Der Gang zur Hausarztpraxis soll nach dem Willen der Bundesregierung künftig der erste Schritt bei gesundheitlichen Beschwerden sein – und zwar verpflichtend. Mit dem sogenannten "Primärarztsystem" will die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) das Gesundheitssystem effizienter gestalten: Patient:innen sollen sich verbindlich für eine Hausarztpraxis entscheiden, die dann steuert, ob und wann ein Facharzt aufgesucht wird. Ausnahmen vom Hausarztprinzip soll es geben – etwa für Fachrichtungen wie Augenheilkunde oder Gynäkologie. Auf dem Deutschen Ärztetag in Leipzig warb Warken jetzt bei der Ärzteschaft für dieses neue Steuerungssystem.
Das Primärarztsystem bezeichnet die Ministerin als einen "Schritt nach vorne" – hin zu "mehr Zielgenauigkeit und auch zu einer besseren und schnelleren Versorgung". Unterstützung erhält sie dabei von der Bundesärztekammer. Deren Präsident Klaus Reinhardt begrüßt den Vorstoß: Viele Menschen kämen heute an der falschen Stelle ins System, was Zeit und Ressourcen koste. Eine verbindliche hausärztliche Steuerung könne unnötige Facharztbesuche vermeiden und den Weg freimachen für diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen.
Kritik kommt von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Sie warnt davor, dass viele Hausarztpraxen bereits heute überlastet seien und oft keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnehmen könnten. Zwei Drittel der Bevölkerung stünden laut der Stiftung dem Vorschlag kritisch gegenüber. Nicht wenige fühlen sich an die frühere Praxisgebühr erinnert, mit der von 2004 bis 2012 bereits versucht wurde, die Rolle der Hausärzte zu stärken – die jedoch nach breiter Ablehnung wieder abgeschafft wurde.
Was halten Sie von dem geplanten Primärarztsystem? Ist es eine sinnvolle Idee oder empfinden Sie es eher als Bevormundung? Erinnern Sie sich an die frühere Praxisgebühr – und was halten Sie von einem vergleichbaren Steuerungssystem? Sind Sie bereit, sich verbindlich an eine Hausarztpraxis zu binden? Wie ist die hausärztliche Versorgung in Ihrer Region? Bekommen Sie leicht einen Termin? Oder sind Sie selbst Hausärztin oder Hausarzt? Wie finden Sie die Idee, die hausärztliche Praxis zur ersten Anlaufstelle zu machen?
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Gast: Dr. Thomas Aßmann, Hausarzt aus dem Bergischen Land
Redaktion: Chris Hulin und Julia Lührs