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Betrunkene Radfahrer: Hilft neue Promillegrenze?

Aktuelle Stunde 28.01.2026 43:25 Min. UT Verfügbar bis 28.01.2028 WDR Von Claudia Beucker

Hohe Unfallzahlen Muss die Promillegrenze beim Radfahren runter?

Stand:

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar debattieren Experten diesmal über die relativ hohe Promillegrenze von 1,6 für Radfahrer. Angesichts steigender Unfallzahlen sollte sie gesenkt werden, finden viele. Was ist momentan erlaubt und was soll kommen?

Von Oliver ScheelOliver Scheel

Ein paar Bierchen mit Freunden - und dann mit dem Rad ab nach Hause. Ist doch kein Problem, oder? Wer achtet schon beim Radfahren darauf, wie viel Alkohol wirklich geflossen ist? Ist doch nur ein Kavaliersdelikt, denken viele - was falsch ist. Denn wer mit zu viel Promille im Blut auf dem Rad erwischt wird, der begeht eine Straftat.

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wird diesmal unter anderem über eine strengere Promillegrenze für Radfahrer diskutiert. Zum Abschluss geben die Experten Empfehlungen an den Gesetzgeber, die in der Vergangenheit immer wieder aufgegriffen wurden.

Strafbar ist Fahrradfahren derzeit unter Alkoholeinfluss erst ab 1,6 Promille.

Promillegrenze beim Radfahren: "Muss was getan werden"

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.01.2026 05:37 Min. Verfügbar bis 28.01.2027 WDR 5


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1,6 Promille ist natürlich eine ganze Menge. Dabei beeinflussen viele Faktoren, wie viel Alkohol jemand im Blut hat. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) geht davon aus, dass ein 25 Jahre alter Mann, der 80 Kilo wiegt und 1,80 m groß ist, nach zwei Litern Bier etwa ein Promille Alkohol im Blut hat.

Die Diskussion gibt es seit Jahren

Verkehrsexperten fordern seit vielen Jahren, von den 1,6 Promille als Grenzwert endlich abzurücken. "Ob Pkw, Fahrrad oder Pedelec: Nüchtern zu fahren ist keine Frage der Freiheit, sondern der Verantwortung", sagt Manfred Wirsch, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). Der DVR beklagt schon lange, dass Fahrrad- und Pedelec-Fahrende mit bis zu 1,6 Promille "ohne rechtliche Konsequenzen unterwegs sein können, solange keine Fahrunsicherheit erkennbar ist oder kein Unfall passiert".

Der 1969 aufgrund der damals steigenden Zahl getöteter Verkehrsteilnehmer gegründete Verein fordert schon lange die Einführung des Tatbestands einer Ordnungswidrigkeit für alkoholisierte Fahrende von Fahrrädern und Pedelecs ab 1,1 Promille. "Außerdem setzt sich der DVR für ein absolutes Alkoholverbot für alle Kraftfahrzeugführenden ein", wie es in einer aktuellen Pressemitteilung heißt.

Die Unfallzahlen steigen

Der ADFC schließt sich dieser Forderung an: "Wer etwas getrunken hat, sollte nicht mehr Fahrrad fahren", sagte ADFC-Pressesprecher Karl Grünberg dem WDR. Ab 1,1 Promille steige die Zahl der Unfälle stark an. Generell verzeichnet der ADFC mehr Radunfälle unter Alkoholeinfluss, bei denen sich jemand verletzt. Laut Grünberg gab es im Jahr 2023 etwa 5.400 Fahrradunfälle mit Verletzung unter Alkoholeinfluss, im Jahr 2024 aber schon 7.300. "Das ist ein Anstieg, der zeigt, hier muss was getan werden", so Grünberg.

Der DVR sieht allerdings auch eine höhere Fahrleistung. Es werden also mehr Kilometer auf Rad und Pedelec zurückgelegt als früher, und dann gibt es eben auch mehr Unfälle. "Das korreliert", bestätigt Christoph Rieger vom DVR im Gespräch mit dem WDR. Dennoch könne es nicht sein, dass man mit 1,599 Promille "völlig ordnungskonform im Verkehr unterwegs" sein könne, so Rieger. Das müsse nun endlich geändert werden, denn:

"Jeder Verletzte und jeder Tote ist einer zu viel." Karl Grünberg, Pressesprecher vom ADFC

