Die Wasserski-Anlage in Langenfeld wird 50

Lokalzeit Bergisches Land 18.05.2026 11:16 Min. Verfügbar bis 18.05.2028 WDR Von Manuela Klüppel

50 Jahre Wasserski Langenfeld Wo Wakeboarden neu erfunden wurde

Stand:

Wasserski Langenfeld wird dieses Jahr 50 Jahre. Ohne diesen Ort in NRW, wäre die Geschichte des Wakeboardens in Deutschland und auch auf der ganzen Welt anders verlaufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Geschichte von Wasserski Langenfeld beginnt 1976 auf ausgekiesten Seen - und mit einem außergewöhnlich heißen Sommer
  • Langenfeld gilt heute als das größte Wasserski- und Wakeboard-Zentrum der Welt - die Entwicklung des Sports wurde hier maßgeblich geprägt
  • Für den 21. Juni lädt Wasserski Langenfeld zum Seefest ein. Dann ist Wasserski fahren, Wakeboarden und Surfen von 12 bis 22 Uhr gratis.

Die Stadt Langenfeld im Rheinland. Eigentlich ist es hier nicht besonders hip. 60.000 Menschen leben hier. Es gibt viele Reihenhäuser, Schulen, eine Stadtmitte zum Einkaufen. Viele, die hier leben, pendeln zum Arbeiten in die umliegenden Städte. Wer etwas erleben will, fährt auch meist nach Köln oder Düsseldorf. Es sei denn es geht um Wassersport. Genauer gesagt ums Wakeboarden. Dann gilt Langenfeld als einer der angesagtesten Orte auf der ganzen Welt — und ist weltweit bekannt.

Es geht sogar noch weiter. Wer als Wakeboarder durch die Welt reist und sagt, er kommt aus Langenfeld, bekommt dafür Respekt. In Orlando, Brisbane oder Palm Beach kennen sie den Ort. Tony Finn, Kalifornier und Gründer einer der weltgrößten Wakeboardmarken, sagte mal zu Florian Süß vom Wassersportzentrum in Langenfeld:

"Wakeboarden ist hier bei euch am größten. Nirgendwo auf der Welt fahren so viele Menschen Wakeboard wie bei euch." Tony Finn, Miterfinder des Wakeboardens in den USA

In Florida gebe es viele Boote, aber nur auf riesigen Seen, und jeder fahre mal am Wochenende raus. "In Langenfeld fahren die Leute tagtäglich — und so viele auf einmal."

Wakeboard-Pionier Florians Süß erklärt, warum Wakeboarden in Langenfeld so groß ist

WDR 00:35 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Vier Seilbahnen fahren in Langenfeld im Kreis, dazu zwei Übungslifte zum Geradeausfahren. Etwa 400.000 Besucher kommen pro Jahr auf das Gelände, natürlich geht nicht jeder davon aufs Wasser. Manche kommen nur zum Zuschauen oder zum Baden. Außerdem gibt es eine Surfwelle und eine Skateboardrampe. Etwa Hunderttausend Menschen sind es laut Betreiber, die hier pro Jahr aufs Wakeboard oder als Anfänger im ersten Schritt erst mal auf die Wasserski steigen.

Das Wassersportzentrum Wasserski Langenfeld aus der Luft

Das Wassersportzentrum Wasserski Langenfeld aus der Luft

Wie funktioniert eine Wasserski-Seilbahn?

Von der Wasserski-Seilbahn werden die Sportler wie bei einem Skilift gezogen. Nur eben nicht einen Berg hoch, sondern im Kreis übers Wasser. Der Antrieb ist elektrisch. Bis zu zehn Leute können so gleichzeitig fahren. Gestartet wird in einem kleinen Häuschen, die Leine wird eingeharkt — und los geht's. Mit 30 km/h gleitet man übers Wasser.

