Jahrhundertelang befand sich Europa im Krieg mit dem Osmanischen Reich. Daran erinnert nicht zuletzt die europäische Marschmusik. Denn ihre Inspirationsquelle war die Mehterhâne, die osmanische Militärkapelle mit lautstarken Bläsergruppen und vielen Perkussionsinstrumenten. Schon 1529 wurde Wien von den Osmanen belagert; der Erste Österreichische Türkenkrieg dauert fast 30 Jahre. Die Belagerung der Stadt durch die Osmanen im Jahr 1683 aber war nicht nur ein militärisches Ereignis, sondern wurde auch zum Symbol für den Zusammenprall unterschiedlicher Weltanschauungen und Kulturen. Hier traf auch die osmanische Musik auf europäische Ohren. Wurde sie zunächst als "grausam", "absurd" und "unlieblich" empfunden, entwickelten sich nach dem Frieden von Karlowitz 1699 türkischer Kaffee, türkische Accessoires und türkische Musik zum exotischen Modetrend – nicht nur in Wien. Das Ensemble Anima Shirvani hat sich auf Werke und Instrumente der europäischen Renaissance- und Barockzeit ebenso spezialisiert wie auf traditionelle Musik aus Aserbaidschan, Persien und Anatolien. Es erzählt eine berührende und lehrreiche Geschichte zwischen Krieg und Frieden mit Musik, die unter dem Eindruck dieser Ereignisse entstanden ist, und schlägt dabei eine Klangbrücke zwischen Orient und Okzident.
Musik von Dimitrie Cantemir, Johann Joseph Fux, Gazi Giray Han, Francesco Landini, Jean-Baptiste Lully, Michael Praetorius, Johann Rosenmüller, Salomone Rossi, Tylman Susato und Ali Ufki
Ensemble Anima Shirvani
Leitung & Posaune: Tural Ismayilov