Herbert Grönemeyer: Die Bühne ist sein Revier

Von Ingo Neumayer

Sänger, Schauspieler, Superstar: Herbert Grönemeyer hat viele Facetten und Talente. Erfolgreich ist er in allen seinen Professionen – und das seit Jahrzehnten. Am 12.04.2026 feiert er seinen 70. Geburtstag.

Herbert Grönemeyer bei der Vorstellung seines Albums "Was muss muss" (2008)

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer kommt am 12. April 1956 in – Überraschung! – Göttingen zur Welt. Nach Bochum zieht die Familie erst ein Jahr später. Dort wächst er mit seinen großen Brüdern Dietrich und Wilhelm auf. Mit acht fängt er an, Klavier zu spielen.

Herbert Grönemeyer und Sabine Buschmann in "Daheim unter Fremden" (1979)

Die Musik hat es ihm angetan. Sein erstes Geld verdient er als Pianist am Bochumer Schauspielhaus. Schnell fasst er dort Fuß, noch während der Schulzeit bekommt er seine erste Bühnenrolle. Im Musical "John, Paul, George, Ringo ... und Bert" spielt er – logisch – den Bert. 1979 steht er das erste Mal vor der Kamera – im ARD-Fernsehfilm "Zuhaus unter Fremden".

Herbert Grönemeyer, Stephan Sulke und Maren Berg bei einem Auftritt in Kiel (1970er)

Eigentlich träumt Grönemeyer zwar von einer musikalischen Karriere. Doch das mit der Musik klappt anfangs nicht so richtig. Sein erstes Album "Grönemeyer" (1979) stößt auf geringe Resonanz. Die meisten Songs stammen nicht einmal von Grönemeyer selbst. Später scheint er sich ein bisschen für das Werk zu schämen, es fehlt in seiner offiziellen Diskografie.

Hebert Grönemeyer (1979)

Doch so schnell gibt Grönemeyer nicht auf. 1980 erscheint das Album "Zwo", 1982 veröffentlicht er "Total egal" und 1983 "Gemischte Gefühle". Langsam macht er sich einen Namen, die Songs "Currywurst" und "Musik nur wenn sie laut ist" werden Achtungserfolge. Doch seiner Plattenfirma "Intercord" reicht das nicht. Sie beendet die Zusammenarbeit.

Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer in "Das Boot" (1981)

Aber Grönemeyer hat ja noch die Schauspielerei – und da läuft es richtig gut. 1981 kommt "Das Boot" in die Kinos, in dem er den Kriegsberichterstatter Werner spielt. Der Film wird ein internationaler Erfolg – und zum Karriere-Sprungbrett für eine ganze Schauspielkompanie: Prochnow und Fedder, Ochsenknecht und Semmelrogge, Richter und Hoenig, Wennemann und du Mont.

Herbert Grönemeyer (1980er)

Ob auch der Sänger Grönemeyer vom "Boot"-Boom profitiert? Gut möglich, denn 1983 unterschreibt er einen neuen Plattenvertrag bei "EMI". Sein neues Album will er nach seiner Heimatstadt Bochum benennen. Was kann ich über diese Stadt erzählen? Wie bin ich hier groß geworden? Wie hat sie mich geprägt? Diese Fragen will er auf der Platte beantworten.

Hebert Grönemeyer während eines Auftritts (1983)

Und dann geschieht, was keiner für möglich gehalten hatte: Die Platte "4630 Bochum" wird zum Mega-Erfolg und verkauft sich 2,5 Millionen Mal. Lieder wie "Männer", "Flugzeuge im Bauch" oder der Titelsong werden erst Hits, dann Evergreens, schließlich Klassiker.

Herbert Grönemeyer bei einem Konzertauftritt im Oktober 1984 in München

Auf einmal können sich alle auf Grönemeyer einigen: Er ist nicht abgehoben und verkörpert ein gewisses Malocher-Flair, kann aber auch bei Intellektuellen punkten. Grönemeyer ist der neue Superstar und verkauft 1984 in Deutschland mehr Platten als Michael Jackson.

Herbert Grönemeyer, Ina Deter, Klaus Lage, Willy Millowitsch, Alfred Biolek und Mitglieder diverser Pop-Bands bei einem Gruppenfoto im Rahmen des Projekts "Band für Afrika" (1985)

Wie setzt man seine Popularität sinnvoll ein? Mit einem Benefiz-Projekt! Um hungernden Kindern in Afrika zu helfen, tut sich 1985 die Crème de la Crème der deutschen Pop- und Unterhaltungsszene zusammen. Es entsteht die "Band für Afrika", die den Song "Nackt im Wind" aufnimmt. Der Text stammt von Wolfgang Niedecken, die Musik komponiert Herbert Grönemeyer.

