Tallinn, Saunakultur, Murru-Gefängnis, Nationalpark Lahemaa
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Die Hauptstadt Tallinn am Finnischen Meerbusen besitzt eine besterhaltene mittelalterliche Altstadt und soll eine der modernsten Städte der Welt sein. Die estnische Saunakultur ist über 700 Jahre alt und allgegenwärtig in Estland. Das Murru-Gefängnis, das erst 2013 endgültig geschlossen wurde, ist eine Touristenattraktion. Der Nationalpark Lahemaa bietet beeindruckende Natur- und Artenvielfalt und auch malerische Fischerdörfer wie Käsmu oder Altja.
Tallinn
Die Hauptstadt Tallinn ist die größte Stadt Estlands mit rund 457.000 Einwohnern. Das UNESCO Weltkulturerbe liegt am Finnischen Meerbusen der Ostsee, etwa 80 Kilometer südlich von Helsinki. Obwohl es sich um eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas handelt, soll Tallinn eine der modernsten Städte der Welt sein. Der Rathausplatz mit gotischem Rathaus ist das historische Herz der Stadt. Weitere Sehenswürdigkeiten: Alexander-Newski-Kathedrale, Toompea-Hügel, Stadtmauer mit Türmen, Tallinner Fernsehturm, Kumu Art Museum. Im Laufe der Geschichte wurde Estland von Deutschen, Schweden und Russen regiert. Unter russischer Herrschaft diente Tallinns Hafen als wichtiger Zugang zum Handel mit dem Westen.
Saunakultur
Die estnische Saunakultur ist über 700 Jahre alt und allgegenwärtig in Estland. Die Rauchsauna-Tradition wurde 2014 sogar als immaterielles Kulturerbe der Menschheit von der UNESCO anerkannt. Die Sauna wird traditionell in einer separaten Holzhütte betrieben, in der sich ein großer Steinhaufen befindet. Ein Feuer brennt vier bis sechs Stunden und erhitzt die Steine auf 60 bis 80 Grad. Wenn das Feuer erlischt, muss die Sauna zwei Stunden ruhen, damit Rauch und giftige Gase entweichen können, bevor man hineingeht. Der Aufguss ("leil") regt das Schwitzen an – dabei werden oft Birkenzweige-Quirle ("viht" bzw. "vihad") zum sanften Schlagen verwendet, was eine massageähnliche Wirkung hat. Die Sauna ist ein Ort der körperlichen und geistigen Reinigung sowie des sozialen Beisammenseins für Familie und Freunde.
Die estnische Sauna wird traditionell in einer separaten Holzhütte betrieben, in der ein großer Steinhaufen mit einem Feuer erhitzt wird.
Murru-Gefängnis (im Tagebau von Rummu)
Das Murru-Gefängnis war für männliche Gefangene und galt als eines der härtesten Gefängnisse der Sowjetunion mit bis zu 2.000 Gefangenen, die Kalk im angrenzenden Steinbruch abbauten. Es wurde 1938 gegründet und erst im Jahr 2013 endgültig geschlossen. Der heutige See beim ehemaligen Gefängnis entstand, als Grundwasser durch das Abschalten der Pumpen in den Steinbruch strömte und ihn überflutete. Touristen können nicht nur überirdische Touren mit ehemaligen Häftlingen und Wärtern buchen, sondern auch die Unterwasserwelt mit Guide und geeigneter Ausrüstung erkunden.
Im ehemaligen Murru-Gefängnis können Touristen überirdische Touren, aber auch die Erkundung der Unterwasserwelt mit Guide buchen.
Singende Revolution
Zwischen 1987 und 1991 formierte sich in Estland, Lettland und Litauen eine breite, gewaltfreie Protestbewegung gegen die sowjetische Herrschaft. Zehntausende Menschen sangen im Zuge dessen bei öffentlichen Veranstaltungen verbotene Volkslieder und Hymnen. Ein Höhepunkt war die "Baltische Kette" 1989, als zwei Millionen Menschen in drei Ländern eine 600 Kilometer lange Menschenkette bildeten und für Unabhängigkeit sangen. Im Jahr 1991 erlangten Estland, Lettland und Litauen gewaltfrei ihre staatliche Souveränität zurück. Das Singen ist bis heute tief in der estnischen Kultur verwurzelt. Seit 1869 findet das Sängerfest in Tallinn alle fünf Jahre statt und gilt als wichtiges Symbol für ihre Freiheit.
Tausende Menschen singen beim Liederfest in Tallinn.
Nationalpark Lahemaa
Der Nationalpark Lahemaa wurde 1971 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark Estlands. Er umfasst etwa 725 Quadratkilometer Landfläche und 250 Quadratkilometer Seegebiet. "Lahemaa" bedeutet "Land der Buchten", da sich hier mehrere Halbinseln und zahlreiche Buchten an der Nordküste des Landes befinden. In Lahemaa kann man neben der beeindruckenden Natur- und Artenvielfalt auch malerische Fischerdörfer wie Käsmu oder Altja erkunden. Außerdem gibt es über 120 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege, Möglichkeiten zum Beeren und Pilze sammeln sowie zahlreiche Beobachtungspunkte für Tiere und Vögel.
Im Nationalpark Lahemaa gibt es über 120 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege.
Lesetipps für Estland
Reiseführer
Anna Kaminski, Hugh McNaughtan, Ryan Ver Berkmoes
Estland, Lettland & Litauen
Lonely Planet Deutschland, 6. Aufl. 2024
ISBN 978-3575011602
Preis: 25,95 Euro
Mirko Kaupat, Jan Pallokat
Baltikum. Estland, Lettland, Litauen
Marco Polo, 14. akt. Aufl. 2024
ISBN 978-3829735216
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Heli Rahkema, Thorsten Altheide
Tallinn. City-Trip
Reise Know-How, 7. akt. Aufl. 2025
ISBN 978-3831739578
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Reiselektüre
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Reclam, akt. Aufl. 2022
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