Nach den beiden Überhits um die Jahrtausendwende war Mýa nicht untätig, aber eher in den USA erfolgreich. Noch 2016 war sie mit "Smoove Jones" für einen Grammy für das beste R&B-Album nominiert. Von Billboard wurde sie als "Top-Künstlerin des 21. Jahrhunderts" geehrt. Dann gab es die erfolgreiche "The Boy Is Mine"-Tour mit ihren Weggefährtinnen Brandy und Monica und ihre Performance zum 25. Jubiläum ihres Songs "Case of the Ex" bei den renommierten BET Awards ging online viral.
Die Zeitreise beginnt
All diese Erfolge stehen aber mit einem Bein in der Vergangenheit. Zeit also, sich dieser voll und ganz zu widmen: Auf "Retrospect" treffen Disco und Funk der 70er und 80er auf die Musik aus Mýas Jugend, mit der sie auch berühmt wurde: R&B, Soul und Hip-Hop der 90er Jahre. Dabei findet man einige Easter Eggs: "Ain’t Another" ist z. B. eine Anspielung auf den großen Hit "Ain't Nobody" von Chaka Khan aus dem Jahr 1983.
Oldschool-Produktion und alte Bekannte
Auch die Produktion auf dem Album klingt oldschool, fast so, als wäre es irgendwann Mitte der 80er bis Anfang der 90er aufgenommen worden. Es sind auch einige Feature-Gäste aus dieser Zeit dabei, darunter Rap-Legende Snoop Dogg und Westcoast-Pionier Too Short. Nur die Texte spielen im Hier und Jetzt: Es geht um die Partypläne von heute Abend oder um eine Liebeserklärung an eine Person, die mit im Raum ist.
Nostalgie für Haus-Partys und Skate-Nights
Auch visuell teleportiert sich Mýa in die 80er Jahre: Im Musikvideo zu "ASAP" ist die Sängerin in einem Kleid mit Schulterpolstern und großen, funkelnden Ohrringen zu sehen, dazu gibt's einen Porsche 944 und ein altes Kabeltelefon. Auf dem Albumcover zu "Retrospect" geht es in die Disco-Ära der 70er: Darauf trägt Mýa ein goldenes Paillettenkleid, eine voluminöse Föhnfrisur und große Creolen-Ohrringe.
Mýa selbst sagt, sie wollte mit diesem Album zurück in eine besondere Zeit der Musik und Kultur, die viel Liebe und Freude gebracht hat, und den Vibe von damals ins Heute transportieren: die Tage der Kassetten und Vinylplatten, tollen Konzerte und Haus-Partys, Skate-Nights und Date-Nights. Das ist ihr gelungen. "Retrospect" ist R'n'B-Nostalgie in Albumform.