Vier Menschen stehen beieinander und unterhalten sich. Aus ihren Köpfen kommen viele bunte Blasen geflogen.

Mentale Gesundheit ADHS-Treff: Safe Space für neurodivergente Menschen

Stand: 07.01.2026, 12:00 Von Antonius Tix Gamechanger

Von Antonius Tix

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Kontakte knüpfen ist für viele Menschen mit ADHS kein Selbstläufer. Reizüberflutung, soziale Erwartungen und ständiges Anpassen können selbst einen einfachen Bar-Abend sehr anstrengend machen. Aber was, wenn es ein Event gibt, bei dem all das schon mitgedacht ist? So wie das ADHS-Treffen in einer Kölner Bar.

Ein Safe Space für ADHS und Neurodivergenz

Beim "ADHerz-Abend" in Köln steht eines im Mittelpunkt: die Bedürfnisse neurodivergenter Menschen ernst zu nehmen. Die Bar wird dafür bewusst angepasst – mit gedimmtem Licht, leiser Musik, Rückzugsraum, Fidget-Toys und Ohrstöpseln. Um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, gibt es ein gemeinsames Bingo-Spiel sowie Deep-Talk-Karten als Konversationsstarter. Ein sogenannter Awareness-Engel begleitet den Abend und unterstützt bei Fragen oder Unsicherheiten.

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Das Ziel: ein Ort, an dem Menschen mit ADHS ohne sich zu verstellen, ohne "zu viel" zu sein, einfach connecten und einen schönen Abend haben können.

Von der Idee zur wachsenden Community

Die Eventreihe ist noch jung: Die Idee entstand im April 2025, das erste Treffen fand im Juli darauf statt. Aktuell findet das Treffen in der JuBo Weinbar in Köln-Sülz statt. Ab 2026 soll es monatlich mit wechselnden Locations in Köln, später auch in ganz NRW und langfristig bundesweit weitergehen.

Die Gründerin Indira Peters wurde selbst als Erwachsene mit ADHS diagnostiziert. Aus eigener Erfahrung kennt sie also den Anpassungsdruck, den viele Betroffene im Alltag spüren. "Viele von uns sehnen sich danach, endlich komplett wir selbst sein zu dürfen", erzählt sie.

Indiras Freundeskreis besteht fast vollständig aus neurodivergenten Menschen – ohne dass sie das je bewusst so geplant hätte. "Irgendetwas zieht uns einfach zueinander", sagt sie. Im Alltag haben viele gelernt, sich anzupassen, leiser zu werden oder ihre Bedürfnisse herunterzuschrauben, um nicht als anstrengend zu gelten. Das kostet viel Energie. Aus diesem Gefühl heraus entstand die Idee für ein Kennenlern-Event, das neurodivergente Bedürfnisse nicht als Sonderfall behandelt.

ADHS-Event: Alle sind willkommen – auch ohne Diagnose

Zum ADHS-Event willkommen sind Menschen mit ADHS, mit Verdacht darauf oder einfach Interesse an der neurodivergenten Community. Die einzige Voraussetzung: die Intention des Abends teilen und bereit sein, die Bedürfnisse von Menschen mit ADHS zu respektieren.

Eine offizielle Diagnose braucht es nicht. Theoretisch können also auch Menschen kommen, die nicht genau verstehen, was ADHS bedeutet. Das könnte zu weniger "Safe Space" für die Betroffenen führen. "Aber genau deshalb kommunizieren wir im Vorfeld klar, dass wir Awareness, Respekt und Sensibilität voraussetzen", sagt Gründerin Indira Peters.

Gleichzeitig ist wichtig zu betonen: So wertvoll Austausch, Verständnis und Begegnung sein können, ein solches Treffen ersetzt keine Therapie oder medizinische Behandlung.

ADHS bei Erwachsenen kurz erklärt

Aktuell werden fast dreimal so viele Erwachsene mit ADHS diagnostiziert wie noch vor zehn Jahren. Fachleute führen das auf einen offeneren Umgang mit mentaler Gesundheit und mehr Aufklärung auf Social Media zurück. 

Bei Erwachsenen zeigt sich ADHS oft weniger durch sichtbare Hyperaktivität, sondern durch innere Unruhe, Reizoffenheit, Emotionsregulationsprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten

Gleichzeitig bringen viele Betroffene besondere Stärken mit: Kreativität, Empathie, Spontanität und die Fähigkeit zum Hyperfokus. Entscheidend ist ein Umfeld, das diese Unterschiede mitdenkt – genau hier setzen Formate wie dieses Event an. 

Menschen-Bingo: ein spielerischer Eisbrecher

Was beim ADHS-Event sofort auffällt: Viele Gäste halten kleine Zettel in der Hand. Dahinter steckt das "Menschen-Bingo". Jede Person bekommt eine Bingokarte mit 25 kleinen Aufgaben für den Abend, die sie Stück für Stück abhaken kann – zum Beispiel: 

  • "Finde jemanden mit einem ungewöhnlichen Schlüsselanhänger."
  • "Finde eine Person, die heute mutig allein gekommen ist."
  • "Finde jemanden, der dir von einer Erkenntnis erzählt, die ihn oder sie zuletzt berührt hat."

Das Spiel ist freiwillig, aber wirkungsvoll: Es nimmt den Druck aus dem ersten Gespräch, gibt Orientierung – und am Ende winken kleine Andenken als Belohnung

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "ADHS-Treffen" vom 17.12.2025. 

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