Der Unterschied zwischen Wasserski und Wakeboard übrigens: Beim Wasserski fahren die Sportler frontal mit zwei Skiern, beim Wakeboard seitlich auf einem Board. Wakeboarden gilt auch als Snowboarden oder Skateboard auf dem Wasser — mit Drehungen, Grabs und spektakulären Sprüngen.

Diesen Sommer feiert das Wassersportzentrum in Langenfeld seinen 50. Geburtstag. Das ist mehr als ein lokales Jubiläum: Es ist auch die Geschichte von einem ausgekiesten See, einer Familie und einem Sport, der sich neu erfunden hat.

Eine Wasserski-Anlage für den ausgebaggerten Kiessee

Helene und Sohn Wilhelm Süß neben einem Kiesbagger in Langenfeld im Jahr 1953

Helene und Sohn Wilhelm Süß neben einem Kiesbagger im Jahr 1953

Es war Anfang/Mitte der 1970er Jahre, als sich Familie Süß fragte: Was tun mit diesen Wasserflächen? Die Seen bei Langenfeld waren über Jahrzehnte ausgekiest worden – das Material hatte teils dazu gedient, die Autobahn 59 zwischen Leverkusen und dem Düsseldorfer Süden zu bauen.

Eine Wasserskiläuferin steht auf der Startrampe

Wasserski fahren in Langenfeld in der Anfangzeit

Vater Wilhelm Süß und seine vier Söhne hatten von Wasserski-Seilbahnen gehört. "Irgendwo in Süddeutschland gab es schon welche." Sie fuhren hin, schauten sich das an und dachten: "Das ist es." Zwischen zwei Baggerlöchern wurde ein Weg weggebaggert – eine Insel blieb stehen. Um die herum wurde die erste Seilbahn gebaut. 1976 ging Wasserski Langenfeld, wie es in der Szene heißt, an den Start — die erste Wasserski-Seilbahn in NRW war eröffnet.

Wochenlang 30 Grad und kaum Regen

"Der Sommer 1976 war ein außergewöhnlich heißer Sommer." Johannes Süß, Seilbahnbetreiber

Wochenlang sei es über 30 Grad gewesen, kaum Regen, eine Hitzewelle, die ganz Europa erfasst hatte. In der Erinnerung der Familie war es ein endloser Sommer. Über die Jahrzehnte haben sie hier viele besondere Sommer erlebt. Einen Film über diesen Ort haben sie deshalb Forever Summer genannt.

50 Jahre Wasserski Langenfeld - "Geschichte geschrieben"

Johannes Süß hat sich heute weitgehend aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen. Seine Söhne Benjamin und Florian führen die Seilbahnen. Der Vater zieht Resümee: "In den letzten Jahren, in denen wir über diese 50 Jahre nachgedacht haben, da merkt man erst, dass man eben nicht mehr von Tag zu Tag gelebt hat, sondern dass man schon eine gewisse Geschichte geschrieben hat."

Seilbahnbetreiber Johannes Süß: "Wir haben Geschichte geschrieben"

WDR 00:44 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Die Erfindung, die alles ermöglichte

Um zu verstehen, warum der Sport in Deutschland an Seilbahnen so groß ist, muss man wissen, dass diese Seilbahnen in Deutschland erfunden wurden — von Bruno Rixen, einem Maschinenbauingenieur aus Bayern, der in den Niederlanden zum ersten Mal Wasserski fuhr und danach nicht mehr loslassen konnte. Er wollte den Sport für alle zugänglich machen, nicht nur für die, die sich ein Boot leisten konnten. Also baute er 1966 die erste Seilbahn – und meldete 37 Patente an. Heute gibt es über 500 Rixen-Anlagen weltweit, und Rixen ist längst nicht mehr der einzige Anbieter, der solche Seilbahnen baut.

