Jule Jander ist einer von vielen verzweifelten Wohnungssuchenden. Seit einem Jahr versucht die 22-Jährige, in Düsseldorf ein neues Zuhause zu finden. Nichts Großes: Zwei Zimmer, bestenfalls um die Tausend Euro. Aber sie findet nichts. Und sie ärgert sich, dass immer mehr Wohnungen nur noch möbliert angeboten werden - und damit teurer als ohne irgendwelche Möbel, die sie weder braucht noch möchte.
Möblierte Wohnungen auf historischem Rekordniveau
Aktuelle Zahlen des renommierten "German Real Estate Index" belegen, dass immer mehr Mietwohnungen möbliert angeboten werden - so viele wie noch nie. Gleichzeitig bricht das Angebot an regulären Mietwohnungen ein. 17 Prozent aller Wohnungsinserate in 37 untersuchten großen deutschen Städten betreffen inzwischen möblierte Wohnungen. Das erschwert die Suche nach den ohnehin knappen Mietwohnungen zusätzlich.
Möblierte Wohnungen: Mieterbund fordert Mietpreisbremse
Hans-Jochem Witzke, NRW-Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes, hält möbliertes Vermieten nicht prinzipiell für schlecht. Aber er ist überzeugt, dass viele, die möbliert vermieten, einen überzogenen Möblierungszuschlag nähmen. Damit können sie die gesetzliche Mietpreisbremse umgehen. Witzke fordert eine genaue Festlegung, was beim Aufschlag für die Möblierung erlaubt ist.
Gesetzesinitiative: Mieterschutz bei möblierten Wohnungen
Genau hier setzt eine Gesetzesinitiative der Bundesjustizministerin an. Konkret geht es darum, den Möblierungszuschlag zu deckeln. Vorgeschlagen werden fünf Prozent der Nettokaltmiete. Außerdem will sie begrenzen, wie lange eine möblierte Wohnung vermietet werden darf. Sie sollen, so heißt es aus dem Justizministerium, eine Übergangs- und keine Dauerlösung sein.
Kritik von Vermietern an Regeln für möblierte Mieten
An der Gesetzesinitiative gibt es aber auch Kritik. Zum Beispiel von Agenturen, die sich auf die Vermietung von möblierten Wohnungen spezialisiert haben. Karin Großmann leitet eine solche Agentur für das Unternehmen Home Company. Ihre Kunden seien Ärztinnen, Wissenschaftler, Projekt-Mitarbeiter, sagt sie. Menschen, die für eine bestimmte Zeit in der Stadt wohnen müssen und nicht im Hotel leben wollen.
Mehr Mieterschutz beim möblierten Mieten
WDR. 22.05.2026. 03:35 Min.. Verfügbar bis 21.05.2028. WDR Online.
Der Vorwurf der Mieter-Abzocke durch Möblierungszuschläge sei überzogen, sagt Karin Großmann. Eine Deckelung des Möblierungszuschlags lehnt sie ab. Denn wie hoch der Zuschlag für die Ausstattung sein sollte, hänge von ihrer Art und Qualität ab. Auch eine zeitliche Begrenzung hält sie nicht für sinnvoll. Manche Projekte, vor allem im Baubereich, dauerten Monate. Da ergäbe eine Wohnzeitbegrenzung zum Beispiel auf sechs Monate keinen Sinn.
Änderungen am Gesetzentwurf möglich
Der Gesetzentwurf zum möblierten Wohnen ist Ende April vom Bundeskabinett beschlossen worden. Die Beratungen und Beschlüsse in Bundestag und Bundesrat stehen allerdings noch aus. Es könnte also sein, dass sich an der geplanten Neuregelung noch einiges ändert.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Jule Jander, Wohnungssuchende in Düsseldorf-
- WDR-Interview mit Hans-Jochem Witzke, Deutscher Mieterbund NRW
- WDR-Interview mit Karin Großmann, Home Company
- Kiel Institut für Weltwirtschaft (GREIX Index)
- Info-Papier des Bundesministeriums der Justiz
Sendung: WDR.de, "Mehr Mieterschutz beim möblierten Mieten", 24.05.2026, 05:03 Uhr