Rund 25 Elektroautos hat Autohändler Belkin im vergangenen Monat verkauft - so viele wie noch nie. Auch andere Autohäuser registrieren gerade eine deutlich gestiegene Nachfrage nach den Stromern. Laut Daten des Verbands der Automobilhändler ist derzeit etwa jedes dritte bestellte Fahrzeug ein E-Auto. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren bundesweit 19,1 Prozent der neu zugelassenen PKW rein elektrisch. Auch in NRW ist die Nachfrage zuletzt deutlich gestiegen.
"Wegen der hohen Spritpreise überlegen sich viele Kunden, auf ein E-Auto umzusteigen, und das Angebot an bezahlbaren Elektroautos ist wesentlich größer geworden", sagt Autoverkäufer Belkin. Laut einer Auswertung des Bochumer Center for Automotive Research haben sich die Preise für Elektroautos und Verbrenner zuletzt immer weiter angenähert.
Im April war ein E-Auto im Schnitt nur noch gut 1.800 Euro teurer als ein Verbrenner. Vor anderthalb Jahren lag der Preisunterschied noch bei mehr als 5.000 Euro. Das derzeit günstigste Elektroauto auf dem Markt ist nach Angaben des ADAC der Dacia Spring mit einem Listenpreis von 18.700 Euro.
Sorge vor leeren Fördertöpfen treibt Nachfrage
Mit der staatlichen Prämie reduziert sich der Preis für das neue Elektroauto je nach Haushaltseinkommen und Anzahl der Kinder um bis zu 6.000 Euro. Zwar stellt ADAC-Sprecher Fabian Faehrmann klar: "Ein Elektroauto für unter 10.000 Euro ist auch mit der maximalen Förderung derzeit nicht möglich." Doch die Prämie kurbelt die Nachfrage nach den E-Autos weiter an.
"Viele Kunden entscheiden sich jetzt schnell für ein E-Auto, weil sie befürchten, dass die Förderung nicht für alle ausreicht", beobachtet Autoverkäufer Belkin. Insgesamt stehen für die Kaufprämie bis zum Jahr 2029 drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung zur Verfügung. Das soll nach Kalkulation der Bundesregierung für etwa 800.000 Elektroautos reichen.
Fachleute halten Prämie für überflüssig
Geld, das sich der Staat durchaus hätte sparen können, meint Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Bochumer Center for Automotive Research. "Die Prämie ist überflüssig, Vergeudung von Steuergeld und sie wird keine zusätzlichen Impulse liefern, denn die Impulse kommen aus dem Markt", so Dudenhöffer im WDR-Interview.
Auch Oliver Falck vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung hält die Elektroautoprämie derzeit nicht für notwendig, "weil sich der Elektromarkt relativ gut entwickelt und Unsicherheiten, wie es sie am Anfang bei den Käufern gab, einfach nicht mehr vorhanden sind." Selbst der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) hält die Prämie für unnötig. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es die Prämie nicht gebraucht hätte, um der Elektromobilität zum Erfolg zu verhelfen", so Verbandspräsident Burkhard Weller.
Rabatte für E-Autos gehen zurück
Wohin das führen kann, wenn der Staat ein Produkt fördert, das ohnehin gefragt ist, zeigt ein Blick auf die Förderung der Wärmepumpen. Hier gilt die staatliche Unterstützung als eine Begründung dafür, dass die Preise in Deutschland teilweise deutlich höher sind als im Ausland. Droht dieser "Wärmepumpeneffekt" nun auch bei den Elektroautos?
Eine Auswertung des Center for Automotive Research zeigt, dass die Rabatte auf Elektroautos im April deutlich zurückgegangen sind - von durchschnittlich 19,3 Prozent gegenüber dem Listenpreis im März auf 18,7 Prozent im April. Für die Analyse haben die Fachleute Rabatte ausgewertet, die Kunden auf Internetportalen gegenüber dem Listenpreis erhalten.
Neue E-Auto-Prämie: Wie sie funktioniert und was sie bringt
WDR. 19.05.2026. 05:32 Min.. Verfügbar bis 18.05.2028. WDR Online.
Und die Rabatte auf E-Autos könnten in den nächsten Monaten weiter sinken, vermutet Dudenhöffer. "Die Hersteller verdienen bei Elektroautos ohnehin kein Geld, bei der guten Marktlage können sie die Rabatte deshalb etwas zurückfahren", so der Autoexperte. Von einem Mitnahmeeffekt auf Seiten der Hersteller und Händler wollen jedoch weder der Verand der Automobilhändler noch der Holzwickeder Autohändler Dimitri Belkin etwas wissen. "Bei den Elektroautos gibt es inzwischen so viel Wettbewerb unter den Händlern, da könnten wir es uns gar nicht erlauben, die Preise wegen der Prämie zu erhöhen", so Belkin.
Nur wenige Kunden profitieren von der vollen Fördersumme
Hinzu kommt, dass nur ein überschaubarer Kundenkreis überhaupt in den Genuss der maximal möglichen Prämie kommt. "Wer als Familie mit zwei Kinden ein Jahreseinkommen von 45.000 Euro hat, kauft garantiert kein neues Auto, sondern einen Gebrauchtwagen", sagt Ferdinand Dudenhöffer. Doch gebrauchte E-Autos werden nicht gefördert - ein Fehler, wie der Verband der Automobilhändler kritisiert.
Werden junge Gebrauchtwagen nicht in die Förderung mit aufgenommen - wie bei der Umweltprämie 2009 - geht die Förderung an einem Großteil der privaten Kunden vorbei, kritisiert VAD-Präsident Weller. Weil es beim Kauf eines neuen Elektroautos immer das Risiko gibt, dass der Wagen wegen des technologischen Fortschritts bei der E-Mobilität schnell an Wert verliert, raten die Automobilhändler, den Kunden, die Förderung für das Leasing eines neuen E-Autos zu nutzen - ein Geschäft, an dem auch die Autohändler mitverdienen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Center Automotive Research
- WDR-Interview Autohändler Dimitri Belkin
- WDR-Interview Verband der Automobilhändler Deutschlands
- WDR-Interview, Fabian Faehrmann, ADAC
- tagesschau.de: "Neue E-Auto-Prämie: Lohnt sich das?"
- ElektroMobilität NRW
Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 19.05.2026, 13:35 Uhr