Zwei Frauen und ein Mann sitzen in einer Kneipe am Tresen und schauen Frauenfußball auf einem Fernseher hinter der Bar.

Live Sport Frauenfußball in der Bar schauen? Diese Sportsbar setzt auf Frauensport

Stand: 29.04.2026, 12:00 Von Miriam Bade Gamechanger

Von Miriam Bade

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In einer Sportsbar in Brighton dreht sich alles um starke Athletinnen und erfolgreiche Frauenteams: Die Betreiberinnen wollen den Frauensport zugänglicher machen – und als Fans ihre weiblichen Idole feiern. Sportlerinnen bekommen in Deutschland und auch international noch immer deutlich weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung als ihre männlichen Kollegen. Das hat strukturelle und historische Ursachen, die sich nur langsam aufbrechen lassen.

Bar für Frauensport: Hier läuft Frauenfußball auf allen Screens

Eine Sportsbar, in der fast nur Frauensport läuft – nicht als Lückenfüller, nicht mit runtergeregelter Lautstärke, sondern mit Prio gegenüber dem Männersport und oft auf allen acht Screens gleichzeitig: Mit diesem Konzept ging die "Crossbar" Anfang 2026 im südenglischen Brighton an den Start. Und die Bar ist rappelvoll. Das Gründerinnen-Paar Pippa und Lucy Tallant will so einen Ort schaffen, an dem Athletinnen gefeiert werden und Frauensport – auch abseits des Mainstreams – für alle sichtbar wird.

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Nicht nur auf den Screens sind bevorzugt Frauen zu sehen. Rund 90 Prozent der Gäste sind ebenfalls weiblich. Die Bar möchte ein Safe Space sein: Alle Menschen sind willkommen, egal, ob eingefleischte Sportfans oder neugierige Begleitung. Die Stimmung ist gelöst. Im Fokus stehen die Athletinnen, die hier gefeiert werden – nicht, wer (vermeintlich) am meisten Ahnung hat oder am lautesten die Abseitsregeln rezitiert.

Die Bar deckt die ganze Bandbreite des Frauensports ab: Es laufen Mannschaftssportarten wie Cricket, Rugby, Netball und Fußball, aber auch Surfen, Winter- und Motorsport.

Frauensport im TV: Warum nur ein Bruchteil übertragen wird

Die Good News: Seit einigen Jahren berichten die Medien etwas häufiger über Frauensport. Die Fußball-EM der Frauen 2025 in der Schweiz und die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien haben Spitzensportlerinnen einen Peak an Aufmerksamkeit beschert. Abseits solcher Großevents bleibt die Sichtbarkeit des Frauensports aber weit hinter der der Männer zurück: Studien zufolge liege der Anteil der Berichte im Sport über Sportlerinnen nur bei 10-15 Prozent, erklärt Sportsoziologin Prof. Bettina Rulofs von der Kölner Sporthochschule gegenüber dem SWR.

Für die Sportlerinnen ist das ein Problem: Wer medial nicht stattfindet, bleibt unbekannt, hat keine Fanbase und kann keine Sponsoring-Verträge an Land ziehen. Der Gender Pay Gap, also die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation, wird im Profisport an einigen Stellen ganz besonders sichtbar: Während die ersten deutschen EM-Siegerinnen 1989 noch ein geblümtes Kaffeeservice als Prämie erhielten, hätte jede Spielerin 2025 immerhin 120.000 Euro im Falle des Titelgewinns bekommen.

Zum Vergleich: Bei den Männern wären es 2024 400.000 Euro pro Spieler gewesen. Im semi-professionellen Bereich sind die Unterschiede einer Expertin der Deutschen Sporthochschule Köln zufolge allerdings weniger gravierend.

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Gibt es Sportsbars für Frauensport auch in Deutschland?

