Drei Mädchen lachen vor dem Schriftzug „Lokalzeit“

ARD Nachrichtentag Aha-Erlebnisse hinter den Kulissen und eine knallharte Recherche

Am ARD Nachrichtentag am 19. März 2026 gab der WDR Einblicke in die Planung, Recherche und Produktion von Nachrichten – transparent, verständlich und direkt aus dem Redaktionsalltag. Mit Workshops und Führungen für Schulklassen in Köln, Dortmund und Bad Laasphe, einem Fake News-Angebot für Grundschulen sowie einer von Isabel Schayani moderierten Instagram-Live-Schalte bot der WDR spannende Mitmachformate. Unser Autor Christian Gottschalk hat den drei Workshops in der Kölner Innenstadt einen Besuch abgestattet.

Die Schülerinnen und Schüler aus der vierten Klasse der KGS Erlenweg wissen schon, was Fake-News sind: „Falsche Nachrichten“. Im Workshop von Insa Backe (WDR MausKlasse) und Eric Dieden (Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Köln) lernen sie nicht nur, wie sie klassische Fake-News erkennen. Sie behandeln auch Kettenbriefe, Schockanrufe und falsche Freunde, die nach Fotos fragen.

Zwei Jungen schreiben auf ein Arbeitsblatt

Denn beim Online-Gaming, auf TikTok und anderen Plattformen kommen viele Kinder in Kontakt mit Kriminellen oder mit brutalen Inhalten: „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen, KI, aber auch die Kriegsszenarien, die die Kinder auf dem Handy haben, plus Hardcorepornografie plus Tierquälerei und natürlich Radikalisierungs-Videos, müssen wir dafür sorgen, dass die Kinder eine universelle Resilienz entwickeln“, sagt Insa Backe.

Ein Frau trägt ein Maus-T-Shirt und spricht vor einer Kindergruppe

Dafür gibt der Workshop den Kindern Techniken an die Hand, wie sie mit Kopf, Herz und Bauch checken: Ist das logisch, wer verbreitet das und warum? Trotz der teilweise düsteren Themen kommt im Studio ZWEI in den WDR Arkaden der Spaß nicht zu kurz. Im Studio sprechen die Kinder selbst News ein: Echte und Falsche!

Hinter den Kulissen der Sportschau

Eine Gruppe von Jugendlichen wird gefilmt

Ein paar Stockwerke höher werfen Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule in Köln einen Blick hinter die Kulissen der Sportschau. Amilie Herberg, Redakteurin bei sportschau.de, und drei Kolleginnen begrüßen die Gruppe auf dem Sportcampus. Deren allererste Frage lautet: „Dürfen wir hier filmen für unseren Social-Media-Kanal?“ Dürfen sie. Dann lauschen die jungen Leute aufmerksam Informationen über Sportrechte und Nachrichten: Wann verzichtet die Sportschau darauf, eine Meldung zu verbreiten, weil sie sich nicht seriös verifizieren lässt? Wie wählt die Redaktion die Inhalte für Social-Media-Kanäle aus, und wie produziert sie diese?

Anschließend schauen sie sich noch das „Digitale Wohnzimmer“ an, wo die Twitch-Sendung der Sportschau aufgezeichnet wird. Und zum Schluss haben alle was gelernt, auch Amelie Herberg: „Mich hat überrascht, wie viele Schülerinnen und Schüler sich mit KI-Themen auseinandersetzen, weil ihnen das in ihrem Alltag begegnet“.

Live am 1LIVE Mikro: Super cool!

Zwei junge Frauen im Radiostudio von „1LIVE“

Im 1LIVE-Haus drängeln sich derweil Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse des Georg-Büchner-Gymnasiums im kleinen 1LIVE-Info-Studio um Lukas, der gerade die Verkehrsmeldungen vorliest. Zuvor sind sie von News-Redakteurin Lisa Bertram und Nachrichtenpresenter Tim Esselmann in die Grundlagen des Nachrichtenjournalismus und das Arbeiten mit Quellen eingeführt worden. Am Ende dürfen sie selbst ans Mikrofon um Nachrichten, Wetter und Verkehrsmeldungen einlesen. Perfekt getimed zwischen den 1LIVE-typischen Einspielern. „Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Schülerin Marie Obst, „weil man sich auf den Kopfhören so ganz anders hört, mit der Musik im Hintergrund.“ – „Es ist schon ein gewisser Stress“, ergänzt ihre Klassenkameradin Leandra Blaum, „aber die Erfahrung war supercool“. Beide können sich nach der kleinen Feuerprobe im Studio durchaus vorstellen, später als Moderatorinnen zu arbeiten.

