Arlo Parks: "Ambiguous Desire" – Entdeckungsreise durch die Clubszene
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Bekannt geworden ist sie mit melancholischem Indie, jetzt erfindet sie sich auf ihrem dritten Album neu. Arlo Parks liefert mit "Ambiguous Desire" tanzbaren Clubsound und den Erfahrungsbericht einer Mittzwanziger Britin, die in ihrer Wahlheimat Los Angeles einfach mal durchatmen konnte.
Von Maike de Buhr
"Ambiguous Desire" ist das dritte Studioalbum der britischen Künstlerin Arlo Parks. Bekannt wurde Arlo, die eigentlich Anais Oluwatoyin Estelle Marinho heißt, 2021 mit ihrem Debüt "Collapsed in Sunbeams", was direkt einen Mercury-Prize in Großbritannien 2021 gewann. Eigentlich stand sie immer für sehr melancholischen Indie-Pop. Doch diesmal klingt ihr Album vollkommen anders als das, was man sonst von ihr gewohnt ist. Komplett weg vom poppigen Indie-Sound, den oft melancholischen Melodien und Texten, und hin zu einem ziemlich tanzbaren Club-Sound.
Es gibt mehrere Gründe für die Veränderung. Einer davon ist, dass sie nicht auf diesen Musikstil reduziert werden möchte. Insbesondere da es in ihren Texten viel um psychische Erkrankungen, Depressionen, Drogenabhängigkeit und Suizid ging. Einerseits war das gut, denn lange Zeit waren das Tabu-Themen im Popbusiness, andererseits wurde Arlo auch ein bisschen zum Kummerkasten vieler Fans, und in den Interviews gings immer wieder um ihre eigenen persönlichen Erfahrungen mit Depressionen. Mit diesem Album wollte sie mal eine ganz andere Seite von sich zeigen, um nicht ausschließlich mit diesem Thema identifiziert zu werden.
Ein anderer Grund ist, dass sie endlich mal Zeit gefunden hat, selbst Luft zu holen, sagt sie. Ihr Debüt erschien, als sie sie gerade mal 21 war, und dann wurde sie auch schon durch die Maschinerie gescheucht: Promo, Tour, nächstes Album. "Ich wollte einfach spontaner und verspielter sein, sagt sie. "Die Tanzfläche und der Club hatten für mich dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Ich habe Leute aus der Szene kennengelernt, die mich mit ihr vertraut gemacht haben, und ich habe mich zum ersten Mal irgendwo zugehörig gefühlt. Das hört man total auf meinem Album. Aber es hat mich auch persönlich verändert, und mich selbstbewusster gemacht."
Neues Selbstbewusstsein
Vor einigen Jahren ist Arlo Parks nach L.A gezogen und hat ihre ersten Cluberfahrungen dort vor Allem in der queeren Clubszene gemacht. Das hat sie im Songwriting viel freier gemacht. Zum Beispiel kann sie nun viel einfacher über ihre persönlichen Erfahrungen mit Liebe singen und schreiben. Auf ihrer Single "2SIDED" singt sie darüber, sich endlich zu trauen, einer Frau zu sagen, dass sie sie mag.
"Ich wollte einfach einen Song über diese menschliche Erfahrung machen: dass wir jemanden wirklich mögen, aber diese besondere Magie kaum in Worte fassen können – und den Mut finden müssen, es trotzdem auszusprechen", sagt sie. "Und das wollte ich nicht nur textlich, sondern auch musikalisch ausdrücken, indem ich mit den Synths die Spannung aufbaue. Und dann explodiert dieser Refrain, und es fühlt sich einfach so weit und offen an."
Insgesamt klingt die Platte klingt nach vielen Synths und vielen tanzbare Beats. Oft versteht man Arlos Gesang nicht so richtig, weil er fast mit dem Instrumental und den Samples verschmilzt. Manchmal wird es zwar etwas eintönig, und man vermisst die melodischen Songs, die ihre Stimme zum Ausdruck bringen. Aber "Ambiguous Desire" ist eine schöne Tanzplatte. Es ist es beindruckend, dass Arlo Parks diesen Umschwung gewagt hat. Wenige junge Künstler trauen sich das, und es macht neugierig darauf, was als Nächstes von ihr kommt. Denn was dieses Album zeigt ist, dass Arlo Parks musikalisch noch sehr viel mehr zu bieten hat.