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Jul: "Oubliez-moi" – Das Rap-Ufo vom Mars

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Dancebeats und Autotune-Singsang sind mittlerweile auch im Rap übliche Elemente. Ein Pionier dieser wilden Mischung ist Jul aus Marseille. Mit Raps für die Straßen und Melodien für die Massen wurde er zu einem der größten Stars Frankreichs.

Von Adrian Nowak

Jul: "Oubliez-moi"

Reviews 27.05.2026 03:09 Min. Verfügbar bis 26.05.2028 COSMO


Er bezeichnet sich selbst als OVNI, also "Objet Volant Non Identifié", zu deutsch UFO. Das passt gut, denn Rapper Jul kommt aus der Mittelmeermetropole Marseille, die umgangssprachlich mit Mars abgekürzt wird. Außerdem platzte er 2013 mit einem sehr eigenwilligen Stilmix in die französische Rap-Szene und wirkte damit tatsächlich wie ein Besucher vom anderen Stern.

Erst kürzlich begeisterte er an zwei Abenden hintereinander jeweils 100.000 Fans im Stade de France, sogar der Schauspieler Vincent Cassel schaute vorbei, um auf der Bühne Jul anzukündigen. Ein Ritterschlag, spielte Cassel doch 1995 im französischen HipHop-Kultfilm "La Haine" mit.

Jul - Der Mann vom MArs

Alles begann am 14. Januar 1990 im Marseiller Stadtteil Saint-Jean-du-Désert, wo Jul als Julien Mari zur Welt kommt. Bis heute ist die Verbundenheit zu seiner Stadt ein zentrales Thema in seinen Texten. Auf dem neuen Album gibt es zum Beispiel die Hymne "Marseillais", in der er die Viertel von Noailles bis Panier erwähnt, und den Track "Cantona", in dem er sich mit der Fußball-Legende Eric Cantona vergleicht.

Wie viele Kids in Marseille läuft Jul bis heute gern im Jogginganzug und Badelatschen rum und trägt auch keine dicke Uhr oder ähnliche Statussymbole. Dafür ist auf dem Trikot von Olympic Marseille mittlerweile das Logo von Juls Label "D'or et du platine". Mehr Lokalpatriotismus geht nicht.

Vorreiter des Dance-Raps

2013 debütierte Jul mit der Single "Sort le cross volé", in welchem er von geklauten Moto-Cross-Maschinen, Marihuana-Handel und Polizeiobservation rappt. Dazu erklingt aber kein brettharter, düsterer Beat, sondern ein Instrumental, das eher an lockeren 80er-Synthie-Pop erinnert. In späteren Stücken wie "On m'appelle L'Ovni" verfeinert Jul seinen Mix aus Pop und Rap, mixt elektronische Dance-Beats mit Autotune-Singsang.

Damit stößt er eine Entwicklung an, die später auch Künstler wie Apache 207 oder Bonez MC inspiriert. Während es früher eine Unterscheidung gab zwischen authentischem Straßen-HipHop und kommerziellem Pop-Rap, vermischen sich mittlerweile diese Welten und auch die Leute vom Block trauen sich melodiös zu sein.

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Auf dem neuen Album "Oubliez-moi" ("Vergesst mich") verbindet Jul wieder ungezwungen Mainstream-Appeal mit Straßen-Attitude. Da wäre zum Beispiel das poppige Liebesdrama "C'est dur d'aimer", das stark nach Sommerhit mit Latino-Elementen klingt, und auch im ZDF Fernsehgarten funktionieren würde.

Neben romantischen Songs wie "Je t’aime" gibt es aber auch viele finstere Rap-Ansagen. Titel wie "Tié un tigre" (einen Tiger bändigen) oder "Parasite" haben zwar tanzbare elektronische Beats, kommen aber mit düsteren Melodien und selbstbewussten Sprüchen daher, in denen Jul gegen Parasiten und Verräter austeilt. 

"On ne parlera plus ensemble" ("Wir reden nicht mehr") oder "Ne me décois pas" ("Enttäusche mich nicht") befassen sich ebenfalls mit falschen Freunden. Doch Jul wäre nicht Jul, wenn nicht auch diese ernsthaften Lieder einen treibenden Beat hätten. Mal geht es in Richtung Techno, mal in Richtung Reggaeton. 

Jul hat sich auf "Oubliez-moi" nicht neu erfunden, zeigt aber auf 21 Stücken seine unglaubliche Vielseitigkeit und liefert den Soundtrack für Strandparties, Sportautos und Bluetooth Boxen – nicht nur auf dem Mars.