Sollten auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen?

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Das System der gesetzlichen Rente steht unter Druck. Immer weniger Beitragszahler müssen für immer mehr Rentner bezahlen. Eine Forderung, die in der Debatte immer wieder auftaucht: Auch Beamte und Selbstständige sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Doch würde das die Probleme wirklich dauerhaft lösen?

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Von den rund 46 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland zahlen rund 33,4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jeden Monat Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein (Stand 2023). Keine Beiträge zahlen hingegen die rund 1,9 Millionen Beamtinnen und Beamte. Sie erhalten im Alter eine Pension, die aus Steuergeld finanziert wird. Und auch die meisten der rund 3,8 Millionen Selbständigen zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Sie sind oft über berufsständische Versorgungswerke abgesichert oder sorgen privat fürs Alter vor, etwa mit Aktien oder Immobilien.

Das Problem: Weil die Zahl der Rentnerinnen und Rentner steigt und die Zahl der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sinkt, wird der gesetzlichen Rentenversicherung in Zukunft immer mehr Geld fehlen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat deshalb mehrfach gefordert: Auch Beamte, Selbständige und Abgeordnete sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Das sei gerechter und würde die Rentenkasse stabilisieren. "Wir müssen die Einnahmen verbessern", so Bas.

Auch Sozialverband VdK und Rentenversicherung wollen Gruppe der Beitragszahler vergrößern

Unterstützung bekommt die Ministerin vom Sozialverband VdK. Die Vorsitzende Verena Bentele sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei "komplett aus der Zeit gefallen, dass sich Beamtinnen und Beamte der solidarischen Rentenversicherung entziehen." Insbesondere Menschen mit hohen Einkommen müssten stärker in die Finanzierung der Rente einbezogen werden.

Die Deutsche Rentenversicherung begrüßt den Vorschlag, auch Selbständige zu Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung zu verpflichten. "Je größer die Gemeinschaft der Beitragszahler, die das gesamte Einkommensspektrum umfasst, umso mehr lässt sich in einer Sozialversicherung solidarische Umverteilung in der Gesellschaft begründen", sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Beamtenbund kritisiert "Zwangs-Einheitsversicherung"

Deutliche Kritik kam in einer Stellungnahme vom Mai hingegen vom Beamtenbund. Der ehemalige Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach, der im Juni verstorben ist, kritisiert darin eine "Zwangs-Einheitsversicherung" und warnt vor zusätzlichen Kosten. Schließlich müssten die Bruttobezüge der Beamtinnen und Beamten um die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung erhöht werden. "Woher dieses Geld dafür gerade jetzt kommen soll, sagt Frau Bas nicht", sagte Silberbach damals. Andererseits sinken natürlich langfristig die Ausgaben für die staatlich finanzierten Pensionen der Beamten.

Sachverständigenrat: Ausweitung auf Beamte und Selbständige verschiebt das Problem nur

Doch was würde es tatsächlich bringen, wenn auch Beamte und Selbständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen? Zunächst einmal würde die gesetzliche Rentenversicherung von höheren Einnahmen profitieren, wie eine Simulationsrechnung der Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zeigt. Denn: Wenn mehr Menschen für die gleiche Anzahl an Rentnerinnen und Rentnern zahlen, wachsen die Einnahmen und das Rentensystem steht insgesamt besser da. Laut Simulation würden die Beitragssätze für alle Versicherten so erst einmal sinken.

Kevin Kühnert im Morgenecho über die Rente

WDR Studios NRW 28.11.2025 02:28 Min. Verfügbar bis 28.11.2027 WDR Online

Dieser Effekt kippt jedoch, wenn die Beamten und Selbständigen irgendwann selbst in Rente gehen und somit nicht mehr für zusätzliche Einnahmen, sondern für zusätzliche Ausgaben in der gesetzlichen Rentenversicherung sorgen. Laut Sachverständigenrat würden sich die positiven Effekte voraussichtlich ab Mitte der 2070er-Jahre aufheben und die gesetzliche Rentenversicherung stünde vor den gleichen Problemen wie heute.

"Wenn wir zwei Alterssicherungssysteme zusammenführen, die beide nicht ordentlich vorfinanziert sind, dann kommt nirgendwo zusätzliches Geld ins Spiel", sagt Martin Werding, Sozialökonom und Mitglied im Sachverständigenrat. Und er sieht perspektivisch noch ein weiteres Problem: Weil Beamte im Schnitt länger leben als Angestellte, erhalten sie auch mehr Rente und würden die gesetzliche Rentenversicherung so noch länger belasten. Letztendlich würden die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung durch eine Ausweitung auf Beamte und Selbständige also nicht gelöst, sondern nur verschoben.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 28.11.2025, 8 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Matthias Geiger 27.04.2026, 17:21 Uhr

    Ja, ich bekomme u.a. eine kleine Schweizer Rente. Die Schweiz, Österreich zeigen dass eine Rentenkasse für Angestellte, Beamte, Politiker und Selbständige möglich ist. Die ganzen Versorgungswerke für Ärzte, Apotheker, Steuerberater usw. bremsen das System aus. Die oben genannten Systeme sind effektiver und gerechter. Leider diskutieren überwiegend Beamte, Pensionäre hier federführend mit. Die haben natürlich kein Interesse dies zu ändern.

  • Theo 21.04.2026, 16:07 Uhr

    Ich verstehe nicht warum Beamte nicht in die Rente Kasse einzahlen. Und auch Abgeordnete.,die verdienen soviel und können sich auch locker eine sehr gute private Rentenversicherung leisten. Ich selbst habe seit 79 einbezahlt. Und bekomme noch 10,8% von der Erwerbsminderungsrente abgezogen, weil ich noch keine 65 bin. 1565€ das ist alles. Miete, Kfz, Versicherungen, Strom, Telefon. Bleiben gerade 500€ und Kraftstoff geht auch noch ab. ZU WENIG ZUM LEBEN UND ZU VIEL ZUM STERBEN. Wenn man stirbt und keiner mehr da ist, brauch man sich wenigstens keine Sorgen machen wegen den Beerdigungskosten. Man ist ja tod und von Toten bekommt man kein Geld.

  • Odile Maier 21.04.2026, 07:55 Uhr

    Es wäre an der Zeit, dass die Beamten in die Rentenkasse einzahlen,Es kann nicht sein,dass die Beitragszahler/innen ,dass die Steuerzahler für die Pensionen der Beamten zahlen un d ihre Rente immer geringer wird. Regierungsbeamte und Polizei und Geheimnisträgersind ausgenommen.Da soll die Regierung endlich rangieren!!! MfG .