Burt Lancaster und Herbert Grönemeyer in "Väter und Söhne" (1986)

Doch auch seine andere künstlerische Ader wird nicht vernächlässigt. 1986 spielt er in der Serie "Väter und Söhne" an der Seite von Bruno Ganz, Julie Christie und Hollywood-Legende Burt Lancaster (li.).

Herbert Grönemeyer auf der Bühne

Im selben Jahr erscheint sein Album "Sprünge" und sorgt dafür, dass Grönemeyer in der Erfolgsspur bleibt. Die Songs sind engagierter und kritischer, er kommentiert die Kohl-Regierung genauso wie das Apartheid-Regime in Südafrika. Und mit "Kinder an die Macht" hat er auch noch eine große Hymne für die Kleinen parat.

Herbert Grönemeyer am 27.7.1986 beim Anti-WAAhnsinns Festival in Burglengenfeld

Nicht nur die Platten laufen, auch live genießt Grönemeyer großes Ansehen. Zwar veröffentlichen Bela B. und Wiglaf Droste einen Song namens "Grönemeyer kann nicht tanzen", aber das muss er ja auch nicht. Seine Stimme, sein Klavierspiel und seine Aura reichen, um das Publikum in den Bann zu ziehen – wie hier beim "Anti-WAAhnsins-Festival" vor 100.000 Zuschauern.

Herbert Grönemeyer während eines Konzerts in der Red Bull Arena in Leipzig (2011)

Den Status als deutscher Superstar kann Grönemeyer über die nächsten Jahre aufrechterhalten. Seine Platten haben Gold- und Platin-Garantien, die Konzerte wandern von den Arenen in die Stadien.

Herbert Grönemeyer begrüßt den damaligen Trainer Robin Dutt beim Fußballspiel VfL Bochum gegen SpVgg Greuther Fuerth (2019)

Natürlich ist immer besonders viel los, wenn er in seine Heimatstadt Bochum kommt – vor allem, wenn es das dortige Ruhrstadion ist. Schließlich ist sein Song "Bochum" schon längst zur Vereinshymne erhoben worden. Vor jedem Spiel singen Tausende Fans inbrünstig die Zeilen: "Machst mit 'nem Doppelpass jeden Gegner nass / Du und dein VfL".

Hebert Grönemeyer vor dem Logo seines Albums "Mensch" (2002)

1998 treffen ihn zwei Schicksalsschläge: Erst stirbt sein Bruder Wilhelm, wenig später seine Frau Anna. Grönemeyer stürzt sich in die Arbeit und geht schnell wieder auf Tour. 2002 erscheint das Album "Mensch", auf dem er Trauer und Verlust verarbeitet. Das Album trifft den Nerv einer ganzen Nation, holt 21 Mal Gold. Keine deutsche Platte wurde je mehr verkauft.

Herbert Grönemeyer gemeinsam mit Bono beim "Voices against Poverty"-Konzert in Rostock (2007)

In den 80ern waren es noch Niedecken und Millowitsch, im neuen Jahrtausend initiiert Grönemeyer seine guten Taten mit internationaler Unterstützung. 2008 tritt er mit Bono in Rostock auf, um im Rahmen des G8-Gipfels gegen die Schattenseiten der Globalisierung zu protestieren.

Herbert Grönemeyer während eines Konzerts in Wien (2019)

Egal ob "12", "Schiffsverkehr", "Dauernd jetzt" oder "Tumult": Nahezu jedes neue Grönemeyer-Album landet auf der Nummer eins der deutschen Charts. Und auch live läuft es unverändert: Die Stadien sind voll, die Stimmung ist grandios – sogar im Ausland. 2012 veröffentlicht er das englischsprachige Album "I Walk" und geht auf Tour in England, den USA und Kanada.

Herbert Grönemeyer, Nina Hoss und Philip Seymour (v.l.n.r.) im Film "A Most Wanted Man" (2014)

2017 ist es dann wieder Zeit für eine kleine Rolle vor der Kamera. Im Agententhriller "A Most Wanted Man" spielt Grönemeyer an der Seite von Philip Seymour Hoffman (re.) und Nina Hoss (Mi.). Auch für die Filmmusik ist er zuständig. Regie führt sein Freund Anton Corbijn, der als Fotograf und Grafiker schon seit Jahren für Grönemeyers Image zuständig ist.

Herbert Grönemeyer bei der Demonstration "Existenzkrise in der Veranstaltungswirtschaft" (2020)

Im März 2020, mitten in der Corona-Pandemie, veröffentlicht Grönemeyer einen Song namens "Helden dieser Zeiten". Er ist denjenigen gewidmet, die am meisten von der Pandemie betroffen sind und helfen, den Laden halbwegs am Laufen zu halten. Außerdem fordert er eine Millionärsabgabe, um die Kulturszene zu unterstützen, und geht mit gutem Beispiel voran.

