1. Rundfunkrat trauert um Ruth Hieronymi und Anne Gödde
Der Rundfunkrat hat kürzlich zwei engagierte Mitglieder verloren, die sich über viele Jahre mit großem Einsatz für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stark gemacht hatten. Ihrer wurde im Rahmen der jüngsten Rundfunkratssitzung in Würde gedacht.
Am 30. April verstarb Ruth Hieronymi im Alter von 77 Jahren. Sie war über 25 Jahre lang Mitglied des Rundfunkrats und bekleidete bis 2016 sieben Jahre lang das Amt der Vorsitzenden. In dieser Zeit prägte sie die Arbeit des Gremiums maßgeblich. Sie zeichnete sich durch ihren Weitblick aus, brachte als Mitglied des EU-Parlaments eine ausgeprägte europäische Perspektive ein und bekannte sich stets klar zur Transparenz: So wurden in ihrer Amtszeit die öffentlichen Sitzungen des Rundfunkrats eingeführt. „Mit ihr verlieren wir eine große Persönlichkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, sagte der Vorsitzende Rolf Zurbrüggen in der Sitzung.
Am 17. Mai verstarb zudem Anne Gödde im Alter von nur 46 Jahren. Sie war über acht Jahre lang als stellvertretendes Mitglied im Rundfunkrat aktiv – entsandt von der Europa-Union NRW. Ihr ehrenamtliches Engagement galt insbesondere dem europäischen Gedanken.
2. Umgang mit der AfD: Intendantin Vernau betont kritische Auseinandersetzung
Katrin Vernau
Der Rundfunkrat befasste sich mit dem journalistischen Umgang des Senders mit der AfD. Anlass dafür waren öffentliche Debatten und kritische Rückmeldungen zur Präsenz der Partei in verschiedenen Formaten. Intendantin Katrin Vernau hatte Anfang des Jahres im Kölner Stadt-Anzeiger deutlich gemacht, dass die AfD, solange sie demokratisch gewählt sei, „zunächst so behandelt werden muss wie andere Parteien“. Sie betonte, eine journalistisch-kritische Auseinandersetzung sei notwendig, aber kein Ausgrenzen oder Ignorieren der Partei.
Mehrere Mitglieder des Rundfunkrats äußerten die Sorge, der WDR könne der AfD eine Plattform bieten, obwohl deren Inhalte teils im Widerspruch zu den Programmgrundsätzen des Senders stünden. Insbesondere rechtsextreme Positionen und Äußerungen seien nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt und dürften nicht einfach weiterverbreitet werden. Umso wichtiger sei eine klare Einordnung durch Kommentierung und Richtigstellung – ohne dabei gesellschaftliche Realitäten auszublenden.
Vernau unterstrich, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk laut Medienstaatsvertrag zur ausgewogenen Darstellung der Meinungsvielfalt verpflichtet sei. Dies bedeute jedoch keine politische Neutralität, sondern eine klare Haltung auf Basis demokratischer Werte. Auch die Positionen der AfD, so Vernau, seien vom Informationsauftrag umfasst – unabhängig von ihrer Einstufung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz. Dabei gehe es jedoch nicht um eine wertfreie Wiedergabe von (Extrem-)Positionen, sondern um deren professionelle Einordnung. Der WDR mache gesellschaftliche Realitäten sichtbar, ohne demokratische Grundwerte zu relativieren. Ziel sei eine Berichterstattung, die kritisch, kontextualisiert und klar eingeordnet sei – zur Aufklärung und Stärkung der demokratischen Öffentlichkeit. Als Beispiel nannte Vernau investigative Formate wie die Dokumentation „Wir waren in der AfD“, in der Aussteiger aus der Partei zu Wort kommen. Die beiden Programmdirektoren Jörg Schönenborn und Andrea Schafarczyk ergänzten, dass die zugrunde liegenden Richtlinien für redaktionelle Entscheidungsprozesse regelmäßig gemeinsam mit den Redaktionen des Senders überprüft und weiterentwickelt würden.
Nur durch eine transparente, vielfältige und kritische Berichterstattung könne der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Auftrag gerecht werden und den Bürgerinnen und Bürgern eine unabhängige und umfassende Meinungsbildung ermöglichen, so Vernau.
3. Diskussion über Perspektiven für COSMO
Der Rundfunkrat hat sich bei der Geschäftsleitung über die Perspektiven des multikulturellen Radioprogramms COSMO informiert. Anlass sind Sorgen, dass COSMO im Zuge der ARD-weiten Portfolio-Strategie und Reformprozesse zur Disposition stehen könnte. COSMO ist derzeit das einzige lineare Radioprogramm der ARD mit mehrsprachigen Inhalten.
Die Geschäftsleitung unterstrich, dass der WDR weiterhin das Ziel verfolge, Menschen mit internationaler Geschichte dort zu erreichen, wo sie medial unterwegs sind – auf digitalen Plattformen ebenso wie im klassischen Radio. Das Angebot, das derzeit ein eher bildungsbürgerliches Publikum anspreche, solle sich stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer orientieren. Inhalte für diese Zielgruppe würden daher zunehmend in alle Formate integriert – insbesondere auch in Podcasts. COSMO war zudem das erste WDR-Angebot, bei dem die Hälfte des Budgets gezielt in digitale Inhalte investiert wurde.
