Paillettenfummel oder Teddyfell, Filmheld, Hippie oder Fantasiegestalt - wer gut verkleidet in den Karneval starten will, hat tausende Möglichkeiten.
Soll es das Trendkostüm von der Stange sein oder lieber das Unikat Marke Eigenbau? Was ist wichtiger: Auffallen um jeden Preis oder Hauptsache warm durch den Zug kommen? Welche Tipps haben Profis für den Karnevalsfummel? Wir geben eine kleine Starthilfe.
- Ideen sammeln und Experten fragen
- Vorsicht vor Billigkostümen aus Fernost
- Was ist bei Kostümen verboten?
- Karnevalskostüm leihen
- Kostümtrends 2026: Glitzer und Kinohelden
- Extravagant oder praktisch? Kalt oder warm? Regensicher?
- Karnevalskostüm gebraucht kaufen
- Karnevalskostüm selber nähen
- Alte Schätzchen frisch aufpimpen
- Last-Minute-Kostüm - unter 20 Euro
- Das Kostüm in der Überraschungsbox
Ideen sammeln und Experten fragen
Für viele führt der Weg aber ganz klassisch in einen Kostümladen. Hier gibt es vom winzigen Detail bis zum Ganzkörperkostüm die ganz große Auswahl. Wer sich unsicher ist, findet Rat bei echten Fachleuten. Zum Beispiel bei Silvia Kemmerling. Sie führt seit Jahren mit ihrem Team den Kostümladen Kemmiskramkiste in Brilon-Thülen. "Wie leben alle leidenschaftlich den Karneval."
"Wir sind allesamt karnevalsbekloppt" Silvia Kemmerling, Chefin des Kostümladens Kemmiskramkiste
Silke Kemmerling (l.) mit Kundin
Ob hochwertiges Kostüm für Auftritte, Gruppenkostüm, Hingucker für das private Event oder Last-minute-Idee für Straßenkarneval - Silvia weiß: "Wenn ich mich nicht wohlfühle kann ich nicht strahlen. Und dann kann ich auch nichts ausstrahlen."
Manchmal ist es ein einziges witziges Accessoire, um das herum plötzlich ein ganz neues Kostüm entsteht. Klug kombiniert ergeben sich so echte Unikate. Und Silvia und ihr Team kreieren auch eigene Kostüme.
"Ich probiere jedes Kostüm an oder stecke meine Mitarbeiterin da rein."
Auch ein Kostüm müsse passen und dem Kunden stehen. "Wenn ich drei Oberteile anprobiere und alle sind zu klein, hätte ich auch keine Lust mehr."
Silvia bietet in ihrem Laden auch einen ganz besonderen Service. Hier können Gruppen Termine zum Eventshopping machen. Der WDR hat in Südwestfalen eine Frauengruppe beim Shoppen begleitet - hier geht's zum Film:
Das richtige Karnevalskostüm finden
Lokalzeit Südwestfalen. 04.02.2025. 09:08 Min.. Verfügbar bis 04.02.2027. WDR. Von Christian Albrecht.
Vorsicht vor Billigkostümen aus Fernost
Auch Shopping-Apps wie Temu oder Shein bieten derzeit massiv billige Kostüme an. "Bei billigen Importprodukten, die direkt von Händlern aus China gekauft werden, ist aber unklar, ob sie Schadstoffe enthalten, die in Europa als gesundheitsgefährdend verboten sind", warnt Diplom-Chemikerin Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale.
Ein starker Geruch nach Kunststoff oder Chemie sei oft ein Zeichen für enthaltene Lösemittel oder andere Schadstoffe in Plastikteilen und Stoffen. Tipp: Einfach mal den Schnüffeltest machen!
Was ist bei Kostümen verboten?
Wer bei seinem Kostüm eine Fake-Waffe trägt, sollte darauf achten, dass diese auch erkennbar unecht aussieht. Sieht die Attrappe einer echten Waffe zum Verwechseln ähnlich, dann handelt es sich um eine sogenannte Anscheinswaffe - das kann laut Bußgeldkatalog teuer werden, mit Bußgeldern bis zu 10.000 Euro.
