Pigeon – "Outtanational"

Pigeon – "Outtanational": Die Taube ist gelandet

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Die britische Times lobt sie als die aufregendste Band seit Jahren: Pigeon ist eine fünfköpfige Band aus Margate in der Nähe von London. Der Sound ihres Debüts "Outtanational" bewegt sich zwischen Afrobeat und Post Punk. 

Von Amy Zayed

Pigeon - "Outtanational"

Reviews 10.06.2026 03:43 Min. Verfügbar bis 09.06.2028 COSMO


Bei Post Punk denkt man an Bands wie Joy Division oder Echo & The Bunnymen, mit typischen Bass, Gitarre und Schlagzeug-Besetzungen, introvertierten Texten, in denen es um das triste Leben in verregneten US- oder UK-Industrie-Städten geht. Tatsächlich hat das Genre aber Ende der 70er-Jahre, Anfang der 80er-Jahre über den Tellerrand der westlichen Gitarrenmusik hinausgeblickt: auf Sounds aus Afrika, auf den aufkeimenden HipHop aus der Bronx auf House und Techno aus Chicago und Detroit. Aber auch wenn Post Punk damals sehr offen war, geschah das alles aus westlicher Sicht. Mit welcher Konsequenz Pigeon nun ihre Musik für Sounds aus Afrika öffnen, ist bisher beispiellos gewesen. Sie mischen die typischen schneidenden Gitarren des Post Punk mit westafrikanischen Instrumenten wie Gongoma oder Bolon und mit Genres wie Afrobeat und Dance. Sänger Falle Nioke kommt ursprünglich aus Guinea und singt in seiner Heimatsprache, sowie Französisch und Englisch, oft alles in einem Song.

The New Black James Dean

Pigeon wissen, dass ihre Mischung außergewöhnlich ist und spielen ganz bewusst damit. "Es gibt so viel Musik da draußen. Und jeder will irgendwie auffallen. Wir müssen also authentisch sein. Und seien wir mal ehrlich, besonders die Gitarrenwelt ist schon sehr westlich geprägt. Wir sind fünf Leute mit den verschiedensten Wurzeln, das wollten wir auch in unseren Songs zeigen", sagt Sänger Falle Nioke. Die Single-Auskopplung "Black James Dean" spielt darauf an. Die Hook ist schon fast ein Schlachtruf: "I am the Black James Dean, put me on your magazine." Eine klare Ansage an die Welt da draußen, dass es Zeit wird, die westlich geprägte Popwelt für andere Kulturen zu öffnen. Ihr Debüt-Album haben Pigeon "Outtanational" genannt, ein Fantasiewort, das man übersetzen kann mit "staatenlos". "Für uns stand 'Outtanational' für etwas Neues, total Aufregendes. Aber es bedeutet auch, dass es vollkommen unwichtig ist, sich mit irgendeinem Land verbunden zu fühlen, wenn man durch Musik, und den Leuten, bei denen man sich wohl fühlt, schon eine Heimat hat", erklärt Nioke.

Einbürgerung oder staatenlos

Viele der Songs hat Nioke geschrieben, während er den Einbürgerungsprozess in Großbritannien durchlaufen hat. "Das war eine harte Zeit", sagt Nioke. "Ich musste all diese Gesetze lernen. Und so Fragen beantworten wie: Woher hat Großbritannien im 17. Jahrhundert seinen Tee herbekommen? Oder: Wer war der Urgroßvater von König XY? Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, eigentlich wollen die mich hier gar nicht! Man hat mir vermittelt: Wenn Du hier sein willst, dann musst Du nicht nur die Gesetze befolgen, sondern unfassbar dankbar dafür sein, dass wir Dich überhaupt hier sein lassen. Und das Gefühl habe ich versucht, in meine Musik einzubinden." Auf "Outtanational" geht es um Identität und das Verständnis von Heimat. Es widmet sich der Zugehörigkeit, in einer Zeit, die sehr von Populismus und Fremdenhass geprägt ist.