Der Rundfunkrat diskutierte das Thema im Hinblick auf den anstehenden Reformstaatsvertrag, der eine Reduzierung der Hörfunkwellen vorsieht. Innerhalb der ARD laufen dazu derzeit Gespräche. Erste Weichenstellungen werden im Juni erwartet. Der Rundfunkrat wird anschließend erneut informiert.
4. Bericht aus dem ARD-Programmbeirat
Gabriele Hammelrath
Gabriele Hammelrath, die Vorsitzende des ARD-Programmbeirats, informierte den Rundfunkrat über die Arbeit des Gremiums in den zurückliegenden zwölf Monaten. Das Gremium konzentrierte sich im Berichtszeitraum auf die Programmbeobachtungen zu großen Sportereignissen und der Bundestagswahl sowie auf übergreifende Themen wie Reformprozesse und die Ansprache junger Zielgruppen. Der ARD-Programmbeirat stellte fest, dass die ARD mit ihrer Berichterstattung zur Fußball-EM, den Olympischen Spielen und der Tour de France ein breites Publikum erreichte. Die Kommentierung, Dokumentationen und digitalen Angebote bewertete der Beirat als hochwertig, zugänglich und reichweitenstark. Besonders positiv hob er die gelungene crossmediale Verbreitung hervor. Auch die Berichterstattung zur Bundestagswahl erfüllte nach Ansicht des Beirats den öffentlich-rechtlichen Auftrag in hohem Maße. Dieser Auftrag verpflichtet die ARD dazu, umfassend, objektiv und vielfältig zu informieren. Die journalistische Qualität sei fast durchweg sehr gut gewesen. Formate wie die „Wahlarena“ oder „Hart aber fair 360“ ermöglichten eine breite Beteiligung der Zuschauer. Kritisch merkte der Beirat an, dass manche Dokumentationen zu stark Problemaspekte in den Vordergrund rückten.
Der Beirat befasste sich zudem mit sog. Presenter-Formaten (Sendungen, bei denen der berichtende Journalist oder die Moderatorin im Mittelpunkt stehen) und mit konstruktivem Journalismus, der für beschriebene Probleme auch Lösungen aufzeigt. Für das kommende Jahr plant das Gremium, Krimiformate, politische Informationen und Inhalte für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren zu beobachten.
Der ARD-Programmbeirat setzt sich aus jeweils einem Mitglied der neun Landesrundfunkanstalten zusammen. Er beobachtet das Programm des Ersten, der Spartenkanäle wie Tagesschau24, KiKa und das Jugendangebot Funk anhand festgelegter Qualitätsstandards.
5. Justiziarin Volkmann verlässt den WDR
Der Rundfunkrat verabschiedete Prof. Dr. Caroline Volkmann, eine der beiden Justiziarinnen des WDR. Sie wird den Sender verlassen, um sich wieder intensiver ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit zu widmen.
Katrin Neukamm und Caroline Volkmann
Caroline Volkmann leitet gemeinsam mit Katrin Neukamm in einem sog. Top-Sharing-Tandem seit November 2022 das Justiziariat des WDR in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Sie begleitete den Sender juristisch und strategisch durch zentrale Umbrüche und trug maßgeblich zu seiner Weiterentwicklung bei.
Der Rundfunkratsvorsitzende Rolf Zurbrüggen würdigte insbesondere ihre Rolle in der Zusammenarbeit mit dem Gremium. Sie sei eine verlässliche Ansprechpartnerin gewesen, die durch präzise Analysen, eine offene Kommunikation und eine lösungsorientierte Herangehensweise überzeugt habe. „Ihr Engagement in der Debatte um den Reformstaatsvertrag hat deutlich gemacht, wie wichtig juristische Expertise ist, um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mitzugestalten. Frau Volkmann hat es verstanden, komplexe Sachverhalte verständlich einzuordnen, ohne deren inhaltliche Tiefe zu verlieren“, so Zurbrüggen.
Auch Intendantin Katrin Vernau würdigte das Engagement Volkmanns und bekräftigte, dass das Tandemmodell fortgeführt werden soll. Über die Nachbesetzung der halben Direktorenstelle werde sie den Rundfunkrat, dessen Zustimmung für Personalentscheidungen dieser Hierarchieebene erforderlich ist, zu gegebener Zeit informieren.
6. Rundfunkrat genehmigt mehrere Produktionsverträge
Das Gremium hat der Realisierung mehrerer Filmproduktionen zugestimmt: zwei weitere Folgen der Fernsehfilmreihe „Wäldern“ sowie drei Ausgaben des Tatorts aus Dortmund.
Gemäß WDR-Gesetz ist für Produktionen mit einem kalkulierten Budget von über zwei Millionen Euro die vorherige Zustimmung des Rundfunkrats erforderlich.
7. Ausblick
Die nächste Sitzung des WDR-Rundfunkrats findet am 2. Juli 2025 statt. Das Gremium tagt im Wallraf-Richartz-Museum in Köln.