- Sendehinweis: Vesper | 6. Juni 2026, 17.04 - 19.00 Uhr | WDR3
Vesper I
Erstmals gedruckt: eine mehrstimmige Messe
Mit der Erfindung der beweglichen Lettern revolutionierte Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts den Buchdruck. Erst Jahrzehnte später gelang es dem venezianischen Verleger Ottaviano Petrucci, diese innovative Idee auch auf die Musik zu übertragen. Er war 1501 der Erste, der mehrstimmige Musik mit beweglichen Metalltypen druckte. Schon 1502 veröffentlichte er dann einen Band mit mehrstimmigen Messen, in dem er sich nicht nur als versierter Notendrucker, sondern auch als kluger Geschäftsmann erwies. Denn er präsentierte darin ausschließlich Messen von Josquin Despez – der damals gerade zum Star der europäischen Musikszene avancierte. Petrucci eröffnete seine 'Liber Primus Missarum' mit Josquins 'Missa L'Homme Armé super voces musicales'. Das eindrucksvolle A-cappella-Werk ist in der Vesper zu hören, in der mal innigen, mal zupackenden Interpretation mit Jesse Rodin und seinem Ensemble Cut Circle.
Von Helga Heyder-Späth
Die Musikstücke zur Sendung
17:04 - 17:45 Uhr
Anonymus
Ad te Domine levavi. Graduale (Ausschnitt)
Schola Gregoriana Monacensis
Leitung: Johannes Berchmans Göschl
1'00''
Josquin Desprez
Kyrie und Gloria
aus: Missa L'Homme Armé super voces musicales
Cut Circle
Leitung: Jesse Rodin
9'54''
Josquin Desprez
Credo, Sanctus und Agnus Dei
aus: Missa L'Homme Armé super voces musicales
Cut Circle
Leitung: Jesse Rodin
22'24''
Vesper II
Drucker – Verleger – Komponist
Jahrhundertelang war Musik in erster Linie eine lokale Angelegenheit. Sie wurde – wenn überhaupt – nur handschriftlich notiert und fand meist nur in einem relativ exklusiven Kreis Verbreitung. Das änderte sich um 1500 mit der Erfindung des Musikdrucks, der es erst ermöglichte, Notenausgaben in größerer Stückzahl herzustellen und zu vermarkten. Zunächst arbeitete man – ähnlich wie im Buchdruck – mit beweglichen Lettern. Im Laufe der Zeit wurde diese Technik immer mehr verfeinert. Und es kamen neue Techniken dazu, etwa der Kupferstich, der ein wesentlich detaillierteres Druckbild ermöglichte. Erfolgreiche Drucker und Verleger hatten schon immer ein gutes Gespür dafür, welche musikalischen Neuerungen gerade in der Luft lagen. Manche wurden mit ihren Editionen sogar zum Trendsetter, oder sie edierten, wie Georg Philipp Telemann bevorzugt ihre eigenen Werke. Die Vesper unternimmt einen historischen Streifzug durch die Welt der Drucker, Verleger und Komponisten.
Von Helga Heyder-Späth
Die Musikstücke zur Sendung
18:04 - 19:00
Tielman Susato
Allemaingne VI
Il Giardino delle Muse
3'42''
Anonymus
Viv' el gran Re Don Ferrando
(für Ensemble)
Capella de la Torre
Leitung: Katharina Bäuml
1'50''
Hans Neusidler
Elslein, liebes Elslein mein
Musicke & Mirth
0'36''
Ludwig Senfl
Ach Elslein, liebes Elslein mein
Musicke & Mirth
1'51''
Anonymus
(Elslin, liebes Elselin min)
Musicke & Mirth
2'01''
Sixt Dietrich
Elslin liebes eleselin min
Musicke & Mirth
1'39''
Hans Leo Haßler
Ihr Musici, frisch auf
StimmGold
10'25''
Francesco da Milano
Recercar Nr. 7
Jean-Marie Poirier, Laute
Thierry Meunier, Laute
1'09''
Etienne Moulinié
Orilla del claro Tajo. Air de cour
Il Festino
Leitung: Manuel de Grange
4'16''
Antonio Vivaldi
La Follia. Sonata d-Moll, RV 63 (op. 1 Nr. 12)
(für 2 Violinen und Basso continuo)
Le Concert de la Loge
Leitung: Julien Chauvin
9'42''
Georg Philipp Telemann
Conclusion D-Dur, TWV 50:9
(für Oboe, Trompete, Streicher und Basso continuo)
Freiburger Barockorchester
Leitung: Petra Müllejans
6'43''
Redaktion: Susanne Rump