Irans Atomprogramm - Update mit Bahman Nirumand
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Schon vor über 60 Jahren musste Bahman Nirumand Iran verlassen, weil er als Oppositioneller politisch verfolgt wurde. Bis heute beobachtet er die politische Entwicklung und die Atomverhandlungen. Im Gespräch mit Host Shanli Anwar findet er deutliche Worte für seine Beobachtungen.
Bahman Nirumand vermisst die Berge in Iran. Drei Mal hat der heute 88-Jährige sein Land verlassen und immer wieder ist er zurückgekehrt. Als Teenie schickten seine Eltern ihn in Deutschland zur Schule. Nach dem Uni-Abschluss kehrte er als Dozent nach Teheran zurück. Als junger Mann beteiligte er sich an den weltweiten Studentenprotesten. Mit anderen organisierte er sich politisch gegen den ersten obersten Führer des Iran Ruhollah Chomeini.
"Ich bereue den Kampf gegen das Schah-System nicht, das war eine Diktatur. Ich fühlte mich verpflichtet, gegen die Diktatur zu kämpfen. Aber ich habe mir niemals vorstellen können, dass das zu einer Diktatur der Mullahs führen würde." Bahman Nirumand
Weil er sich also gegen das Schah-System stellte, war er von Verhaftung bedroht und verließ das Land 1965. Dabei sagt er heute, das sei keine echte Flucht gewesen. Als er später, 1982, noch einmal das Land verlassen musste, auf der Flucht vor den Mullahs, das sei gefährlich gewesen. Heute blickt er also aus dem Exil auf Iran und beobachtet aus Deutschland die politischen Entwicklungen sowie die Atomverhandlungen.
"Iran hat genug Wind und genug Sonne und hätte man die Milliarden in erneuerbare Energien investiert, die man schon in das Atomprogramm gesteckt hat, hätte es gar keine Probleme mit Strom." Bahman Nirumand
Ähnlich kopfschüttelnd hat Bahman Nirumand den 12-Tage andauernden Krieg zwischen Israel und Iran verfolgt. "Das war Völkerrechtlich ein Vergehen, dass Israel Iran angegriffen hat", sagt er im Gespräch mit Shanli Anwar. Auch Argumente, dass Israel sich durch Iran und die von der Islamischen Republik unterstützten Milizen von Hisbollah und Hamas bedroht gefühlt haben könnte, lässt er nicht gelten. Zum Zeitpunkt des Angriffs, dem 13. Juni, seien diese Milizen nach Auffassung Nirumands ohnehin schon geschwächt gewesen.
In den letzten Jahren habe die Islamische Republik aus seiner Perspektive noch einen anderen Kampf verloren. Ihre Traditionen würden für viele als veraltet gelten und sie ließen sich nicht länger von den Machthabern unterdrücken.
"Nach meiner Auffassung ist dieses Regime längst gestürzt, kulturell betrachtet. Diese Bewegung 'Frau, Leben, Freiheit', das war ein Kulturkampf. Die wollten zeigen, dass der Mensch selbstständig ist und selbst entscheiden will. Ein Ruf nach Freiheit. Das allein zeigt, dass dieses Volk lebendig ist." Bahman Nirumand
Bahman Nirumand ist Germanist und Autor. Im Jahr 1963 wurde er in Teheran geboren. Mit 14 Jahren schickten seine Eltern ihn nach Deutschland. Dort ging er zur Schule und Universität. In den 60er Jahren kehrte er nach Teheran zurück, um dort als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaften zu arbeiten. Seitdem hat er Iran mehrmals verlassen müssen, weil er sich als Oppositioneller gegen das Schah-Regime und das aktuelle Regime stellte stellteBis heute ist er eine wichtige kritische Stimme zur politischen Lage in Iran, die sich unermüdlich aus dem Exil in Deutschland organisiert.
Das Gespräch wurde am 08.08.2025 aufgezeichnet.
SHOWNOTES
"Iran im Herzen"-Folge mit ZDF-Nahost-Korrespondentin Golineh Atai. Eine Bilanz zum sogenannten "12 Tage Krieg"
Host: Shanli Anwar
Redaktion: Pardis Shafein