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Kretas Westen: ungezähmt schön

Wunderschön! 13.03.2026 01:28:28 Std. UT Verfügbar bis 03.08.2030 WDR

Kretas Westen – ungezähmt schön

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Kreta zählt alljährlich zu den beliebtesten Urlaubsinseln der Deutschen. Karibische Strände, traumhafte Berglandschaften, dazu tolles Essen und die sprichwörtliche Gastfreundschaft locken vor allem im Hochsommer massenweise Touristen an. Wer Kreta wirklich echt und authentisch erleben will, für den ist die Nebensaison eine gute Alternative. Für Wunderschön macht sich Reisereporterin Judith Rakers auf die Suche nach Geheimtipps, unentdeckten Flecken und erlebt dabei eine Sehnsucht-Insel, wie sie viele gar nicht kennen: Vom Bogenschießen im Inselinneren über einen kretischen Kochkurs bis hin zu einer kleinen Insel, die nur von einem einzigen Menschen bewohnt wird.

Judith Rakers startet ihre Reise durch Kreta im Süden, fernab von Massentourismus. Dort liegt ein kleines Bergdorf, das liebevoll von Markos – einem seiner Bewohner – aufgebaut und renoviert wurde. Lea aus Hamburg arbeitet seit einem Jahr für Markos auf dem Bauernhof als Reitlehrerin. Weiter geht es in die zweitgrößte Stadt der Insel, nach Chania. Die Altstadt mit ihren engen Gassen, venezianischen Bauwerken mit osmanischen Einflüssen und einem Hafen, der niemals schläft, ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Chania zieht nicht nur Touristen an, sondern auch Digitalnomaden. Effi Pouli hat mitten in der Altstadt einen Co-Working Space dafür aufgebaut.

Vor Jahrzehnten haben viele Kreter die Insel wegen Kriegen, Krisen oder fehlender Perspektive verlassen. Einige sind zurückgekommen – bei anderen sind es die Kinder oder Enkel, die es zurück in die Heimat der Familie zieht. Eine von ihnen ist Alexandra Manousakis. Sie hat die USA vor knapp 20 Jahren verlassen und das Weingut ihres Vaters übernommen. Hier wachsen sowohl kretische als auch internationale Rebsorten, und die Weinberge bieten einen herrlichen Blick über die Landschaft.

Alexandra Manousakis und ein Mann betrachten einen Weinstock

Alexandra Manousakis ist aus den USA zurück nach Griechenland gekommen und hat das Weingut ihres Vaters übernommen.

Als nächstes trifft Judith Panagiotis. Mit seinem Boot geht es zuerst zu der naturgeschützten Insel Theodorou, die Heimat der seltenen Kri-Kri-Ziegen. Auf dem Weg liegen im Meer Wracks, Spuren aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Strände im Westen, wie Balos mit dem türkisfarbenem Wasser und weißen Sand, wirken fast karibisch. Auf der Insel "Imeri Gramvousa" treffen Judith und Panagiotis auf Michalis – einer der zwei Menschen, die hier dauerhaft leben.

Mehrere Ziegen klettern auf einem felsigen Hügel herum

Auf der naturgeschützten Insel Theodorou leben die seltenen Kri-Kri-Ziegen.

Der Norden Kretas ist deutlich touristischer. Eine Stunde östlich von Chania liegt Rethymnon, ein kleiner, entspannter Ort mit viel Geschichte. Hier verschmelzen venezianische und osmanische Einflüsse. Das erkennt man besonders an der Architektur, aber erlebt es auch kulinarisch, zum Beispiel bei Süßspeisen wie Baklava.

Weiter geht es für Judith in den Südwesten, an den Strand Elafonissi, und dann nach Paleochora – ein kleines Hafenstädtchen am Fuße der Lefka Ori. In dem kleinen Dorf Xirosterni, zwischen Rethymnon und Chania, lernt Judith bei einem Kochkurs regionale Spezialitäten kennen und zuzubereiten. Die nächsten Stopps der Reise im Süden Kretas: der Preveli Beach, das Kloster Odigitria und Chora Sfakion – ein weiteres Hafenstädtchen, wo man gut Boote mieten kann, um die steile Küste zu erkunden.

Fischerboote im Hafen von Chora Sfakion

Tag auf dem Meer: In der Stadt Chora Sfakion können Touristen sich Boote ausleihen

Widerstand und Unabhängigkeit

Kreta blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – geprägt von wechselnden Eroberern und einem tief verwurzelten Freiheitswillen. Über Jahrhunderte hinweg bestimmten zunächst die Venezianer, später die Osmanen das Schicksal der Insel. Doch die Kreter gaben nie auf.
Im 19. Jahrhundert entluden sich die Spannungen in einer Reihe von Aufständen. Diese kretischen Rebellionen waren geprägt von Guerillakämpfen, mutigem Widerstand und dem Streben nach Freiheit. Der jahrzehntelange Kampf mündete schließlich in der offiziellen Vereinigung Kretas mit dem modernen Griechenland. Ein besonderer Gedenktag ist der 25. März, der griechische Unabhängigkeitstag. Auf Kreta wird er mit Paraden, Reden, Musik und dem Hissen der griechischen Flagge gefeiert.
Für viele Kreter ist dieser Tag mehr als nur ein historisches Datum. Er steht für Identität, Stolz und das Gefühl, sich trotz aller Fremdherrschaft nie unterworfen zu haben. Selbst die griechische Flagge wird auf der Insel manchmal mit einem Augenzwinkern gehisst – denn im Herzen bleibt Kreta immer ein wenig eigenständig.

Die griechische Flagge über einem historischen Mauerwerk

Am 25. März, dem griechischen Unabhängigkeitstag, wird auf Kreta die griechische Flagge gehisst.

Lesetipps für Kreta

Klaus Bötig, Klio Verigou
Reiseführer Kreta. Reisen mit Insider-Tipps
Marco Polo, 24. Aufl. 2025
ISBN ‎978-3829738071
Preis: 17,95 Euro

Eberhard Fohrer
Kreta
Michael Müller Verlag, 24. Aufl. 2024
ISBN 978-3966854368
Preis: 29,90 Euro

Margit Brinke, Peter Kränzle, Markus Bingel
Kreta. Mit 21 Wanderungen
Reise Know-How Verlag, 2. akt. Aufl. 2025
ISBN‎ 978-3831780051
Preis: 24,90 Euro

Rolf Goetz
Kreta. 77 Touren auf Griechenlands größter Insel – die schönsten Küsten- und Bergwanderungen
Rother Bergverlag, 8. akt. Aufl. 2025
ISBN 978-3763314096
Preis: 16,90 Euro

Berend Wolffenbuttel, Wolfgang Barelds
Kreta West. 30 Wanderungen zwischen Schluchten, Bergen und Buchten
Conrad Stein Verlag, 2021
ISBN 978-3866866362
Preis: 12,90 Euro

Moderation: Judith Rakers

Redaktion: Margit Höh

Autor: Andreas Schlosser

Autorin Internettext: Leonie Geßener