Dennoch sei der Hauptunfallgegner des Fahrrads "immer noch das Auto", so Grünberg. Auch der TÜV-Verband unterstützt die Senkung der Promillegrenze: "Wer Alkohol trinkt, sollte grundsätzlich kein Fahrzeug steuern - unabhängig von dessen Größe, Geschwindigkeit und Motorisierung. Wenn betrunkenes Radfahren als 'halb so wild' gilt, verfestigen sich gefährliche Routinen", sagt Fani Zaneta, Expertin für Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband in einer Mitteilung. Ein eigener Ordnungswidrigkeiten-Tatbestand für alkoholisierte Radfahrer wäre daher ein klares gesellschaftliches Signal für mehr Verkehrssicherheit.

Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Björn Steiger Stiftung, nennt 1,6 Promille gar "einen Freibrief, ziemlich besoffen aufs Fahrrad zu steigen".

Was passiert, wenn ich mit 1,6 Promille erwischt werde?

Wer auf dem Rad mit 1,6 Promille gestoppt wird, begeht eine Straftat. Was folgt, ist eine empfindliche Geldstrafe von einem Monatsgehalt und es drohen drei Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg. Außerdem kann es zu einer MPU kommen, und wenn diese Medizinisch Psychologische Untersuchung, im Volksmund Idiotentest genannt, nicht bestanden wird, dann können die Behörden den Autoführerschein entziehen oder gar ein Radfahrverbot anordnen. Die MPU hat weitreichende Konsequenzen, sie ist mit hohen Kosten und Abstinenznachweisen verbunden.

Und: Wenn ihr betrunken einen Unfall mit dem Rad baut, dann gelten andere Werte. Denn wenn man nicht mehr in der Lage ist, infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel, das Fahrzeug sicher zu führen, dann kann man sich bereits ab 0,3 Promille nach Paragraf 316 StGB strafbar machen. Es gibt nämlich eine relative und eine absolute Fahruntüchtigkeit.

Im Ausland sind die Regeln meist strenger

In den meisten EU-Ländern gilt übrigens eine Promillegrenze von 0,5 beim Radfahren. Lediglich in Skandinavien, Irland und Großbritannien gibt es gar keine Promillegrenze. Da ist aber dennoch besondere Vorsicht geboten, denn wer sich auffällig verhält und kontrolliert wird, dem drohen dennoch Bußgelder. Im Bierland Tschechien übrigens gelten sogar 0,0 Promille auf dem Rad.

Übrigens gibt es einen Unterschied zwischen E-Bikes, die bis 25 km/h fahren, und den schnelleren. Denn die schnelleren E-Bikes haben bereits jetzt eine Grenze von 0,5 Promille. Und ab 1,1 Promille gilt das Fahren sogar als Straftat.

Und das sagen die Radfahrenden

"Viele nehmen das nicht so ernst, die steigen aufs Rad oder ins Auto und machen das einfach", vermutet Jessica bei einem Besuch einer Gastwirtschaft in Overath. Leonie fährt "nach einem kleinen Unfall" gar nicht mehr Fahrrad, wenn sie getrunken hat. Klaus aus Münster, selbst E-Bike-Fahrer, ist für das Senken der Promillegrenze.

"Ich habe ein E-Bike, die sind sehr flott. Damit gefährde ich andere Verkehrsteilnehmer." Klaus (69), E-Bike-Fahrer aus Münster

"Ich würde die Grenze schon senken, einfach weil viele das unterschätzen und es schnell zu Beeinträchtigungen der Reaktionszeit kommt", sagt Louisa, eine Studentin aus Münster, zu unserer Reporterin. Das klingt doch so, als ob die Experten beim Verkehrsgerichtstag in Goslar offene Türen einrennen würden.

Fahrrad-Sicherheit: Bald weniger Promille erlaubt?

Morgenmagazin 28.01.2026 05:25 Min. UT Verfügbar bis 28.01.2028 Das Erste

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Christoph Rieger vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat
  • Gespräch mit Karl Grünberg vom ADFC
  • Gespräch mit Menschen auf der Straße in Münster und in der Gaststätte in Overath
  • ARD Morgenmagazin vom 28.01.2026 mit Unfallforscher Siegfried Brockmann
  • Aussendung Pressemitteilung TÜV Verband
  • Agentur dpa
  • Bussgeldkatalog.de
  • ADAC.de

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 28.01.2026, 07.13 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 28.01.2026, 18:30 Uhr

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