Lebensechte Modelle von Tieren in der Eiszeit

Lebensechte Modelle von Tieren in der Eiszeit

Eiszeit im Ruhrmuseum: Exklusiver Einblick in die neue Ausstellung

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Das Ruhrmseum in Essen zeigt vergessene Welten in NRW. Wenige Tage vor dem Start durften wir schonmal in die Ausstellung schauen.

Die letzten Handgriffe für die Sonderausstellung im Ruhrmuseum auf der Zeche Zollverein in Essen sitzen. Damit Besucher in die vergessene Welt der Eiszeit eintauchen können, wurde eine 12-Meter-Ebene in eine vielfältige Landschaft des Eiszeitalters verwandelt.

Neue Erkenntnisse über die Eiszeit

Vor zweieinhalb Millionen Jahren bedeckt eine riesengroße Eisdecke das Ruhrgebiet und weitere Teile von Europa. Das Eis ist so dicht, dass man vom Ruhrgebiet nach England rüberlaufen könnte. Kein Platz für Leben? "Nein", sagt Dietmar Osses, der Chef des Ruhrmuseums.

Die Eiszeit war nicht so wie bei Ice Age

Museums-Chef Dietmar Osses vor einem Bison

Museums-Chef Dietmar Osses mit dem Nachbau eines Bisons

"Für uns ist wichtig, dass wir uns ein bisschen vom alten Bild der Eiszeit lösen, das man beim Film Ice Age vermittelt bekommt, wo irgendwelche Mammuts über kahle Eisflächen tapern", sagt Osses. Denn Mammuts haben mehrere Kilo Gras am Tag gefressen. Das bedeutet, es muss auch wärmere Phasen in der Eiszeit gegeben haben, wo Gras und Pflanzen gewachsen sind.

Und diese Pflanzen könnte auch das so genannte "Mammut von Essen" gefressen haben. Es war der Sensationsfund im April 2022 in Essen. Da hatten Bauarbeiter einen gut 70 Zentimeter langen Stoßzahn eines Wollhaar-Mammuts gefunden.

Stoßzahn lag zwischen Bauschutt

Hans Martin Weber mit dem Stosszahn des Mammuts

Hans Martin Weber mit dem Stosszahn des Mammuts

"Der lag zwischen Bauschutt auf einem LKW und sollte abtransportiert werden. Im letzten Moment hat ein Bauarbeiter den Stoßzahn entdeckt und den Bodendenkmalpfleger angerufen", erzählt Hans-Martin Weber. Er ist der Leiter der geowissenschaftlichen und naturkundlichen Sammlung im Ruhrmuseum und wird auch hinzugezogen.

Nagespuren sind besonderer Nachweis

Dem Paläntologen ist schnell klar, dass es sich um etwas ganz Besonderes handelt. Denn an dem vermutlich 44.000 Jahre alten Stoßzahn findet er Spuren, die auf ein großes Nagetier hindeuten. "Es handelt sich eindeutig um ein Stachelschwein. Die verbindet man eher mit Afrika und Asien. Es ist der erste Nachweis, dass Stachelschweine im Ruhrgebiet gelebt haben", sagt Weber.

Lebensechte Modelle von Tieren

Tiere aus der Eiszeit im Ruhrgebiet

Auch Löwen lebten im Ruhrgebiet

Natürlich ist der Stoßzahn des Wollhaar-Mammuts ein zentrales Element der Ausstellung "Überleben in der Eiszeit". Neben Knochen, Skeletten und Fossilien versucht das Ruhrmuseum die Eiszeit aber richtig erlebbar zu machen. Zentrales Element sind Dermoplastiken, also lebensechte Modelle von Tieren, die früher im Ruhrgebiet gelebt haben.

Löwen haben im Ruhrgebiet gelebt

Und da beginnt das Staunen: Denn neben Mammuts haben auch Flusspferde, Hyänen, Bisons und sogar Löwen im Ruhrgebiet gelebt. "Eiszeit ist nicht nur superkalt, sondern es gibt zwischendurch auch Warmzeiten", erklärt Dietmar Osses. Und genau das sei Thema der Landesausstellung: wie passen sich Tiere und Menschen an wechselnde Klimaverhältnisse an.

Neandertaler auch zu sehen

Arbeiter bauen den Neandertaler im Ruhrmuseum auf

Maßarbeit: der Aufbau des Neandertalers im Ruhrmuseum

Natürlich haben auch Menschen in der Eiszeit gelebt, das wird durch ein Abbild eines Neandertalers dokumentiert, einem Vorfahren des Menschen. Seine Überreste wurden gleich nebenan im Neandertal bei Düsseldorf gefunden. Auch gefundene Werkzeuge, Pfeilspitzen oder Klingen sind in der Schau im Ruhrmuseum zu sehen.

In einem gesonderten, ruhigeren Bereich auf der 12-Meter-Ebene der Kohlenwäsche können Besucher eine Animation bestaunen: ein Rundflug über das Ruhrtal in der Eiszeit. "So kann man sich wirklich mal vorstellen, wie es hier ausgesehen hat. Und das alles auf wissenschaftlicher Basis", erklärt der Leiter des Ruhrmuseums.

Auch nachdenkliche Töne

Die Ausstellung über die Eiszeit in NRW will den Besucher aber auch nachdenklich machen. Denn eigentlich müsste es aktuell wieder eine kältere Phase geben, wenn man den wissenschaftlichen Zyklen folgt. Doch der menschgemachte CO2 Ausstoß scheint das zu verhindern. Es ist global wärmer geworden.

Das könnte zur Folge haben, dass bestimmte Tierarten bald aussterben. So wie das Mammut von Essen, das Wollhaar-Mammut. Es fiel dem Klimawandel und auch der Bejagung durch den Menschen zum Opfer.

Vergessene Welten: Das Mammut in Essen

WDR 5 Westblick - aktuell 07.04.2026 04:00 Min. Verfügbar bis 07.04.2027 WDR 5

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Ruhrmuseum Teil einer landesweiten Sonderausstellung

Die Ausstellung "Überleben in der Eiszeit" startet am 20. April und ist bis Januar 2027 geplant. Die vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung geförderte Sonderausstellung ist Teil einer landesweiten Paläontologischen Ausstellung. Ab Juli geht es im LWL-Museum für Naturkunde in Münster um Dinos & Co. und ab September im Lippischen Landesmuseum Detmold dann um Bewohner des Urmeers.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort im Ruhrmuseum
  • Gespräch mit Dietmar Osses, Chef des Ruhrmuseums
  • Gespräch mit Hans-Martin Weber, Kurator

Sendung: WDR 5, Westblick, 07.04.2026, 17:00 Uhr

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