Ein ähnliches Konzept wie in England gibt es schon länger in den USA: In Portland, Oregon hat 2022 mit "The Sports Bra" eine der ersten Bars eröffnet, die sich auf Frauensport fokussiert. Das Konzept scheint gut anzukommen und auch wirtschaftlich zu funktionieren: In diesem Jahr entstehen zwei zusätzliche Filialen in St. Louis und Indianapolis. Las Vegas, Boston und Portland, Maine sind in Planung.

In Deutschland gab und gibt es zwar die ein oder andere Initiative: Der "Honeyball Club" in Köln fokussiert sich z. B. auf Frauensport und die FLINTA*-Sport-Community. "Das Netz" aus Leipzig öffnete Anfang 2024 jeden Montag für Frauensport-Übertragungen, hat laut ihrem Auftritt in den sozialen Medien mittlerweile aber geschlossen. Und im Braunschweiger Kulturzentrum "Brunsviga" gibt es in der "Frauen*-Sport-Bar" regelmäßig Sportübertragungen in einem geschützten Raum für FLINA*s, das nächste Mal zur Fußball-WM der Männer 2026.

Eine Sportsbar, die im Regelbetrieb hauptsächlich Frauensport zeigt, gibt’s nach unserer Recherche aktuell aber nicht.

Frauen im Sport: Wie Verbote und Vorurteile bis heute wirken

Dass Frauen im Spitzensport bis heute unterrepräsentiert sind, hat auch historische Gründe: In den 1950er-Jahren schrieb die Autorin Gertrud Oheim in ihrem Benimmratgeber "Das 1x1 des guten Tons" zum Beispiel über Frauensport: "... diese verzerrten, erschöpften, verkrampften Gesichter sprechen eine beredte Sprache und sind nicht gerade Ausdruck dessen, was man sich unter weiblicher Anmut vorstellt."

Und in den Vereinen des DFB war der Frauenfußball zwischen 1955 und 1970 sogar komplett verboten. Erst nachdem inoffiziell spielende Frauen mit der Gründung eines eigenen Verbands gedroht hatten, fiel das Verbot. Frauen durften nun zwar Fußball spielen – allerdings ohne Stollenschuhe, nur 60 statt 90 Minuten und mit dem leichteren Jugendball. Seit den 1990er Jahren ist das Regelwerk dem der Männer nun komplett gleichgestellt.

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Ist Männerfußball wirklich besser als Frauenfußball? Was Studien zeigen

Zuschauer:innen stufen Männerfußball als hochwertiger ein – allerdings nur, wenn sie auch wissen, dass es sich um Männer handelt. Das legt eine Studie im Fachblatt "Sport Management Review" nahe, die mehr als 600 Menschen verpixelte und unverpixelte Videos gezeigt hat. War das Geschlecht der Spieler:innen nicht erkennbar, nahmen die Zuschauenden den Frauenfußball als ebenso hochwertig wahr.

Eine aktuelle, nicht-repräsentativen Umfrage des SWR unterstreicht die Geschlechterunterschiede: Rund zwei Drittel der 300 befragten Spitzensportlerinnen gaben an, dass sie für die gleiche gesellschaftliche Anerkennung mehr leisten müssten als ihre männlichen Kollegen. Gutes Aussehen, auch im Endspurt, auch nach Niederlage oder Enttäuschung spiele eine viel größere Rolle als bei den Männern. Es gehe eher um das "vermarktbare Gesamtpaket".

Was bringt eine Sportsbar für Frauensport für Gleichberechtigung?

Fest steht: Das sportliche Niveau steigt, ebenso wie die Aufmerksamkeit für Frauensport. Gleichzeitig fehlt es an Orten, die diese Entwicklung bündeln und für alle zugänglich machen. Die Crossbar und andere Vorreiter verändern keine TV-Verträge und gleichen keine Gehälterunterschiede aus. Aber sie schaffen Orte, an denen sich die Wahrnehmung verschiebt – und Geschlechterklischees vielleicht ein kleines bisschen aufgebrochen werden.

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "Bar für Frauensport" vom 12.04.2026.

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