Öffentliche Toiletten : Urinal auch für Frauen: NRW-Studentin will Pinkeln fairer machen
Stand: 08.06.2026, 16:00 Von Franziska Klasen Gamechanger
Von Franziska Klasen
Dialogbox
Kommentieren [1]Du musst ganz dringend, aber die Schlange vorm Klo ist mal wieder viel zu lang? Gerade Frauen kennen das. Eine Studentin aus Köln hat sich eine Lösung überlegt: Mit einem Unisex-Urinal will sie den Gang zur öffentlichen Toilette für alle Geschlechter schnell, einfach und kostenlos ermöglichen.
Ein Pissoir für Frauen und Männer? So funktioniert das System
Das Urinal für Frauen und Männer ist so konzipiert, dass du pinkeln kannst, ohne dich dabei hinzusetzen. Entweder im Stehen oder du hockst dich über das Pissoir. Damit alles möglichst sauber bleibt, gibt es für beide Optionen eine Zielhilfe im Becken: eine blaue Fläche im vorderen Bereich für Frauen und eine im hinteren Bereich für Männer. Wird diese getroffen, soll weniger daneben gehen. Die siebartige Oberfläche des Beckens sowie Platten an den Seiten dienen als Spritzschutz.
Das System soll wasserlos funktionieren, also ohne Spülung und Anschluss an die Kanalisation. Stattdessen läuft der Urin in einen Kanister, der regelmäßig geleert werden muss. Gegen unangenehme Gerüche soll ein Ventil helfen, das sich nur öffnet, wenn gepinkelt wird. Daran wird aktuell noch gearbeitet (Stand Mai 2026).
Kölner Studentin entwickelt das Urinal auch für Frauen
Helena studiert Design in Köln und hat das Pissoir für Frauen und Männer als Prototypen im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit gebaut. Ihre Motivation: In ihren Augen gibt es zu wenig Frauen- bzw. FLINTA*-Toiletten im öffentlichen Raum und damit für viele Menschen keine Möglichkeit, schnell, easy und kostenfrei pinkeln zu gehen. Das will Helena mit ihrem Frauenurinal ändern und so auch andere auf das Problem aufmerksam machen.
So viele öffentliche Toiletten gibt es in NRW
Der WDR hat neun Städte in Nordrhein-Westfalen zu ihrer Toilettensituation befragt. Spitzenreiter ist Siegen mit 7,8 öffentlichen Toiletten pro 100.000 Einwohner:innen. Auch Paderborn und Düsseldorf liegen mit jeweils sieben gut im Rennen. Deutlich schlechter schneidet Köln ab: Dort kommen auf 100.000 Personen nur 2,2 öffentliche Toiletten, ähnlich wie in Münster mit 2,1. Das Schlusslicht bildet Essen mit einem Wert von 0,3. (Stand 2026)
Öffentliches Unisex-Urinal: Vor- und Nachteile
Kein Hinsetzen heißt auch: keine Panik mehr vor dreckigen Toilettensitzen. Dafür fällt aber wohl auch das Händewaschen weg, denn ein Wasseranschluss ist bei diesem Urinal für Frauen und Männer nicht vorgesehen. Spender mit Desinfektionsmittel könnten hier eine Alternative sein. Die Unabhängigkeit von Wasser und Kanalisation macht das System dafür sehr flexibel. Von Festivals über Parks bis zum Stadion ist es fast überall einsetzbar.
Durch die platzsparende Bauweise passen mehr Toiletten auf den gleichen Raum. Das würde die Wartezeiten verkürzen. Weiterer Pluspunkt: Das Urinal ist für alle Geschlechter geeignet und damit auch für Trans- und nicht binäre Personen hilfreich, für die der Toilettengang im öffentlichen Raum sonst oft eine Herausforderung ist. Barrierefrei ist das Unisex-Urinal allerdings nicht. Das Hocken ist nicht für alle möglich und die Kabinen könnten für einige zu eng sein.
