Eine Gruppe von Menschen während einer Stadttour in Hamburg.

Soziales Engagement Stadt-Tour mit ehemaligen Obdachlosen – Hamburg aus neuer Perspektive

Stand: 06.03.2026, 15:29 Von Amezz Ali Gamechanger

Von Amezz Ali

Diese Stadttour zeigt dir Hamburg aus einer Perspektive, die du noch nicht kennst, und gibt dir einen Einblick in den Alltag von Menschen, die ohne eigenes Zuhause in der Großstadt leben.

Stadtführung durch Hamburg mit ehemaligen Obdachlosen

Diese Stadttour der etwas anderen Art beginnt an einem Ort, der nicht unbedingt zum Verweilen einlädt: am Hamburger Hauptbahnhof. Denn statt wie bei einer normalen Stadtführung über historische Sehenswürdigkeiten zu sprechen, bekommst du bei dieser Tour Eindrücke von dem Leben auf der Straße. Und das Bahnhofsviertel ist für viele obdachlose Menschen der Dreh- und Angelpunkt ihres Alltags.

Auf der zweistündigen Tour zeigt Stadtführer Chris dir Spots, die für obdachlose Menschen besonders wichtig sind, etwa Wohnheime, Tagesaufenthaltsstätten oder Drogenkonsumräume. Und du erfährst von den alltäglichen Problemen, die obdachlose Menschen haben. Da die Guides früher selbst obdachlos waren, kennen sie das Leben auf der Straße persönlich und berichten von ihren eigenen Erfahrungen. So soll mehr Verständnis für das Leben auf der Straße entstehen.

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Die Stadtführungen kosten zwischen 7 und 12 Euro. Organisiert werden sie vom Hamburger Straßenmagazin "Hinz&Kunzt". Ähnliche Touren gibt es auch in anderen Städten, zum Beispiel in Berlin und Essen, die dort vom Verein "querstadtein e.V." organisiert werden. In Berlin werden solche Führungen auch mit anderen Schwerpunkten angeboten. Dort kannst du die Stadt zum Beispiel aus einer queeren oder migrantischen Sichtweise betrachten.

Wie viele Menschen sind wohnungslos?

Wohnungslosigkeit ist kein Randthema. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren 2024 rund 1.029.000 Menschen in Deutschland ohne eigene Wohnung. Etwa 56.000 von ihnen lebten auf der Straße. Zudem sind 264.000 der Betroffenen minderjährig. Offiziell erfasst werden diese Zahlen erst seit 2022. Das Wohnungslosenberichterstattungsgesetz gibt es seit 2020, das die jährliche Datenerhebung vorschreibt.

Drogenkonsumraum und Straßenleben: Hamburgs versteckte Orte

Auf der Stadttour nehmen die Guides Chris und Uwe dich mit an Orte, die im Alltag oft übersehen werden, für obdachlose Menschen aber wichtig sind. Da die Stadtführer das Leben auf der Straße schon selbst erlebt haben, kennen sie die wichtigsten Spots: Wohnheime, Tagesaufenthaltsstätten und Drogenberatungsstellen. Sie sensibilisieren auch dafür, wie schnell man selbst in so eine Situation geraten könnte.

Die Route führt unter anderem am "Drob Inn" vorbei, einem Drogenkonsumraum. Dort haben drogenabhängige und obdachlose Menschen die Möglichkeit, sicher Drogen zu konsumieren. Gleichzeitig ist es auch eine Kontakt- und Beratungsstelle für sie. In solchen Drogenkonsumräumen können Abhängige ihre mitgebrachten Substanzen in einem geschützten Umfeld konsumieren und werden dabei von medizinischem Personal begleitet. Denn strafbar ist der reine Konsum von Drogen in Deutschland nicht.

Solche Einrichtungen helfen dabei, Risiken wie Überdosierungen oder Infektionen zu verringern. Das Personal kann zudem im Notfall eingreifen. Außerdem wird der Drogenkonsum verlagert und Innenstädte so entlastet. Gleichzeitig sind sie ein niedrigschwelliger Kontaktpunkt. Dort können Betroffene ins Gespräch und weitere Hilfe erhalten.

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Leben auf der Straße: Risiken in der Großstadt

Guide Chris spricht während der Tour auch darüber, warum sich die Situation für viele Betroffene auf der Straße verschärfen kann und Sucht nicht automatisch das Hauptproblem sein muss. Vor allem im Winter wird es lebensgefährlich. Minusgrade können für Menschen ohne geschützten Schlafplatz zur akuten Bedrohung werden. In Hamburg sind laut "Hinz&Kunzt" in diesem Jahr bereits 18 Menschen gestorben, die auf der Straße gelebt haben (Stand: 05.02.2026).

Obdachlos oder wohnungslos – was ist der Unterschied?

"Wohnungslos" sind Menschen, die keine eigene Wohnung besitzen oder gemietet haben, aber trotzdem ein Dach über dem Kopf haben, weil sie zum Beispiel bei Freund:innen schlafen oder einen Schlafplatz in einer Unterkunft haben. „Obdachlosigkeit“ beschreibt Menschen, die gar keinen festen Schlafplatz haben und dadurch ihre Nächte im öffentlichen Raum verbringen müssen.

Trotzdem meiden manche obdachlose Menschen Notunterkünfte. Das kann an fehlender Privatsphäre, Angst vor Diebstahl oder schlechten Erfahrungen mit Gewalt liegen. Hinzu kommt: Viele Unterkünfte sind nach Geschlechtern getrennt und obdachlose Paare werden dadurch auseinandergerissen. Und wer einen Hund hat, steht oft vor der Wahl zwischen Schlafplatz und Vierbeiner. Um die kältesten Stunden zu überstehen, helfen vorübergehend Wärmestuben und Kältebusse. Dort gibt es heiße Getränke, etwas Warmes zu essen und manchmal einfach einen Ort, um kurz durchzuatmen.

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Menschen, die auf der Straße leben, erleben nicht nur, dass sie übersehen werden, sondern sie sind durch ihre fehlende Rückzugsmöglichkeit auch besonders verletzlich. Gewalt gehört für viele zum Alltag. Ein großer Teil der Übergriffe taucht in keiner Statistik auf, weil Betroffene diese oft nicht anzeigen.

Großstadt-Tour mit anderer Perspektive – obdachlose Menschen verstehen

Bei den Touren sollst du die Stadt mal aus einer anderen Perspektive erleben und ein Gefühl dafür bekommen, dass Obdachlosigkeit nicht nur aus Zahlen besteht. Es geht darum, die Menschen hinter dem Thema zu sehen, mit ihren eigenen Geschichten, Erfahrungen und Lebenswegen. Deshalb gilt während der Tour ein klarer Grundsatz: Aus Respekt gegenüber den Menschen, die derzeit auf der Straße leben, führt der Rundgang nicht direkt an ihnen vorbei. Es geht um Verständnis – aber nicht um Voyeurismus.

Denn die Gründe, warum Menschen ihre Wohnung verlieren, sind unterschiedlich und oft komplex. Darunter spielen fehlende Wohnräume sowie Armut eine Rolle. Einsparungen in sozialen Einrichtungen können die Situation für Menschen in schwierigen Lebenslagen noch komplizierter machen. Auch individuelle Lebensumstände wie Krankheiten oder Schicksalsschläge können eine Ursache sein. Projekte wie diese können also Verständnis schaffen für Menschen, deren Alltag sonst oft unsichtbar bleibt.

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei „Ex-Obdachloser gibt Stadtführungen“ vom 10.01.2026.