Auf den Spuren der alten Seidenweber in Krefeld
03:49 Min.. Verfügbar bis 22.06.2028.
Ein geheimnisvolles Surren. Buntes Licht, das sich im Wasser spiegelt. Und riesige Zahnräder, die sich wie von Zauberhand drehen. Wer das historische Klärwerk in Krefeld-Uerdingen betritt, steht nicht in einer staubigen Ruine, sondern fühlt sich eher wie in einer alten Kirche. Für den kleinen Jonas und seine Schwester Anna ist der Ausflug in das rund 120 Jahre alte Jugendstil-Gebäude ein riesiges Abenteuer.
"Ich finde es hier so toll und es dreht sich ganz viel." Jonas Kühr
Jonas setzt fasziniert eine der Kurbeln in Bewegung. Die alte Klärhalle mit ihren beeindruckenden Betonbögen und tiefen Becken ist aktuell die Kulisse für die interaktive Ausstellung "Von Höhen und Tiefen". Hier wird Industriegeschichte für Kinder spielerisch begreifbar.
Technik spielerisch entdecken
Die kinetischen Kunstmaschinen von Willi Reiche und die geheimnisvollen Klänge von Nils Mosh füllen den Raum mit Leben. Überall knarzt und glänzt es, untermalt von einer magischen Geräuschkulisse aus fließendem Wasser und pumpenden Maschinen. Anfassen und Mitmachen ist an den interaktiven Stationen ausdrücklich erwünscht, was die Vergangenheit greifbar machen soll.
Mal was anderes als Lego.
Für Vater Martin Kühr ist die spektakuläre Kulisse genau das Richtige für einen Familienausflug: "Wir sind technisch sehr interessiert und hier kann man das prima verbinden." Auch Oma Regina genießt den Tag sichtlich. Ihr gefällt die spektakuläre Art, den Enkeln ein Stück Kultur nahezubringen, ohne dass diese nur "langweilige Bilder anschauen müssen."
Auf den Spuren der Seidenweber
Nach dem Erlebnis im Uerdinger Klärwerk führt die Spurensuche nur zwanzig Minuten weiter ins Krefelder Stadtzentrum. Im Haus der Seidenkultur wartet ein ganz anderer, aber genauso faszinierender Einblick in die Vergangenheit. Ein rhythmisches Klackern empfängt die Besucher, sobald sie den original erhaltenen Websaal betreten.
Manfred Weisters ist gelernter Weber. Hier arbeitet er ehrenamtlich.
Hier zeigt Experte Manfred Weisters an den riesigen Jacquard-Webstühlen live, wie früher aus hauchdünnen Fäden edle Stoffe entstanden sind. Das meiste hier ist genauso, wie vor 100 Jahren. Für Vater Martin ist dieser direkte Bezug unbezahlbar: Es zeigt den Kindern, dass Textilien eben nicht einfach nur fertig aus fernen Fabriken geliefert werden.
Wertschätzung für ein altes Handwerk
Nebenan lässt sich Wilma Ingendae bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Sie ist eine der letzten Handstickerinnen der Region und lässt mit geduldigen Stichen feine Muster entstehen. Anna schaut ganz genau hin und staunt über die filigrane Kunst: "Sehr schöne Muster, aber das ist bestimmt auch richtig schwer."
Anna und Jonas sind fasziniert.
Am Ende des Ausflugs nimmt die Familie nicht nur spannende Eindrücke, sondern auch eine wichtige Botschaft mit nach Hause. Oma Regina hofft, dass die Enkel lernen, den Wert von Kleidung und Handarbeit wieder mehr zu schätzen. Ein gelungener Ausflugstag am Niederrhein, der zeigt: Krefelder Industriekultur ist mitreißend und alles andere als von gestern.
Die Ausstellung im historischen Klärwerk ist noch bis zum 28.06.2026 erlebbar.
Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Haus der Seidenkultur Krefeld
- Verein zum Erhalt des historischen Klärwerks in Krefeld Uerdingen e.V.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 22.06.2026, 19:30 Uhr.