Collage: Menschen stehen hinter Holzbuchstaben mit dem Wort „"Rente!"“ und zerfallenden Euroscheinen.

WDR 5 Tagesgespräch Rente: Braucht es mehr Generationengerechtigkeit?

Die schwarz-rote Koalition hat einen Herbst der Reformen angekündigt und will unter anderem das Rentensystem umbauen. Doch ist das bezahlbar? Welche Reformen sind dringend nötig? Diskutieren Sie mit Prof. Dr. Carla Krolage, Professorin für Economic Data Science an der Universität Regensburg und Forschungsdirektorin am ifo Institut.

Rentensystem am Limit

Deutschlands Rentensystem gerät mit dem demografischen Wandel zunehmend unter Druck: Immer mehr Babyboomer gehen in Rente, während weniger junge Erwerbstätige nachrücken. Das Umlageverfahren stößt an seine Grenzen. Schon jetzt fließen über 122 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die gesetzliche Rente – fast ein Viertel aller Staatsausgaben.

Renten-Pläne der Regierung

Die schwarz-rote Koalition will das Rentenniveau von 48 % bis 2031 sichern. Ohne diese Maßnahme drohten sinkende Alterseinkommen, warnt die Regierung. Die Renten sollen weiter mit der Lohnentwicklung steigen, der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor bleibt vorerst ausgesetzt – er würde normalerweise den Anstieg bremsen, wenn demografisch immer mehr Rentner auf immer weniger Beitragszahler kommen. Zudem soll die Mütterrente ausgeweitet werden, ein Herzensprojekt der Merz-Regierung, insbesondere der CSU. Die Kosten hierfür sollen zum Teil durch das Sondervermögen abgedeckt werden.

Wirtschaft warnt vor Renten-Kollaps

32 Wirtschaftsverbände kritisieren die Rentenpläne der Regierung als "untragbar" und warnen vor zusätzlichen Kosten von fast 480 Milliarden Euro bis 2050. Arbeitnehmer müssten mit höheren Abgaben rechnen und höhere Rentenbeiträge oder immer höhere Steuern zahlen, um das riesige Loch in der Rentenversicherung zu stopfen. Unternehmen würden dadurch an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Gefordert werden u. a. die Abschaffung der Rente mit 63, ein höheres Rentenalter und stärkere Abschläge für Frührentner.

Rentenbeitrag soll 2028 deutlich steigen

Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung dürfte 2028 spürbar steigen. Nach Angaben von Alexander Gunkel, Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung Bund, ist ein Anstieg um 1,2 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent zu erwarten. Es wäre die erste Erhöhung seit 20 Jahren – und laut Gunkel ein "sehr heftiger Sprung". Derzeit liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Steigt der Rentenbeitragssatz um 1,2 Prozentpunkte, bleiben jedem Arbeitnehmer 0,6 Prozent weniger vom Brutto. Die genaue Höhe der Rentenanpassung werde aber erst im Frühjahr feststehen, wenn sämtliche Daten vorlägen.  

Alternativen und Reformansätze

Kritiker betonen, dass die gesetzlichen Renten allein kaum zum Leben reichen und die jüngere Generation überproportional belastet wird. Lösungen könnten eine grundlegende Reform des Rentensystems und stärkere Anreize zur privaten Altersvorsorge sein. Die schwarz-rote Regierung hat sich im Koalitionsvertrag auf ein "individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot" geeinigt, die sogenannte "Frühstart-Rente".

Schon Kinder sollen für die Rente vorsorgen

Der Staat zahlt jedem Kind von 6 bis 18 Jahren zehn Euro monatlich auf ein Altersvorsorgedepot, investiert in Aktien, ETFs oder andere Wertpapiere. Eine ähnliche Altersvorsorge gibt es in Israel. Auch andere Länder, wie Kanada, Großbritannien und Frankreich setzen bereits mehr auf eine Kombination aus staatlicher und privater Altersvorsorge, um das Rentenloch zu schließen und die Sozialausgaben zu drosseln.

Sollten wir uns diese Länder zum Vorbild nehmen? Wie kann die Rente generationengerecht und sozial gestaltet werden? Welche Reformen sind dringend notwendig? Treffen Sie bereits privat Vorsorge für sich oder Ihre Kinder? Wie kann das deutsche Rentensystem fit für die Zukunft gemacht werden?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Prof. Dr. Carla Krolage, Universität Regensburg / ifo Institut

Redaktion: Chris Hulin und Valentina Dobrosavljević

Rente: Brauchen wir mehr Generationengerechtigkeit?

WDR 5 Tagesgespräch 14.11.2025 45:42 Min. Verfügbar bis 14.11.2026 WDR 5


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