Folk-Bewegung passt, wird ein Flop. Paul Simon zieht frustriert nach England. Aber dann nimmt Produzent Tom Wilson den stärksten Song des Albums und verpasst ihm mit Bass, E-Gitarre und Schlagzeug ein Rock-Gewand. "The Sound Of Silence" wird zum Hit, Simon kehrt in die USA zurück.

In den kommenden Jahren werden Simon & Garfunkel zur großen Konsensband der 60er. Ein bisschen Rock, ein bisschen Psychedelic, ungewöhnliche Ideen, schöne Melodien, viel Gefühl – das Rezept geht auf. Die Arbeitsteilung in der Band ist klar: Simon schreibt die Songs, Garfunkel ist mit seinem glockenhellen Tenor für den prägnanten Teil des Gesangs zuständig.

Nach dem weltweiten Erfolg des Albums "Bridge Over Troubled Water", das Anfang 1970 erscheint und die 60er Jahre auf gewisse Weise zusammenfasst und abschließt, hat Simon erst einmal genug. Er ist neugierig, ob er auch ohne seinen alten Kumpel Art klarkommt und startet eine Solokarriere.

Mit Erfolg: "Me And Julio Down By The Schoolyard", "Mother And Child Reunion" oder "Kodachrome" werden Hits und zeigen das musikalische Talent Simons, der verstärkt Elemente aus anderen Genres in seinen Sound integriert. 1975 erhält er den Grammy als bester Sänger und für "Still Crazy After All These Years", das als bestes Album ausgezeichnet wird.

Auf dem Album findet sich auch ein Duett mit Art Garfunkel namens "My Little Town" – die erste Zusammenarbeit der beiden seit Jahren. Die Funkstille zwischen den beiden wird punktuell immer wieder beendet. So auch 1981, als sie ein gemeinsames Gratis-Konzert im New Yorker Central Park geben. Es kommen sagenhafte 500.000 Zuschauer.

Doch für Simon ist die Reunion eine einmalige Sache. Er widmet sich wieder seinen Soloprojekten, heiratet die Schauspielerin Carrie Fisher, die in "Star Wars" die Prinzessin Leia spielt, lässt sich scheiden und erlebt 1986 mit "Graceland" seinen vierten Frühling als Songwriter.

Das Album, das Hochglanz-Pop mit Zydeco-Sounds aus den Südstaaten und traditionellen südafrikanischen Klängen kombiniert, wird schnell zum modernen Klassiker. Simon erhält zum dritten Mal in seiner Karriere einen Grammy für das beste Album. Die innovative Platte kommt auch bei den Fans gut an: "Graceland" verkauft sich gigantische 16 Millionen Mal.

Ein Superstar in den 60ern, in den 70ern und nun auch in den 80ern: Paul Simon hat es wieder mal geschafft. Das muss auch Phil Collins (li.) neidlos anerkennen.

Auf "Rhythm Of The Saints" verarbeitet Simon 1990 Einflüsse, die hauptsächlich aus Südamerika stammen. Danach wird es etwas ruhiger um ihn. Seine Fanbasis bleibt ihm zwar treu und goutiert auch Abseitigeres wie das Musical "The Capeman" (1997). Doch die Zeit, in denen sich seine Platten millionenfach verkaufen, scheint vorbei.

Dafür wird es mal wieder Zeit für eine Reunion mit seinem alten Freund Artie. 2003 und 2004 sowie 2009 gehen Simon & Garfunkel unter dem Motto "Old Friends" auf große Abschiedstournee. Weltweit begeistern sie noch einmal Millionen Fans.

Ganz schön viel Musikgeschichte ist bei dieser Preisverleihung in der amerikanischen Kongressbibliothek versammelt: Paul Simon teilt sich in der Mitte das Mikro mit Willie Nelson, links singen Neil Young und Nelsons Sohn Lukas. Die Frau in Rot ist Simons Frau Edie Brickell, der 1988 mit "What I Am" ein veritabler Hit gelingt.

Auch jenseits der 70 ist Paul Simon noch rührig: Ein Konzert folgt dem nächsten - mal solo, mal mit Gästen. 2014 und 2015 geht er mit Sting auf ausgedehnte Welttournee, auf der die beiden gemeinsam ihre größten Hits präsentieren.

Ein Herz für Hillary! Im Juli 2016 singt Simon auf dem Parteitag der Demokraten, der Clinton zur Präsidentschaftskandidatin kürt.

Wenige Tage zuvor erscheint das Album "Stranger To Stranger", auf dem er mit elektronischer Musik experimentiert. 2018 geht Simon dann auf Abschiedstournee. Am 22. September gibt er in New York sein vermeintlich letztes Konzert. Eine kleine Hintertür lässt er sich allerdings offen: Für einen wohltätigen Zweck würde er unter Umständen noch einmal auftreten.

Und in der Tat: Das nächste Comeback lässt nicht lange auf sich warten. 2019 steht Paul Simon beim Outside Lands Festival in San Francisco auf der Bühne. 2023 erscheint sein 15. Solo-Studioalbum "Seven Psalms". Und 2025 startet er mit der "Quiet Celebration Tour" eine weitere Tournee, die den inzwischen 84-Jährigen im Frühjahr 2026 wieder nach Europa führen wird.

Stand: 22.01.2026, 17:00 Uhr