Fairer Pinkeln: Warum wir neue Toiletten-Ideen brauchen
Gleich viel Fläche für Männer und Frauen? Klingt erstmal fair, ist es in Bezug auf öffentliche Toiletten aber meist nicht. Weil Urinale deutlich weniger Platz brauchen als Kabinen, bekommen Männer auf derselben Fläche in der Regel mehr Toilettenplätze. Die klassische Schlange vor dem Frauenklo ist also kein Zufall, sondern oft ein strukturelles Problem. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Die ungleiche Verteilung und die Forderung nach mehr Geschlechtergerechtigkeit bei öffentlichen Toiletten nennt sich "Potty Parity".
In Deutschland regeln die Bundesländer über "Versammlungsstättenverordnungen" oder vergleichbare Vorschriften, wie viele Toiletten größere Veranstaltungsorte bereitstellen müssen. Auch hier zeigt sich die Ungleichheit: In NRW sind bei 1.000 Besucher:innen zum Beispiel mindestens zwölf Damentoiletten, acht Herrentoiletten sowie zwölf Urinale vorgeschrieben. Männern stehen damit rechnerisch 20 WC-Einheiten zur Verfügung, Frauen dagegen nur zwölf. Hinzu kommt: Urinale sind häufig kostenlos, Sitztoiletten nicht.
Frauenurinale und andere Konzepte für weniger Stress beim Pinkeln
Das System von Helena aus Köln ist nicht die erste und einzige Erfindung, die öffentliche Klos für alle zu angenehmeren Örtchen machen könnte. Es gibt bereits einige kommerzielle Anbieter wie "Missoir", "Marcelle" oder "Lapee", die Frauenurinale und Pissoirs für alle Geschlechter herstellen. Dass diese Produkte längst existieren, Pinkeln in der Öffentlichkeit für FLINTA* aber trotzdem noch stressig ist, zeigt: Das Problem ist noch lange nicht gelöst und Initiativen wie die von Helena werden weiterhin gebraucht.
Wie barrierefreie Toiletten gestaltet werden können, zeigt zum Beispiel die Stadt Düsseldorf: Dort gibt es an zwei Standorten Klos mit einem Lift für Rollstuhlfahrende, einer höhenverstellbaren Liege für Erwachsene und einem Waschbecken mit Blindenschrift. Du willst ganz unabhängig sein? Dann könntest du dir fürs Festival oder zum Campen auch ein faltbares Mini-Klo mitnehmen. Mehr über diese und andere Ideen erfährst du hier:
Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "Studentin baut Klo für alle" vom 20.05.2026.
Kieler Woche bietet Urinal für Frauen an (ardmediathek.de)
Ist deine Toilette eine Fehlkonstruktion? (quarks.de)
Unsere Quellen:
Interview mit Helena Logsch, die das Unisex-Urinal für ihre Bachelorarbeit baut (2026)
Zu wenig öffentliche Toiletten? So sieht es in NRW-Städten aus (wdr.de)
Potty Parity: Gleichberechtigung auf dem Klo (boell-bremen.de)
Verordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten und Beherbergungsstätten (recht.nrw.de)
Pinkeln ist politisch (deutschlandfunkkultur.de)
Öffentliche Toiletten: Warum Frauen länger warten müssen (deutschlandfunk.de)
Marcelle Unisex Urinal (urinoirmarcelle.fr)
1 Kommentar
Kommentar 1: Brigitte schreibt am 11.06.2026, 19:24 Uhr :
Darauf würde ich gerne verzichten. Hock-Pissoir sind extrem unbequem, unhygienisch und stinken. Und die verbleibenden Tropfen fallen dann in die Unterhose bzw. auf die Kleidung. Händewaschen fällt auch aus, dafür evtl. umweltschädliche Desinfektionsmittel. Nein Danke!