Mehr E-Autos in NRW wegen der neuen Prämie? | Aktuelle Stunde

03:16 Min. Verfügbar bis 19.01.2028

Neue E-Auto-Prämie – doch NRW hat große Lade-Lücken

Stand:

Es gibt eine neue Prämie für den Kauf von E-Autos. Für eine Kaufentscheidung ist auch die Ladeinfrastruktur relevant. Es gibt große regionale Unterschiede in NRW, zeigt unsere Datenanalyse.

Der Umstieg auf klimafreundlichere Autos läuft in Deutschland eher schleppend. Vielen Käufern sind E-Autos noch zu teuer, für günstigere Kleinwagen gibt es deutlich weniger Modelle. Eine neue Prämie soll jetzt Privatkunden mit maximal 90.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen pro Haushalt den Umstieg auf E-Autos oder Plug-in-Hybride erleichtern - zwischen 1.500 bis 6.000 Euro Förderung gibt es. Wer weniger verdient oder Kinder hat, bekommt innerhalb dieser Spanne mehr Geld.

Die Fördergrenze liegt bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 80.000 Euro für Haushalte ohne Kinder, heißt es vom Bundesumweltministerium. Die Fördergrenze erhöht sich auf maximal 90.000 Euro Jahreseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind. Durch die Kinder verschiebt sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro nach oben. 

Die Basisförderung liegt für reine Elektroautos bei 3.000 Euro. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, für Haushalte mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro. 

Prämie auch für Plug-in-Hybride und E-Autos mit Range Extender

Weniger Geld gibt es für sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Sprit fahren können, und für Elektroautos mit Range Extender. Range Extender sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen. Für diese Autos und Fahrzeuge liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben.

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Förderung gilt rückwirkend zum 1. Januar für Neufahrzeuge

Wer ein Elektroauto oder förderfähige Plug-in-Hybride gekauft hat oder noch kauft, die ab dem 1. Januar neu zugelassen wurden, kann die Förderung beantragen. Das gilt sowohl für den Kauf als auch das Leasing. Beantragen kann man die neue Förderung voraussichtlich aber erst ab Mai, wenn das entsprechende Internet-Portal an den Start gehen soll. 

Ladesäulen in NRW: Verdopplung innerhalb von zwei Jahren

Relevant ist für viele aber auch, ob es in der eigenen Region genügend Ladesäulen gibt. Aktuellen Daten der Bundesnetzagentur zufolge gibt es in NRW (Stichtag 7. Mai 2025) insgesamt 31.302 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Das sind fast doppelt so viele wie zwei Jahre zuvor. Damals waren es noch 17.015 (Stichtag 1. Juni 2023), wie aus einer vorherigen WDR-Analyse hervorgeht.

Das Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 rund 92.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Nordrhein-Westfalen zu haben. Ein Drittel davon steht bereits, aber auch die Zahl der E-Autos ist gestiegen.

Für die Kaufentscheidung aussagekräftiger ist daher eher, wie viele Autos sich rechnerisch einen Ladepunkt teilen. Unsere Analyse zeigt: Bei der regionalen Verteilung gibt es weiterhin große Unterschiede.

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So kommen in Düsseldorf fast 2,6 private Elektroautos auf einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt. Die Landeshauptstadt liegt damit vorn, gefolgt von Köln mit 3,4 sowie Oberhausen und Bonn mit jeweils 3,8 E-Autos pro Ladepunkt. Deutlich verbessert hat sich Oberhausen, wo es 2023 noch doppelt so viele E-Autos waren, die sich einen Ladepunkt teilen mussten.

Das mit Abstand schlechteste Verhältnis hat der Rheinisch-Bergische Kreis. Dort müssen sich 14,6 E-Autos einen Ladepunkt teilen – trotzdem eine Verbesserung, 2023 waren es rund 18. Vergleichsweise wenige Ladepunkte gibt es auch in Steinfurt, Lippe und Herford.

Eine besonders deutliche Verbesserung zeigt das Schlusslicht von 2023: Mülheim an der Ruhr. Damals kamen dort rund 29 E-Pkw auf einen Ladepunkt, heute sind es 11,4.

Alle 3,5 Kilometer ein Schnelllader in NRW

Wie schnell ein Ladepunkt wieder frei wird, ist aber auch abhängig davon, ob es sich um einen Normal- oder Schnellladepunkt handelt. Einer SWR-Analyse zufolge kann in NRW im Schnitt alle 3,5 Kilometer schnell geladen werden. Bundesweit sind es alle 5,4 Kilometer. Aktuelle E-Autos haben laut Herstellern eine Durchschnittsreichweite von 450 Kilometern.

So dicht ist das Ladenetz in Deutschland - SWR Datenanalyse

WDR Studios NRW 12.07.2025 00:57 Min. Verfügbar bis 12.07.2027 WDR Online

Bis 2030 soll es rund 11.000 Schnellladepunkte in NRW geben. Bisher sind es erst 3.877, zeigt unsere Analyse. Manch ein Kreis mit relativ vielen Autos pro Ladepunkt hat dafür einen höheren Anteil an Schnellladern. In Herford etwa sind es 44 Prozent.

Daten der Bundesnetzagentur zeigen die bereits installierte Ladeleistung im Vergleich zum Bedarf der einzelnen Kreise. Dieser wurde auf Basis der Studie "Ladeinfrastruktur nach 2025/2030: Szenarien für den Markthochlauf – Neuauflage 2024 (Nov 2024)" ermittelt, die verschiedene Faktoren berücksichtigt.