Wer Karneval als Feuerwehrmann oder Polizist verkleidet unterwegs ist, sollte ebenfalls darauf achten, dass die Uniform nicht zu echt wirkt. Kann man das Kostüm nicht von einer echten Dienstbekleidung unterscheiden, handelt es sich um ein verbotenes Kostüm.
Symbole, die in Deutschland verboten sind, sind natürlich auch an Karneval nicht erlaubt - bestimmte rechtsextreme Symbole, Codes und Abkürzungen sind beispielsweise verboten.
Karnevalskostüm leihen
Hat einen Kostümverleih in Löhne: Claudia Dreier
Kostüme kann man aber auch einfach ausleihen - nicht nur in den Karnevalshochburgen. Im Kostümverleih Klimbim in Löhne hängen allein 3.000 Kostüme. "Die gute Laune geht hier gleich körbeweise über die Ladentheke", sagt Inhaberin Claudia Dreier. Sie und ihr Team setzen auf Nachhaltigkeit und haben sämtliche Genres im Angebot. Billigware aus Fernost findet sich hier eher selten.
Läuft ein Kostüm mal nicht mehr so gut, legen Claudia und ihre Kolleginnen auch selbst Hand an. "Dann wird ein Kleid auch schnell mal umgenäht und aufgemotzt. Und schon ist es ein ganz anderes Outfit."
Kostümtrends 2026: Glitzer und Kinohelden
Besonders gefragt sind in diesem Jahr Themen wie lustige Tierverkleidungen, märchenhafte Figuren, Party-Outfits sowie kreative Gruppen- und Partnerlooks.
"Der Fluch-der-Karibik-Hut ist der meistverkaufte Hut bei mir."
Was immer geht: Retro-Kostüme aus verschiedenen Jahrzehnten. Im Kostümverleih Löhne sind gerade die 20er Jahre besonders gefragt. "Vielleicht will man sich damit einfach mal aus der jetzigen Zeit herausnehmen", vermutet Claudia Dreier. Das komplette 20er-Jahre-Outfit als Leihgabe gibt es hier schon ab 25 Euro.
"Schick und schräg ist im Trend" Claudia Dreier, Kostümverleih Kimbim
Extravagant oder praktisch? Kalt oder warm? Regensicher?
Gruppenkostüme sind gefragt
Und es ist eben ein Unterschied ob der Jeck im Eisbärkostüm stundenlang am kalten Straßenrand steht und dem Karnevalszug zusieht oder in der geheizten Kneipe mit 100 anderen dicht gedrängt schunkelt.
Karnevalskostüm gebraucht kaufen
Kreativ und dazu ebenfalls nachhaltig sind Jecken, die ihre Kostüme einfach im Freundeskreis weitergeben, sie komplett aus dem eigenen Fundus entwerfen oder auf Secondhandbörsen ein Schnäppchen machen.
Nicht nur im Rheinland auch in Ostwestfalen oder im Münsterland gibt es jedes Jahr ganz besondere Flohmärkte rund um Karneval - zum Beispiel in Rietberg oder in Beckum.
Besondere Kostüme beim Kostümalarm in Köln
Für ausgefallene Unikate, handgemachte Designerstücke oder hübsche Accessoires lonht sich vielleicht ein Besuch beim diesjährigen "Kostümalarm" am 2. Februar 2026 in Köln. Hier präsentieren Aussteller Kreatives und Schräges.
