Eine Illustration einer Frau, die auf einem Mischpult den Lautstärkeregler runterzieht und sich einen Finger vor den geschlossenen Mund hält. Neben ihr sind in Bubbles durchgestrichene Lautsprecher, Blitze und Glühbirne vor der Skyline einer Stadt.

Neurodiversität "Stille Stunde": Diese Konzepte für reizarme Umgebung gibt es 

Stand: 23.02.2026, 12:00 Von Maria Andresen Gamechanger

Von Maria Andresen

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Ist es dir im Schwimmbad oder Fitnessstudio manchmal zu laut? Besonders für neurodivergente und geräuschempfindliche Menschen können laute Geräusche und Durchsagen, Musik oder grelles Licht eine Reizüberflutung darstellen. Die Einführung einer "Stillen Stunde" soll das ändern und öffentliche Orte barrierefreier gestalten.

"Stille Stunde" im Schwimmbad

Viel Gekreische, Wasserplantschen, hellhörige Räume – im Schwimmbad kann es manchmal ganz schön laut sein. Deswegen hat ein Schwimmbad in Pinneberg eine sogenannte "Stille Stunde" eingeführt. Das bedeutet, dass an bestimmten Tagen für 1,5 Stunden eine besonders reizarme Umgebung geschaffen wird: Die Lichter sind gedimmt, Massagedüsen ausgestellt und Sprungtürme gesperrt.

Sportschwimmen ist in dem Zeitraum nicht erlaubt, um Stressfaktoren zu reduzieren. Auch die Bade-Aufsicht denkt mit und trägt keine Schlappen, um noch leiser unterwegs zu sein. Dazu kommt: Im Schwimmbad wird höchstens geflüstert. So soll das Schwimmen für alle angenehmer sein.

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Eine angestellte Rettungsschwimmerin hat gemeinsam mit einer Schwimmlehrerin des Schwimmbads die Idee angetrieben. Die Schwimmlehrerin ist selbst ADHS-Autistin und hat drei neurodivergente Kinder. Mit ihrer Erfahrung hat sie die Maßnahmen vor Ort entwickelt und umgesetzt.

Der Eintrittspreis bleibt bei dem Event mit sechs Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder gleich, ermäßigte Preise gibt es nicht. Ein Schwimmbad in Langenhagen bietet ebenfalls eine "Stille Stunde" an festgelegten Terminen an.

Was bedeutet die "Stille Stunde"?

Mit der "Stillen Stunde" wird ein bestimmter Zeitraum beschrieben, in dem an öffentlichen Orten (z. B. Supermärkten, Schwimmbädern, Baumärkten) sensorische Reize wie Geräusche oder Lichter bewusst reduziert werden. Ziel ist es, sensorische Barrieren zu verringern und mehr Inklusion zu schaffen, insbesondere für neurodivergente Menschen.

Erstmals eingeführt wurde die "Stille Stunde" als sogenannte "Quiet Hour" in einer neuseeländischen Supermarktkette. Ein Angestellter des Supermarktes mit einem autistischen Kind hatte die Idee, eine "Stille Stunde" einzuführen. Mittlerweile gibt es sie in der Supermarktkette jede Woche.

Quelle: stille-stunde.com

Stille Stunde im Supermarkt: Wo es reizarme Einkaufszeiten gibt  

Die "Stille Stunde" im Supermarkt ist mittlerweile in Deutschland recht weit verbreitet. Ob in Kaiserslautern, Münster, Hamburg oder Stuttgart ‒ zu bestimmten Zeiten werden auch dort Geräusche und Lichter reduziert, das Verräumen von Waren pausiert und Bildschirme abgeschaltet. Ob es eine "Stille Stunde" im Supermarkt oder einer anderen Location in deiner Nähe gibt, kannst du über eine Teilnehmerliste herausfinden (Link in den Quellen).

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Auch andere öffentliche Orte versuchen mit ähnlichen Angeboten die Gefahr von Reizüberflutung zu bestimmten Zeiträumen zu minimieren: Baumärkte, Museen oder Bars zum Beispiel.  

Ein Fitnessstudio in Lippstadt macht ebenfalls bei der "Stillen Stunde" mit.​ Jeden​ Dienstagvormittag von 9 Uhr bis 12:30 Uhr werden die Lichter gedimmt und die Musik abgeschaltet. Alle Menschen, die lieber in entspannterer Atmosphäre im Gym trainieren, können an dem "Stillen Vormittag" die Ruhe genießen. Ein Fitnessstudio bei Leeds in England verfolgt mit "low sensosory sessions" ein vergleichbares Konzept. In Deutschland ist es noch nicht so weit verbreitet.

Was ist Neurodiversität?

​​​Neurodiversität steht für die Vielfältigkeit des Nervensystems und beschreibt die vielfältigen Unterschiede in den kognitiven, sensorischen und kommunikativen Erfahrungen des Menschen, ohne sie als Defizite zu betrachten. Formen von Neurodiversität können zum Beispiel ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, oder Legasthenie sein. Etwa 15 bis 20 % der menschlichen Bevölkerung gilt als neurodivers. Aufgrund von überlappenden oder fehlenden Diagnosen beruhen die Zahlen allerdings lediglich auf Schätzungen. Das geht aus einem wissenschaftlichen Artikel aus dem Jahr 2023 hervor. 

Statt Reizüberflutung: Reizarme Kirmes 

Eine besondere Form der Barrierefreiheit bietet auch die reizarme Kirmes in Aachen. Dort werden zu bestimmten Zeiten Musik und Lichter heruntergefahren, Strobo-Effekte ausgeschaltet und sogar die Achterbahnen fahren langsamer. 

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So ein inklusiv ausgerichtetes Jahrmarktangebot gibt es bereits in den Niederlanden, aber auch in Würzburg und Geilenkirchen. 

Neurodiversität im Alltag: Reizarme Umgebung schafft inklusiveres Miteinander

Diese Konzepte zeigen, dass schon kleine Veränderungen viel bewirken und den Alltag inklusiver gestalten können. Eine reizarme Umgebung in den Zeiträumen der "Stillen Stunde" schafft mehr Platz für Ruhe, Verständnis und ein faires Miteinander.

Dieser Beitrag liefert Informationen zu den Instagram-Reels von kugelzwei "Stille Stunde im Schwimmbad" vom 13.02.2026, 08:32 Uhr, und "Stille Stunde im Gym" vom 16.02.2026, 10:32 Uhr.

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