Herbert Grönemeyer singt 2019 vor einem Spiel des VfL Bochum im Ruhrstadion

2023 veröffentlicht Herbert Grönemeyer sein 16. Studioalbum "Das ist los" und geht auf große Deutschlandtour. 2024 feiert er im Ruhrstadion das 40-jährige Jubiläum seines Erfolgsalbums "Bochum 4630".

Herbert Grönemeyer dirigiert das Orchester "Bochumer Symphoniker" bei einem Konzert in den Holstenhallen in Neumünster

Auch danach ist viel los bei Herbert Grönemeyer: Im Rahmen seiner Unplugged-Tour tritt er 2025 in der Dortmunder Westfalenhalle auf und bringt gleich ein ganzes Orchester mit. Und 2026 erscheint pünktlich zu seinem 70. Geburtstag der Dokumentarfilm "Grönemeyer – Alles bleibt anders": am 13.04. abends im Ersten und schon jetzt in der ARD Mediathek!

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer kommt am 12. April 1956 in – Überraschung! – Göttingen zur Welt. Nach Bochum zieht die Familie erst ein Jahr später. Dort wächst er mit seinen großen Brüdern Dietrich und Wilhelm auf. Mit acht fängt er an, Klavier zu spielen.

Die Musik hat es ihm angetan. Sein erstes Geld verdient er als Pianist am Bochumer Schauspielhaus. Schnell fasst er dort Fuß, noch während der Schulzeit bekommt er seine erste Bühnenrolle. Im Musical "John, Paul, George, Ringo ... und Bert" spielt er – logisch – den Bert. 1979 steht er das erste Mal vor der Kamera – im ARD-Fernsehfilm "Zuhaus unter Fremden".

Eigentlich träumt Grönemeyer zwar von einer musikalischen Karriere. Doch das mit der Musik klappt anfangs nicht so richtig. Sein erstes Album "Grönemeyer" (1979) stößt auf geringe Resonanz. Die meisten Songs stammen nicht einmal von Grönemeyer selbst. Später scheint er sich ein bisschen für das Werk zu schämen, es fehlt in seiner offiziellen Diskografie.

Doch so schnell gibt Grönemeyer nicht auf. 1980 erscheint das Album "Zwo", 1982 veröffentlicht er "Total egal" und 1983 "Gemischte Gefühle". Langsam macht er sich einen Namen, die Songs "Currywurst" und "Musik nur wenn sie laut ist" werden Achtungserfolge. Doch seiner Plattenfirma "Intercord" reicht das nicht. Sie beendet die Zusammenarbeit.

Aber Grönemeyer hat ja noch die Schauspielerei – und da läuft es richtig gut. 1981 kommt "Das Boot" in die Kinos, in dem er den Kriegsberichterstatter Werner spielt. Der Film wird ein internationaler Erfolg – und zum Karriere-Sprungbrett für eine ganze Schauspielkompanie: Prochnow und Fedder, Ochsenknecht und Semmelrogge, Richter und Hoenig, Wennemann und du Mont.

Ob auch der Sänger Grönemeyer vom "Boot"-Boom profitiert? Gut möglich, denn 1983 unterschreibt er einen neuen Plattenvertrag bei "EMI". Sein neues Album will er nach seiner Heimatstadt Bochum benennen. Was kann ich über diese Stadt erzählen? Wie bin ich hier groß geworden? Wie hat sie mich geprägt? Diese Fragen will er auf der Platte beantworten.

Und dann geschieht, was keiner für möglich gehalten hatte: Die Platte "4630 Bochum" wird zum Mega-Erfolg und verkauft sich 2,5 Millionen Mal. Lieder wie "Männer", "Flugzeuge im Bauch" oder der Titelsong werden erst Hits, dann Evergreens, schließlich Klassiker.

Auf einmal können sich alle auf Grönemeyer einigen: Er ist nicht abgehoben und verkörpert ein gewisses Malocher-Flair, kann aber auch bei Intellektuellen punkten. Grönemeyer ist der neue Superstar und verkauft 1984 in Deutschland mehr Platten als Michael Jackson.

Wie setzt man seine Popularität sinnvoll ein? Mit einem Benefiz-Projekt! Um hungernden Kindern in Afrika zu helfen, tut sich 1985 die Crème de la Crème der deutschen Pop- und Unterhaltungsszene zusammen. Es entsteht die "Band für Afrika", die den Song "Nackt im Wind" aufnimmt. Der Text stammt von Wolfgang Niedecken, die Musik komponiert Herbert Grönemeyer.