Wakeboarden in der Nähe: Die Wasserski-Seilbahnen in NRW

In Deutschland gibt es Anlagen an etwa 80 Standorten — mehr als in jedem anderen Land. Und: "Die Wakepark-Dichte ist weltweit nirgends so hoch wie in Nordrhein-Westfalen", so die Arbeitsgemeinschaft der Wasserski-Seilbahnen. Insgesamt 15 Standorte sind es in NRW. In der Regel gibt es eine Seilbahn pro Standort, manchmal sind es zwei.

Vier Wasserski-Anlagen wie in Langenfeld ist einmalig auf der Welt. "Nach und nach wurden weitere Seeflächen ausgekiest und dazugekauft. Erst in diesem Jahr ist die Wasserfläche auf fast 50 Hektar angewachsen", sagt Johannes Süß.

Die Geschichte des Wakeboardens in Deutschland: Einfluss weltweit

Während Wasserski fahren und Wakeboarden in den USA und in Australien vor allem hinter dem Boot populär ist, ist es das in Deutschland vor allem an Seilbahnen. Das glich anfangs einer Revolution. Der Name Wakeboard leitet sich vom englischen Wake, also der Heckwelle, ab. Es war diese Welle, die Surfer an Tagen abritten, wenn es auf dem Ozean keine Wellen gab.

So entstand in den 1980er Jahren ein neuer Sport. Das erste Brett, ein sogenannter Skurfer, entwickelt von Tony Finn, sah noch aus wie ein kleines Surfboard. Erst in den 1990er Jahren kamen Boards mit festen Bindungen auf den Markt, die den heutigen ähnlich sehen. Die Sportler nutzten die Welle jetzt auch, um sich in die Luft zu katapultieren und Tricks zu machen. Wakeboarden ohne Welle - das galt als undenkbar.

Als Ende der Neunzigerjahre die ersten Wakeboards aus den USA nach Deutschland und damit auch nach Langenfeld kamen, war da aber keine Heckwelle — hinter einer Seilbahn hatte der Sport vermeintlich keine Berechtigung. Er musste noch mal neu erfunden werden.

Rampen und Rails und eine neue Technik als Ersatz für die Heckwelle

Zum einen war eine andere Technik nötig, um sich in die Luft zu katapultieren und zum anderen waren die Langenfelder erfinderisch: Sie setzten Rampen und Rails ins Wasser und nutzten sie für ihre Tricks. Eine zweite Szene etablierte sich. Seitdem gibt es Wakeboarden hinterm Boot und an einer Seilbahn. Jede Szene hat ihre eigenen nationalen und internationalen Wettkämpfe. Rampen und Rails allerdings sind heute auch am Boot etabliert.

Weil in Langenfeld so viele Menschen Wakeboard fuhren, verlief hier die Entwicklung besonders rasant. Langenfelder Sportler nahmen an der ersten Deutschen Meisterschaft an einer Seilbahn 1997 in Berlin teil, an Europameisterschaften und Weltmeisterschaften und holten so manche Medaille. Auch die erste Europameisterschaft an einer Seilbahn fand Anfang der 2000er Jahre in Langenfeld statt.

Benjamin Süß, der damals auch in der Nationalmannschaft war und an dem Wettbewerb teilnahm, erinnert sich, wie unbekannt dieser Sport damals war. Wenn er an der Uni seinen Kommilitonen erzählte, "Ich fahre Wakeboard", dann sagten die: "Was ist das?“ Wenn er heute Leuten erzähle, dass er Wakeboard fährt, dann sei die Frage: "Wo denn?“ Der Sport sei so groß geworden, dass er inzwischen vielen Menschen ein Begriff sei.