Fact Check: Ist Eric ein echter Polizist?

Ein Mann mit tätowiertem Arm spricht mit Schulkindern

Im Fake-News-Workshop mit der Maus wird zum Schluss ein Geheimnis gelüftet. Am Anfang hatten die Kinder geraten, wie alt Workshopleiter Eric Dieden sein könnte, welche Hobbies er hat, was seine Lieblingsfarbe ist. Denn man sieht sowas Menschen ja nicht an. Er sei wohl ein 53-jähriger Heimwerker, der Lila mag. Und von Beruf: Polizist. Sagt er. Aber stimmt das auch? Die Kinder haben gelernt: Erstmal durchatmen. Dann die Fake-News-Checkpoints nutzen. Und im Anschluss mindestens drei – voneinander unabhängige - Quellen zur Überprüfung nutzen. Quelle Nummer eins, Eric, sagt: „Ja.“ „Was können wir tun, um die Information abzusichern? Was könnte die zweite Quelle sein? “, fragt Insa Backe. Ein Kind kommt auf die Idee, nach dem Dienstausweis zu fragen. Gute Idee, Eric zeigt den Ausweis vor, der sieht echt aus. Auch das Bild und der Name stimmt mit dem anwesenden Eric überein. 

Ein Mädchen spricht in ein Mikrofon, das von einer blonden Frau gehalten wird

Aber um ganz sicher zu gehen, wird überlegt, was eine dritte Quelle sein könnte. „Der Chef von Eric“. Oha. Soll man bei der Polizei anrufen, von der man nur die Notrufnummer kennt? Ein echter Polizist hat nichts dagegen, wenn man die Leitstelle höflich um eine Überprüfung bittet. Die Kinder erfahren von Insa, dass Notrufmissbrauch eine Straftat ist, wie man jemanden gut beschreibt und welche wichtigen Informationen sie am Telefon geben müssen, damit sie Hilfe bekommen. Mit Insa Backes Handy ruft ein Kind von ihr angeleitet die 110 an und sagt: „Das ist kein Notfall, das ist eine Überprüfung“. Es ist mucksmäuschenstill im Raum. „Hier steht einer und behauptet er wäre von der Polizei, in einem Workshop über Fake-News“. Ruhig und professionell fragt der Polizist am Notruf die Informationen ab. Erstaunlich ruhig, trotz sehr hohem Puls, beantwortet der Schüler alle Fragen. Und siehe da: „Eric Dieden habe ich im System, der ist ein echter Polizist.“ Knallharte Recherche mit der Maus!

ARD Nachrichentag in NRW – und auch auf Social Media

Bildcollage: Ein Mann vor einer Tafel und zwei Frauen sprechen in ein Mikrofon.

Auch außerhalb von Köln war einiges los: Im „Gläsernen Studio“ in Bad Laasphe waren Schulklassen aus der ganzen Stadt zu Gast, aber auch andere Interessierte nutzen die Gelegenheit, sich die Arbeit der Nachrichtenredaktionen vor Ort anschauen. Am Gymnasium Bad Laasphe beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler beim Nachrichtenworkshop mit nicetoknow damit, wie sie selbst Newscontent auf TikTok nutzen und Fake News besser erkennen. Zusätzlich zeigte die Redaktion von nicetoknow, wie sie als öffentlich-rechtlicher Kanal auf der Plattform arbeiten. Im Studio Dortmund durften die Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse der Hauptschule Kamen selbst vor dem Mikrofon stehen und die Nachrichten im Radiostudio einsprechen.

Die Moderatorin Isabel Schayani im Studio

Am Nachmittag sprach Isabel Schayani live auf Instagram mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Auslandsstudios: Wie gelangen sie an Informationen, wie recherchieren und verifizieren sie Meldungen? Und wo genau arbeiten Journalistinnen und Journalisten in anderen Ländern unter welchen Bedingungen? Zugeschaltet waren die Korrespondentinnen Gudrun Engel im Studio Washington und Sophie von der Tann im Studio Tel Aviv.