Demnach ist etwa in Köln die installierte Ladeleistung vom tatsächlichen Bedarf noch weit entfernt, während Düsseldorf den Bedarf bereits fast abdeckt. Andernorts liegt die installierte Ladeleistung sogar über dem eigentlichen Bedarf.

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Die Ladeinfrastruktur hat einen großen Einfluss darauf, ob sich Autofahrerinnen und -fahrer überhaupt ein E-Auto kaufen. Melissa Herkenrath war als Kundin in einem Autohaus in Kerpen-Sindorf und sagte dem WDR: "Meine Mutter fährt ein E-Auto und ich sehe, wie anstrengend das ist. Dann ist wieder eine Ladesäule kaputt und man muss schauen, wo was frei ist. Meistens gibt es auch nur zwei Säulen an einem Ladeort. Dann fährt man durch den halben Erft-Kreis." Für sie komme deshalb ein E-Auto aktuell nicht in Frage.

Ein anderer Kunde verlässt sich auf die E-Ladesäulen bei seinem Arbeitgeber: "Ich habe keine weite Strecke mehr. Und wir können kostenlos bei der Arbeit laden. Dementsprechend überlege ich, auf ein E-Auto umzusteigen."

Der E-Auto-Markt in Deutschland: Zwischen Prämie und Ladesäule

WDR Studios NRW 19.01.2026 03:18 Min. Verfügbar bis 19.01.2028 WDR Online

Bund verfehlt Klimaziel beim E-Autoanteil deutlich

In Deutschland machten E-Autos in diesem Jahr bisher nur etwa 17 Prozent der Neuzulassungen aus. Wenn der Anteil von E-Autos weiter so wenig wächst wie bisher, wird Deutschland das Klimaziel der Bundesregierung deutlich verfehlen. Das geht aus einer Datenanalyse des SWR hervor.

NRW hat sich zwar, anders als andere Länder wie etwa Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, kein eigenes konkretes Ausbauziel gesetzt. Aber: "Frühere Schätzungen der Bundesregierung gehen von rund 15 Millionen Elektroautos bis zum Jahr 2030 aus, das bedeutet rund drei Millionen Elektroautos in NRW", heißt es vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE) auf WDR-Anfrage.

Die vom SWR berechnete Prognose zeigt jedoch, dass bei gleichem Tempo wie im vergangenen Jahr Deutschland bundesweit bis 2030 gerade mal auf knapp vier Millionen E-Autos käme.

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Dennoch sieht sich das NRW-Wirtschaftsministerium selbst auf einem guten Weg. "Nordrhein-Westfalen treibt den Antriebswechsel konsequent voran", heißt es mit dem Hinweis auf “vielfältige” Maßnahmen. Beim Bestand reiner Elektroautos liege NRW im Ländervergleich auf dem ersten Platz.

Aber stimmt das? Schaut man nur auf die absoluten Zahlen, dann ja. Allerdings hat NRW auch deutlich mehr Einwohner als andere Bundesländer. Ein Blick auf den Ländervergleich der Antriebsanteile im Verhältnis zur gesamten Autoflotte zeigt: Bei den reinen E-Autos liegt NRW mit einem Anteil von 3,45 Prozent lediglich auf Platz 6.

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Im regionalen Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte liegen Bonn und Euskirchen vorn mit einem E-Autoanteil von etwas mehr als fünf Prozent – gefolgt von Düsseldorf, Bielefeld und Münster. Für hohe Anteile sorgen vor allem gewerbliche Autoflotten.

Den geringsten Anteil an E-Autos hat Herne mit etwas weniger als zwei Prozent. Auch Duisburg und Gelsenkirchen sowie Hagen haben einen geringen Anteil.

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Zwar hat sich die Landesregierung auf keine konkreten Ziele für die Anzahl der E-Autos bis 2030 festgelegt. Aber sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor bis dahin zu halbieren. Das erfordert einen verstärkten Umstieg auf emissionsärmere Alternativen, einschließlich Elektroautos.

Förderung privater E-Mobilität mit neuen Prämien

Bisher lief die Umstellung auf klimafreundlichere Pkw immer noch schleppend. Privatkunden mit geringem Einkommen blieben bei der Förderung außen vor. Denn E-Autos werden vor allem als Modelle der Ober- und Mittelklasse entwickelt – also eher typische Dienstwagen. Jetzt soll die neue Prämie Privatleuten den Umstieg auf klimafreundliche Autos erleichtern.

Insgesamt drei Milliarden Euro sind für die Kaufprämie vorgesehen, was laut Ministerium für etwa 800.000 geförderte Fahrzeuge bis 2029 ausreichen soll. Zuletzt gab es keine Kaufprämie für Elektroautos. Ende 2023 stellte die damalige Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP den sogenannten Umweltbonus abrupt ein, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Bundesumweltminister Schneider: Förderung für diejenigen, die Unterstützung brauchen

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt, dass das neue Förderprogramm mit einer Einkommensobergrenze ausgestattet sei, um denjenigen zu helfen, die die Förderung wirklich brauchen. "Und es ist ein Anschub für unsere heimische Automobilwirtschaft, die starke Elektroautos im Angebot hat", so Schneider weiter.

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Unsere Quellen:

  • Recherchen zur Infrastruktur von Ladesäulen von Lisa-Marie Eckardt (WDR)
  • Bundesnetzagentur
  • Kraftfahrt-Bundesamt
  • SWR-Datenrecherche
  • Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen
  • FAQ zur E-Auto-Förderung des Bundesumweltministeriums
  • eigene Berechnungen

Sendung: WDR5, Morgenecho, 19.01.2026, 06.20 Uhr