Karnevalskostüme selber nähen
Narrenkappen im Salon Fadenschein
Wer sich nicht selbst zutraut, ein Kostüm zu schneidern, kann Hilfe bei Profis finden. Es gibt in NRW etliche Nähstuben, kreative Treffs oder Ateliers, die das anbieten - so wie zum Beispiel der Kölner Salon Fadenschein, eine Näh- und Handarbeitsschule. Der hat nicht nur kostenlose Anleitungen mit Schnittmuster für Narrenkappen im Angebot, dort können Interessierte vor Ort auch unter Anleitung nähen. Bei den so genannten "Nähpartys oder offenen Nähtreffs" kann man gleich mit Freundinnen kommen und ein Gruppenkostüm nähen. Für Anfänger ist ein ganzes Kostüm etwas ambitioniert aber eine Narrenkappe kriegt jeder hin", sagt Salonbesitzerin Stefanie Walter.
"Eine Narrenkappe kriegen auch Anfänger hin." Stefanie Walter, Salan Fadenschein
Manchmal reicht etwas Schminke und ein Stück Stoff. Insirationen oder kurze DIY-Anleitungen zum Selbernähen finden sich jede Menge bei YouTube oder auf Pinterest.
Alte Schätzchen frisch aufpimpen
Wie man seine Röcke, Blusen oder Jacken karnevalistisch aufpeppen kann, statt sie nie wieder zu tragen - das weiß die Kölner Manufaktur "Jeck Jewand". Hier werden mitgebrachte Kleidungsstücke nach Kundenwunsch zum Unikat veredelt, statt in die Tonne zu wandern.
Last-Minute-Kostüme - unter 20 Euro
Spontan entschlossen doch noch Karneval zu feiern - aber kein Kostüm zur Hand? Kein Problem: Mit ein paar schnellen Handgriffen, selbstgemachten Stempeln oder auch Haushaltsutensilien entstehen echte Ruck-Zuck-Kostüme. Anregungen findet ihr zum Beispiel im wdrjeck-Instagram-Kanal.
Verkleidungen für Kurzentschlossene müssen nicht teuer sein. Wer im 80-Jahre-Look zur Party will, bekommt passende Utensilien dafür schon für 15 Euro: "Ein Netzshirt gibt es bei uns schon für 7 Euro, eine bunte Perücke für 5 Euro und das bunte 80er-Sonnenkäppi schon für 3 Euro", sagt Silvia Kemmerling. Auch Claudia Dreier vom Kostümverleih in Löhne hat immer gute Ideen für Kostüme auf den letzten Drücker. Manchmal reiche ein Glitzeroberteil, Leggins und eine witzige Brille oder eine Melone, ein Anzug und ein weiß geschminktes Gesicht, um bestens kostümiert Karneval zu feiern.
"Einen Tüllrock kann man zur Not auch einfach in viele Falten legen und auf ein Schleifenband tackern, wenn man nicht nähen kann", schlägt Stefanie Walter vom Kölner Salon Fadenschein vor. Und ein alter Hut lasse sich mit viel Krimskrams schnell zu einer jecken Kopfbedeckung machen. Was man dran hängen oder aufkleben könnte? "Gucken Sie einfach mal in die Spielkisten Ihrer Kinder."
Das Kostüm in der Überraschungsbox
Und wer keine Idee hat und sich einfach einmal komplett überraschen lassen will, für den hat das Klimbim-Kostümverleih-Team sogar neuerdings Mystery-Boxen im Angebot. Da weiß der Kunde allerdings vorher nicht, was er für 10 Euro gekauft hat.
"Da macht man die Kiste auf und es ist eine Überraschung drin." Claudia Dreier
Unsere Quellen:
- Interview mit Silvia Kemmerling von Kemmiskramkiste
- Interview mit Claudia Dreier vom Klimbim Kostümverleih
- Interview mit Stefanie Walter vom Salon Fadenschein
- Verbraucherzentrale: Tipps fürs Karnevalskostüm
- Stadt Köln: Termine Karnevalsflohmärkte
- Kostümalarm: Aussteller-Markt für Karnevalssfans
- Jeckjewand Manufaktur für Kostüme '
Sendung: WDR.de, Tipps für Karnevalskostüme, 20.01.2026, 12:11 Uhr