Wakeboard-Pionier Benjamin Süß: "Wir konnten einfach ausprobieren, Spaß haben und kreativ sein"

WDR 00:21 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Benjamin Süß, selbst noch als Wasserskifahrer aufgewachsen, erinnert sich auch noch gut an die Anfangszeit und die ersten Boards:

"Wir konnten einfach ausprobieren, Spaß haben und kreativ sein. Die ersten Wakeboards aber waren noch nicht ausgereift." Benjamin Süß, Wakeboard-Pionier

Zuerst hätten sie auch noch gar nicht gewusst, was sie mit den Boards machen können. "Und dann, als die Boards weiterentwickelt wurden und besser wurden, konnten wir auf einmal Tricks machen, die auch richtig Spaß gemacht haben. Dann ging halt die ganze Entwicklung los." Das hatte Folgen für den Wasserskisport, sagt Johannes Süß: "Das klassische Wasserski-Slalom, Springen und Trickski - wurde auf einmal ersetzt durch das Wakeboarden, und zwar komplett. Auf einmal fuhren alle nur noch Wakeboard.“ Das war etwa so um 2010.

Ein Skatepark auf dem Wasser

Wakeboarder rutscht übers Rail beim Wakeboard-Conest in Langenfeld 

Wakeboarder rutscht übers Rail beim Wakeboard-Contest in Langenfeld 

Parallel dazu veränderte sich der See in Langenfeld. Es kamen immer mehr Rampen und Rails im Wasser — Hindernisse, die Wakeboarder so nutzen wie Skateboarder Treppengeländer und Betonkanten im Stadtbild. Heute sind sie über den gesamten See verteilt. An jeder Stelle gibt es etwas, über das man springen oder rutschen kann, für jedes Level etwas Passendes.

Wakeboard-Pionier Florians Süß: "Das ist hier der Skatepark auf dem Wasser"

WDR 00:26 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Das könne man "eins zu eins gleichsetzen — auch mit dem Snowboarden", sagt Florian Süß. "Der Wakeboardsport hat sich in die gesamte Boardsportwelt eingegliedert." Die Lernkurve für Einsteiger sei dabei erstaunlich steil: An der Seilbahn steht man meist schon nach weniger als einer Stunde das erste Mal.

Und dann ist da noch etwas, das man vielleicht so nicht erwartet. "Bei uns stehen Profis und Anfänger zusammen in einer Schlange, drehen gemeinsam ihre Runden. Das ist eine besondere Atmosphäre", sagt Florian Süß. Die Wettkampfszene reiche inzwischen von Sechsjährigen bis zu den Masters.

Am 21. Juni ist in Langenfeld Wasserski fahren und Wakeboarden gratis

Der 50. Geburtstag wird am 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende, mit einem Seefest gefeiert. Gezeigt wird auch "Forever Summer", ein Film, der die Geschichte von Wasserski Langenfeld erzählt - und damit auch die Geschichte des Wakeboardens in Deutschland. Der Film läuft um 13 und um 16 Uhr.

Am Festtag ist Wasserski fahren, Wakeboarden und Surfen für gratis, und auch das Leihmaterial. Wer mitmachen will, braucht nur Badesachen. Für Anfänger werden Schnupperkurse angeboten. Abends gibt es Livemusik.

Zur Autorin: Sabine Schmitt gewann die erste Deutsche Wakeboard-Meisterschaft an einer Seilbahn, mehrere Europameisterschaften und die erste inoffizielle WM 1999 in Orlando – und war damit selbst Teil der Geschichte, die sie hier erzählt.

50 Jahre Wasserski Langenfeld: Am 21. Juni ist Wasserski fahren und Wakeboarden gratis

WDR 15.05.2026 00:29 Min. Verfügbar bis 14.05.2028 WDR Online

Download

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Benjamin, Florian und Johannes Süß
  • Website: Wasserski Langenfeld
  • Infos zum Seefest von Wasserski Langenfeld bei Instagramm
  • Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) – "Deutschland ist Spitzenreiter beim Snowboarden auf dem Wasser"
  • Website: International Cableway Association/ Arbeitsgemeinschaft der Wasserski-Seilbahnen
  • Website: Rixen Wasserskiseilbahnen
  • Deutscher Wetterdienst (DWD)

Sendung: WDR.de, 50 Jahre Wasserski Langenfeld, 15.05.2026, 13:02 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land18.05.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge mit Ausflugstipps für NRW

1 / 2