Reine du Ciel & Femme fatale
Musikalische Marienverehrung durch die Jahrhunderte: In der ersten Vesperstunde kombiniert Gela Birckenstaedt eine mittelalterliche Chanson à la Vierge mit einer über 700 Jahre jüngeren Marienlitanei von Poulenc. In der zweiten Vesperstunde geht es um die musikalische Inszenierung legendärer Frauengestalten wie Medea, Kirke und Dalila.
- Sendehinweis: Vesper | 16. Mai 2026, 17.04 - 19.00 Uhr | WDR3
Vesper I
Reine du Ciel
17:04 - 17:45 Uhr
Der Wonnemonat Mai gilt nach christlicher Tradition auch als Marienmonat. Maria wird als Himmelskönigin gefeiert, etwa mit dem „Regina coeli“ oder dem „Salve Regina“. Die Texte dieser gregorianischen Marienantiphonen sind durch die Jahrhunderte unzählige Male vertont worden. Von Jean-Jacques Rousseau, dem Philosophen und Schriftsteller, der im Nebenberuf auch Komponist war, gibt es ein eingängiges „Salve Regina“ für Sopran und Orchester. Gautier de Coincy, ein Benediktinermönch und Dichter aus der Zeit um 1200, hat zu Ehren der heiligen Jungfrau und Gottesmutter die „Miracles de Nostre Dame“ verfasst, eine Gedichtsammlung, die von den Wundertaten Marias berichtet. Zu einigen Dichtungen sind auch Melodien überliefert, die aus dem Repertoire der französischen Troubadours stammen.
Von Gela Birckenstaedt
Die Musikstücke zur Sendung
Vicente Lusitano
Regina caeli laetare
The Marian Consort
Leitung: Rory McCleery
4'07''
Gautier de Coincy
Mere Dieu, virge senee
New London Consort
Leitung: Philip Pickett
6'59''
Marc-Antoine Charpentier
Ouverture pour l'eglise, H 524
Les Passions
Leitung: Jean-Marie Andrieu
2'56''
Jean-Jacques Rousseau
Salve Regina
Carolyn Sampson, Sopran
Ex Cathedra
Leitung: Jeffrey Skidmore
9'33''
Francis Poulenc
Litanies à la Vierge noire
Louis-Noël Bestion de Camboulas, Orgel
Ensemble Aedes
Leitung: Matthieu Romano
8'18''
Marcel Lucien Tournier
Nocturne, op. 21
Mathias Johansen, Violoncello
Silke Aichhorn, Harfe
4'47''
Vesper II
Femme fatale
18:04 - 19:00
Medea ist eine Figur der griechischen Mythologie, Dalila eine Frau aus dem Alten Testament. Die Geschichten dieser beiden „Femmes fatales“ sind so unterschiedlich, wie die Quellen, die von ihnen erzählen. Trotzdem haben sie viel gemeinsam: Beide sind verführerisch, stark und skrupellos. Die Männer, die sich auf sie einlassen, riskieren Kopf und Kragen. Medea hatte Jason einst geholfen, das Goldene Vlies zu rauben. Als er sie später wegen einer jüngeren Frau verlässt, tötet Medea die beiden. Der Israelit Samson besitzt übermenschliche Kräfte, die er seinem langen, ungeschnittenen Haar zu verdanken hat. Samson verliebt sich in Dalila, die ihre Liebe zu ihm nur vortäuscht. In einer gemeinsamen Nacht schneidet sie ihm das Haar ab und liefert den wehrlosen Samson den Philistern aus.
Die Geschichten von Medea und Dalila − zwei Steilvorlagen für packende Musikwerke.
Von Gela Birckenstaedt
Die Musikstücke zur Sendung
Giovanni Giacomo Gastoldi
Questa dolce sirena
Alice Borciani, Sopran
Annie Dufresne, Sopran
Catherine Pillonel Bacchetta, Mezzosopran
A Corte Musical
Leitung: Rogério Gonçalves
3'14''
Anonymus
Medee fu en amer veritable (Codex Chantilly)
Ferrara Ensemble
Leitung: Crawford Young
6'13''
Anonymus
Samson dux fortissime
(Lai von Samson und Dalila)
Sequentia
Leitung: Benjamin Bagby
10'54''
Alessandro Stradella
Queste lagrime e sospiri (Arie der Salomé)
aus: San Giovanni Battista
Patricia Petibon, Sopran
Venice Baroque Orchestra
Leitung: Andrea Marcon
4'35''
Luigi Cherubini
Circé
Karine Deshayes, Mezzosopran
Opera Fuoco
Leitung: David Stern
12'52''
Lili Boulanger
Les Sirènes
Catherina Witting, Sopran
Antonii Baryshevskyi, Klavier
Orpheus Vokalensemble
Leitung: Michael Alber
6'21''
Moderation: Gela Birckenstaedt
Redaktion: Susanne Rump