Doch auch seine andere künstlerische Ader wird nicht vernächlässigt. 1986 spielt er in der Serie "Väter und Söhne" an der Seite von Bruno Ganz, Julie Christie und Hollywood-Legende Burt Lancaster (li.).

Im selben Jahr erscheint sein Album "Sprünge" und sorgt dafür, dass Grönemeyer in der Erfolgsspur bleibt. Die Songs sind engagierter und kritischer, er kommentiert die Kohl-Regierung genauso wie das Apartheid-Regime in Südafrika. Und mit "Kinder an die Macht" hat er auch noch eine große Hymne für die Kleinen parat.

Nicht nur die Platten laufen, auch live genießt Grönemeyer großes Ansehen. Zwar veröffentlichen Bela B. und Wiglaf Droste einen Song namens "Grönemeyer kann nicht tanzen", aber das muss er ja auch nicht. Seine Stimme, sein Klavierspiel und seine Aura reichen, um das Publikum in den Bann zu ziehen – wie hier beim "Anti-WAAhnsins-Festival" vor 100.000 Zuschauern.

Den Status als deutscher Superstar kann Grönemeyer über die nächsten Jahre aufrechterhalten. Seine Platten haben Gold- und Platin-Garantien, die Konzerte wandern von den Arenen in die Stadien.

Natürlich ist immer besonders viel los, wenn er in seine Heimatstadt Bochum kommt – vor allem, wenn es das dortige Ruhrstadion ist. Schließlich ist sein Song "Bochum" schon längst zur Vereinshymne erhoben worden. Vor jedem Spiel singen Tausende Fans inbrünstig die Zeilen: "Machst mit 'nem Doppelpass jeden Gegner nass / Du und dein VfL".

1998 treffen ihn zwei Schicksalsschläge: Erst stirbt sein Bruder Wilhelm, wenig später seine Frau Anna. Grönemeyer stürzt sich in die Arbeit und geht schnell wieder auf Tour. 2002 erscheint das Album "Mensch", auf dem er Trauer und Verlust verarbeitet. Das Album trifft den Nerv einer ganzen Nation, holt 21 Mal Gold. Keine deutsche Platte wurde je mehr verkauft.

In den 80ern waren es noch Niedecken und Millowitsch, im neuen Jahrtausend initiiert Grönemeyer seine guten Taten mit internationaler Unterstützung. 2008 tritt er mit Bono in Rostock auf, um im Rahmen des G8-Gipfels gegen die Schattenseiten der Globalisierung zu protestieren.

Egal ob "12", "Schiffsverkehr", "Dauernd jetzt" oder "Tumult": Nahezu jedes neue Grönemeyer-Album landet auf der Nummer eins der deutschen Charts. Und auch live läuft es unverändert: Die Stadien sind voll, die Stimmung ist grandios – sogar im Ausland. 2012 veröffentlicht er das englischsprachige Album "I Walk" und geht auf Tour in England, den USA und Kanada.

2017 ist es dann wieder Zeit für eine kleine Rolle vor der Kamera. Im Agententhriller "A Most Wanted Man" spielt Grönemeyer an der Seite von Philip Seymour Hoffman (re.) und Nina Hoss (Mi.). Auch für die Filmmusik ist er zuständig. Regie führt sein Freund Anton Corbijn, der als Fotograf und Grafiker schon seit Jahren für Grönemeyers Image zuständig ist.

Im März 2020, mitten in der Corona-Pandemie, veröffentlicht Grönemeyer einen Song namens "Helden dieser Zeiten". Er ist denjenigen gewidmet, die am meisten von der Pandemie betroffen sind und helfen, den Laden halbwegs am Laufen zu halten. Außerdem fordert er eine Millionärsabgabe, um die Kulturszene zu unterstützen, und geht mit gutem Beispiel voran.

2023 veröffentlicht Herbert Grönemeyer sein 16. Studioalbum "Das ist los" und geht auf große Deutschlandtour. 2024 feiert er im Ruhrstadion das 40-jährige Jubiläum seines Erfolgsalbums "Bochum 4630".

Auch danach ist viel los bei Herbert Grönemeyer: Im Rahmen seiner Unplugged-Tour tritt er 2025 in der Dortmunder Westfalenhalle auf und bringt gleich ein ganzes Orchester mit. Und 2026 erscheint pünktlich zu seinem 70. Geburtstag der Dokumentarfilm "Grönemeyer – Alles bleibt anders": am 13.04. abends im Ersten und schon jetzt in der ARD Mediathek!

Stand: 08.04.2026, 00:00 Uhr