Süß und trotzdem gesund: Die Erdbeer-Saison ist eröffnet
WDR. 02:39 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028. Von Andrea Hansen.
Das Wichtigste zum Start der Erdbeerernte
- Preis für heimische Erdbeeren bleibt gleich
- Selberpflücken ist teils auch schon möglich
- Neuer Trend: Pflücken ohne Bücken
- Gute Qualität durch viel Sonne und Wetterschutz
"Wo soll ich die Erdbeerpflanzen abladen?", ruft ein Mann mit klar erkennbarem niederländischem Akzent ins Pressegespräch, das auf dem Bauernhof am Rande Münsters gerade stattfindet. Nachschub fürs Feld.
Landwirt Burkhard Lütke Laxen, dem der Hof gehört, sagt ihm kurz, wo es lang geht. Er baut seit über 20 Jahren auf hundert Hektar ökologisch Spargel und Erdbeeren an.
Auf die kommende Saison blickt er zuversichtlich: "Die Pflanzen haben keine Frostschäden abbekommen." Das lässt ihn auf eine gute Ernte hoffen.
Land-Wirtschaftsfaktor Erdbeere
Sympathieträgerin Erdbeere: Da kommt sogar die Ministerin zum Saisonstart!
Nordrhein-Westfalen ist hinter Niedersachsen und Baden-Württemberg das drittgrößte Erdbeeranbauland. Grund genug für Landwirstschaftsministerin Silke Gorißen zum offiziellen Saisonstart rund 170 Kilometer von Münster auf dem Obsthof Fruhen in Tönisvorst die Saison offiziell zu eröffnen.
300 Betriebe mit etwas über 2.000 Hektar Fläche auf den Erdbeeren wachsen, hat NRW. Sie ist die Lieblingsbeere der Deutschen. Beim Erntestart anderer Ackerfrüchte ist Ministerin Gorißen meist nicht dabei.
"Die Erdbeere steht für den Frühlingsstart, den Sommer, für gute Laune, sie ist ein Hochgenuss und da ist es doch schön, sagen zu können: Es geht wieder los!" Silke Gorißen, NRW-Landwirtschaftsministerin
Erdbeeren werden nicht gerne nass
Zurück nach Münster auf den Hof Lütke Laxen: Hier wachsen die Beeren überdacht im Tunnel, aber auf dem Boden. Bio-Beeren müssen in der Erde wachsen, aber überdachen darf man sie. Zumindest außerhalb von Landschaftsschutzgebieten.
Die Tunnel bieten den Landwirten viele Vorteile: Ihre Ernte-Teams arbeiten bei Regen im Trockenen. Und die Beeren werden auch nicht nass. Sie mögen zwar feuchten Boden, aber Wasser von oben führt schnell mal zu Ausschuss von 20 bis 30 Prozent.
Und: Man kann Nützlinge wie die Raubmilbe gegen Schädlinge einsetzen, die sich ohne Dach schnell verflüchtigen würden.
Freilandbeeren sind heutzutage meist selbstgepflückt
Auf dem Hof Spielbrink wird seit letztem Jahr selbstgepflückt. Dafür muss man sich bücken, und auch ein Regendach gibt es nicht. Selbst gepflückt mit Retro-Feeling, denn dabei finden sich die meisten Freilandbeeren.
2026 startete die Selbstpflücker-Saison so früh wie noch nie - etwa bei Landwirt Robert Bossmann mit seinen Feldern zwischen Langenfeld und Monheim.
Und die Freilanderdbeeren sind nicht nur früh, sondern auch günstig. Während vieles teurer wird, bleibt der Erdbeerpreis bei Bossmann stabil bei 7 Euro für das selbst gepflückte Kilo.
Pflücken ohne Bücken: Erdbeer-Hochbeete für Profis
Mit der Erdbeere auf Augenhöhe: Das gefällt Profis und Freizeitpflückern.
Wer sich nicht bücken mag, hat zwei Möglichkeiten: Mehr bezahlen (nämlich zwischen 13 und 14 Euro pro Kilo) oder nach Höfen mit sogenanntem Stellage-Anbau suchen.
Bei Stephan Bäcker im Norden Münsters kommen Erntehelfer und Selbstpflücker in den Genuss, Erdbeeren auf Augenhöhe zu begegnen. Für ihn hat diese Art des Anbaus mehrere Vorteile.
"Die Arbeiter können im Stehen ernten. Es ist für jedes Alter so angenehmer zu pflücken." Stephan Bäcker, Landwirt aus Münster
Durch den Stellage-Anbau muss er keinem Mitarbeiter mehr absagen. Und die Selbstpflücker kommen bei ihm auch in den Genuss, im Stehen zu ernten.
Bequemlichkeit first, Preisbewusstsein second
Das kommt dem Wunsch vieler nach Bequemlichkeit entgegen - Selbstpflücken ist heute eher ein Event für Familien und nur für wenige eine günstigere Art, an Erdbeeren zu kommen.
Während beim Spargel die Fläche zurückgegangen ist in NRW, bleibt die Erdbeeranbaufläche gleich. Die Erdbeerbauern aus Münster haben auch keine Probleme bei der Fachkräftesuche.
Es sei immer noch für viele Menschen aus Rumänien attraktiv, in der deutschen Landwirtschaft zu arbeiten, sagt Burkhard Lütke Laxen: "Wir haben mehr Bewerbungen als Arbeitsstellen."
Lieber Direktvermarktung als Lebensmitteleinzelhandel
Erdbeeren gehen immer - in jeder Form - auch als Kuchen.
Verkauft werden die Erdbeeren aus NRW im Lebensmitteleinzelhandel, über Direktvermarktung in Hofläden oder auf Wochenmärkten und an den beliebten Ständen am Straßenrand.
Der Lebensmitteleinzelhandel ist bei manchen wegen des Preisdrucks der am wenigsten attraktive Vertriebsweg. Für große Betriebe passt es, durch die Masse. Kleinere brauchen eher stabile und gute Preise.
Leidenschaft für die süße Frucht - professionell und privat
Für Biobeeren müssen sich die Erntearbeiterinnen immer noch tief bücken.
Tendenziell nimmt darum in NRW nicht die Anbaufläche ab, wohl aber die Anzahl an Betrieben. Die Kleineren optimieren ihre Anbauverfahren so, dass sie weniger teure Handarbeit brauchen. Denn der größte Posten sind die Personalkosten.
Erntehelfer sind zwischen zwei und drei Monate am Stück auf dem Betrieb. Im Laufe der Ernte kommt es auch mal zum Wechsel: "Wer versteht das nicht, dass man nach harter Arbeit auch wieder nach Hause will", sagt Lütke Laxen.
Auf die Frage, ob sie am Ende der Saison die Nase voll hätten von ihren Erdbeeren, beantworten die Bauern alle mit einem klaren Nein.
"Ich bin todtraurig, wenn wir keine Erdbeeren mehr haben - Oktober und November sind für mich die schlimmsten Monate", lacht Bäcker. Da geht es ihm, wie jedem anderen Erdbeerfan, der den nächsten Erntestart kaum erwarten kann.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der Reporterin auf dem Erdbeerfeld
- Gespräch mit Landwirten Bäcker, Lütke Laxen und Spielbrink
- Informationsmaterial des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes
- Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer NRW
- WDR-Interview mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 29.04.2026, 19.30 Uhr