In der Reihe "Lies mir was vor" bringt WDR 5 Klassiker der Weltliteratur zu Gehör. Diesmal präsentieren wir die Briefnovelle "Von Paul zu Pedro" von Franziska Gräfin zu Reventlow aus dem Jahr 1912.
Heute nahezu vergessen, war Franziska zu Reventlow um die Jahrhundertwende eine feste Größe der Münchner Bohème. Sie entstammte einen altem Holsteiner Adelsgeschlecht und hatte schon als Kind und Jugendliche ihren eigenen Kopf – was von Schulverweisen, über eine gescheiterte erste Ehe zum Zerwürfnis mit der Familie führte. Über Umwege landete zu Reventlow schließlich in München, wo sie als "Schwabinger Gräfin" in den dortigen Künstlerkreisen für Furore sorgte.
In ihrem ersten Roman "Ellen Ostjerne" von 1903 beschreibt sie ihre durch strenge Erziehung geprägte Jugend, in "Herrn Dames Aufzeichnungen" von 1913 ihre Erlebnisse in München.
Die Novelle "Von Paul zu Pedro" schrieb sie zwischen den Romanen: Wir lesen die Briefe einer überaus lebenshungrigen Frau, die schonungslos offen von ihren vielen Liebschaften berichtet: Etliche Flirts und wenige "seriöse Dauersachen". Sie ist dabei – nicht nur für die damalige Zeit – eine scharfsinnige und furchtlose Chronistin menschlicher Begierden. Und schont auch sich selbst nicht vor selbstironischer Kritik. Ihre Beobachtungen sind dabei erstaunlich zeitlos.
Katja Ruppenthal liest "Von Paul zu Pedro" von Franziska von Reventlow. Gastgeberin Rebecca Link lädt ein zu einem erfrischend frivolen Hörvergnügen am Pfingstmontag in WDR 5 und komplett nachzuhören im Podcast, mit Lesung und Talk. Als Expertin für die Hintergründe ist Dina Netz mit von der Partie.
Regie: Thomas Leutzbach
Redaktion: Ruth Dickhoven/Markus Brügge