Die Schalker Kenan Karaman (l.), Edin Dzeko (m.) und Trainer Miron Muslic (r.)

Nach der Zweitliga-Meisterschaft Ist Schalke gut genug für die Bundesliga?

Stand:

Der FC Schalke 04 ist verdientermaßen noch in Meister-Feierlaune, muss sich aber schnellstmöglich auf die Bundesliga vorbereiten.

Von Jörg Strohschein

Auch wenn die Saison in der 2. Liga offiziell beendet ist, geht es für die Spieler und die Verantwortlichen am Tag danach weiter. Am Montag (18.5.2026) müssen sie erst noch eine besondere Schalke-Aufstiegs-Straßenbahn einweihen, danach geht es zum Rathaus, um sich in das Goldene Buch der Stadt Gelsenkirchen einzutragen. Erst danach beginnt für alle Beteiligten der wohlverdiente Urlaub.

Fakt ist: Ganz Schalke schwelgt seit zwei Wochen in Glückseligkeit. Und doch kommt der Ernst der neuen Saison in schnellen Schritten auf den Ruhrgebietsklub zu. Die große Frage, die sich die Fans mit Blick auf die Bundesliga stellen: Wie konkurrenzfähig wird die Mannschaft von Miron Muslic sein?

"Die letzten elf Monate waren sehr herausfordernd. Und ich glaube die nächste Etappe wird genauso sein. Eine XXL-Herausforderung", sagte der S04-Trainer nach dem 1:0-Erfolg gegen Eintracht Braunschweig.

Karaman bester Zweitligaspieler

Nicht nur aufgrund der klaren Spielidee Muslics haben die Schalker die 2. Liga unerwartet dominiert. Mit Kenan Karaman hatten sie zudem den besten Zweitligaspieler (wurde nach der Partie von der Deutschen Fußball Liga geehrt) in ihren Reihen.

Mit dem im Winter verpflichteten Edin Dzeko verfügten sie trotz seines stolzen Fußballer-Alters von 40 Jahren über einen Ausnahmstürmer im Unterhaus. Und es gibt einige weitere Spieler wie Soufiane El-Faouzi, Moussa Ndiaye oder auch Adil Aouchiche, die das Team auf ein beachtliches Level gehoben haben.

Schalke muss sich selbst Fragen beantworten

Das Problem: Die Herausforderungen in der Bundesliga sind deutlich höher als in der 2. Liga. Die Schalker brauchen nicht nur Verstärkungen, um bestehen zu können. Sie müssen vor allem erst einmal daran arbeiten, das sportliche Niveau halten zu können.

Und: Sie müssen vor allem für sich selbst entscheidende Fragen beantworten: Kann der 32 Jahre alte Karaman erneut eine so entscheidende Rolle spielen? Kann sich Dzeko auch noch gegen bessere Verteidiger so entscheidend durchsetzen? Wie schließen sie die Lücke, die etwa der nur vom RSC Anderlecht ausgeliehene Ndiaye hinterlassen wird? Geld für einen Kauf (mindestens 3 Millionen Euro) hat der S04 eher nicht.

Und damit nicht genug. Reicht die Qualität der verbleibenden Abwehrkette um Hasan Kurucay,, Mertcan Ayhan und Timo Becker aus? Und wie schaffen es die Schalker, mehr Torgefahr zu erzeugen? 50 Treffer sind lediglich ein durchschnittlicher Wert in der 2. Liga, selbst Arminia Bielefeld und Greuther Fürth haben öfter getroffen.

Aus der Startelf gegen Braunschweig hatten auch nur sechs Spieler (Karius, Becker, Schallenberg, Ljubicic, Karaman, Dzeko) Erfahrungen in der Bundesliga sammeln können.

Transferüberschuss ist Pflicht

In dieser Gemengelage spielen die Finanzen des S04 eine entscheidende Rolle. Die Nettofinanzverbindlichkeiten des Klubs betragen trotz einer starken Reduktion in den vergangenen Jahren immer noch 116 Millionen Euro. Damit bewegen sich die Schalker weiterhin in einem engen finanziellen Rahmen. Zumal sie auch noch einen Transferüberschuss von zwei Millionen Euro als Auflage der DFL erfüllen müssen.

Erste Aufgabe von Sportvorstand Frank Baumann dürfte es deshalb sein, den auf aktuell 34 Spieler aufgeblähten Kader deutlich zu reduzieren, um damit mehr finanziellen Handlungsspielraum zu erhalten.

Sportvorstand Baumann ist gefragt

Zudem bekommt der Klub von Sporting Lissabon rund 2,4 Millionen Euro ausgezahlt, weil die Schalker am Transfer von Ex-Spieler Rodrigo Zalazar von Braga in die portugiesische Hauptstadt profitieren.

Für Baumann, der vor allem in der vergangenen Winterpause ein geradezu goldenes Händchen bei den Neu-Verpflichtungen an den Tag gelegt hatte, dürfte es nur eine kurze Pause zum Erholen geben. Nach der jüngsten Kaderzusammenstellung haben die Anhänger des Klubs allerdings größtes Vertrauen, dass der 50-Jährige wieder genau die Bedürfnisse des Teams erkennen wird.

Unsere Quellen

  • Autor vor Ort

Sendung: WDR.de, Kann Schalke auch in der Bundesliga bestehen?, 19.05.2026, 13:32 Uhr

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